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Griff zum Skalpell: Kliniken stehen im Verdacht, mit finanziellen Anreizen unnötige Operationen zu fördern. Die Verantwortlichen für die Krankenhäuser im Landkreis weisen das entschieden von sich.

Bonus im Krankenhaus

Lieber mehr Qualität als mehr Eingriffe

Bad Tölz-Wolfratshausen - Wenn Krankenhaus-Ärzte mehr Geld bekommen, weil sie mehr Operationen durchführen, ist das problematisch. Zwar gibt es in den beiden Krankenhäusern im Landkreis Zielvereinbarungen mit Bonussystem. Allerdings enthalten diese keine unmoralischen Angebote.

Das Wort „Zielvereinbarung“ hat im Zusammenhang mit Krankenhäusern einen schalen Beigeschmack bekommen. Der Skandal um einen Göttinger Chirurgen, der sein Gehalt mit unnötigen Leber-Transplantationen aufbesserte, erschütterte das Vertrauen in die Notwendigkeit von Eingriffen.

Im Landkreis gibt es sowohl in der Kreisklinik Wolfratshausen als auch in der Tölzer Asklepios-Stadtklinik finanzielle Anreize für manche Ärzte, die an die Erfüllung bestimmter Vorgaben geknüpft sind. Doch in keinem der Häuser gibt es dabei eine Verknüpfung von Eingriffszahlen und Gehalt.

„Wir haben in unserem Haus auf Zielvereinbarungen bis auf zwei Ausnahmen gänzlich verzichtet“, sagt Hubertus Hollmann, Geschäftsführer der Kreisklinik. Und in diesen beiden Fällen gehe es um drei Prozent der Gesamtvergütung. „Finanzielle Anreize für einzelne Operationen oder Eingriffe gibt es bei uns nicht, und die beiden Zielvereinbarungen richten sich auf die Steigerung der Qualität in der jeweiligen Abteilung“, sagt Hollmann. „Wir haben uns das gut überlegt. Unsere Chefärzte bekommen ihr Gehalt, und sie wissen, um was es hier geht, die brauchen keine Zielvereinbarung“, erklärt der Geschäftsführer.

„Von den bundesweit mehr als 2000 Krankenhäusern schreibt etwa die Hälfte rote Zahlen“, erklärt Mathias Eberenz den Hintergrund der Diskussion um Bonuszahlungen. Daran lasse sich erkennen, wie groß der politisch gewollte wirtschaftliche Druck auf Kliniken sei, sagt der Pressesprecher der Asklepios-Gruppe. Und auch die Krankenkassen hätten klare Erwartungen, was die Wirtschaftlichkeit der Kliniken angehe. Gleichzeitig würden alle Kliniken, auch die Tölzer Asklepios-Stadtklinik, regelmäßig vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen auf die Notwendigkeit verordneter Eingriffe hin überprüft. „Gerade Bad Tölz schneidet bei diesen strengen Kontrollen im bundesweiten Vergleich sehr gut ab“, so Eberenz. Das betreffe sowohl operative Eingriffe als auch konservative Behandlungen. In den Verträgen mit den Chefärzten gebe es eine Präambel, die ganz klar „Leistungssteigerung durch medizinisch nicht gerechtfertigte Eingriffe“ ausschließe. Eberenz: „Wenn wir von Ärzten Steigerungen erwarten, dann betrifft dies etwa Zertifizierungen, die Qualität der Hygiene in der Abteilung oder auch den guten Kontakt zu den niedergelassenen Ärzten.“

Letztlich gehe es darum, dass die Menschen ein möglichst gutes Bild von den Leistungen der Klinik bekommen. „Durch steigendes Vertrauen werden auch die wirtschaftlichen Ergebnisse noch besser“, sagt Eberenz. Deshalb fließen in Zielvereinbarungen auch die Ergebnisse von Patienten-Befragungen und die „Einweiser-Zufriedenheit“ mit ein. Letztere bezieht sich auf die Einschätzung der niedergelassenen Ärzte zur Qualität des Krankenhauses. „Diese Ärzte müssen wir durch Qualität beeindrucken.“ Wenn die Zahl der Behandlungen in Tölz steige, dann nur, weil mehr Menschen diesem Haus den Vorzug geben. Eberenz: „Letztlich positioniert man sich nicht durch überflüssige Behandlungen am Markt, sondern durch moderne Geräte, intensiven Kontakt zur Forschung, etwa bei Medikamenten, und neue, schonende Behandlungsmethoden.“

von Jens Hendryk Dässler

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