Ein Lichtermeer am Ufer

Wolfratshausen - Tausende Besucher haben sich am Sonntagabend in Wolfratshausen von der Johannifloß-Prozession verzaubern lassen.

Alle drei Jahre wieder stellt sich die ewig gleiche Frage: Ist der Ehrengast pünktlich? Am Ufer der Loisach warten tausende Zaungäste, die Geistlichkeit Johannes von Bonhorst und Florian Gruber hat sich mit Gebirgsschützenkompanie und Königlich Privilegierten Feuerschützen an der Floßlände aufgestellt. Und die Kinder, vor allem die Mädchen und Buben der Hammerschmiedschule, haben eigenwillige Kreationen aus Holz, Styropor und Teelichtern gebastelt, um ihre Flöße in der Loisach auf die Reise zu schicken. All diese Menschen im Stadtzentrum müssen sich seit jeher gedulden, bis der Ehrenbürger Edmund Stoiber mit seiner Gattin Karin das Ehrenfloß besteigt. In seiner Ära als Ministerpräsident ließ sich Stoiber eine Dreiviertelstunde Zeit, am gestrigen Sonntag verspätete sich die prominente Familie um zehn Minuten.

Diese paar Minuten sorgten für hektische Betriebsamkeit an der Einstiegstelle am Poign: Das Bürgermeisterpaar Elsa und Helmut Forster, Landrat Josef Niedermaier, die Europaabgeordnete Gabriele Stauner sowie nahezu der vollständige Stadtrat hatten sich in Festtagskleidung versammelt, um gemeinsam die Loisach hinabzugleiten. Nur die Familie Stoiber fehlte, die wenig später zu Fuß des Weges kam und in Eile grußlos an Bürgermeister Forster vorbeiflanierte. Das Händeschütteln wurde später auf dem Floß nachgeholt: Stoiber forderte Forster auf: „Sie müssen an einem solchen Tag doch strahlen.“

Auch Pfarrer von Bonhorst nahm den Festtagsgedanken später auf: „Der Tag ist eine Lobpreisung auf den Schöpfer selbst.“ Sein evangelischer Kollege Gruber erinnerte daran, dass man auch in guten Zeiten nicht vergessen solle, „wie gefährlich unser Leben ist“. Ein Trost sei, dass alle in Gottes Hand geborgen wären. Nach dem Segen für Flößer und Flöße kam der eigentliche Höhepunkt für die Schulkinder, die ihre Lichterflöße ins Wasser setzten. Die Erwachsenen erfreuten sich am Brillantfeuerwerk und an der Tatsache, dass die traditionsreiche Prozession alle Jahre wieder so schön und stimmungsvoll ist.

Die Johannifloß-Prozession hatte ihren Ursprung im 16. Jahrhundert, erklärte Amtsleiter Martin Melf. Johannes Nepomuk werde verehrt, weil er sich lieber die Zunge herausreißen ließ, als die Beichtgeheimnisse einer Königin zu verraten. Als er in der Moldau ertränkt wurde, erschien der Königin im Traum genau die Stelle, an der der Leichnam lag. Die Flößer, so erläuterte Melf weiter, würden unter jeder Brücke ein Stoßgebet an Nepomuk senden, damit ihr Floß nicht anstößt. Ob die Flößerfamilie von Josef Seitner das gestern gemacht hat, war nicht zu sehen: Auf den Brücken war kein Platz mehr im Gedränge zu bekommen. (ee)

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