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Grün, gelb, rot, orange: Die Vorhängeschlösser am Walsersteg haben eines gemeinsam: Sie stehen für die ewige Liebe.

Walsersteg mit Schlössern behangen

Liebesschwüre am Brückengeländer

Wolfratshausen - Immer mehr Pärchen hängen Vorhängeschlösser am Walsersteg auf. Vorbilder dafür sind unter anderem die Brücken in New York, Paris und Helsinki.

Wer über den Walsersteg spaziert, dem dürften sie schon aufgefallen sein: kleine, bunte Vorhängeschlösser, die am Brückengeländer baumeln. Sie sind grün, rot oder orangefarben, jedes einzelne wiegt weniger als 100 Gramm. Was sie darstellen, ist aber sehr gewichtig: Die metallenen Anhängsel stehen für die ewige Liebe. Sieben sogenannte Liebesschlösser baumeln bis dato an der Brücke. Vier davon hängen direkt über der Widmungstafel. Auf einem Schloss steht „Marco und Maria forever“. Auf anderen schwören sich Michaela und Johnny die Treue, daneben baumelt der Liebesbeweis von Sylvia und Ingo. Mal ist die Inschrift mit Edding aufgetragen, mal ganz fein eingraviert. Die passenden Schlüssel sind wahrscheinlich mit einem leisen „Plopp“ in der Loisach versunken.

Seinen Ursprung hat der Brauch dem Vernehmen nach in Florenz. Absolventen der Sanitätsakademie sollen dort die Vorhängeschlösser ihrer Spinde an einem Gitter der Brücke Ponte Vecchio befestigt haben. Später taten es ihnen unsterblich Verliebte gleich. Inzwischen gibt es viele Nachahmer: Die Thalkirchner Brücke in München, die Liebesbrücke in Helsinki, die Brooklyn Bridge in New York City oder der Pont Neuf in Paris. In nahezu jeder großen Stadt baumeln Vorhängeschlösser an Flussquerungen. In manchen Städten hat man den hartnäckigen Anhängseln allerdings recht herzlos den Kampf angesagt: In Venedig und Rom ist das Anbringen von Schlössern an Brücken etwa strikt verboten. Wer’s im Liebestaumel dennoch versucht und erwischt wird, muss bis zu 3000 Euro Strafe zahlen. Als Grund nennen die Behörden laut Internet unschönes Aussehen, Instabilität bei der Brückenstatik und Korrosionsschäden.

Zugegeben, in der Flößerstadt ist die Zahl der Schlösser noch sehr überschaubar. Das kann sich aber schnell ändern. Droht der Walsersteg dann einzustürzen? „Nein“, beschwichtigt Brückenplaner Robert Buxbaum. Erst, wenn die Geländer beidseitig kräftig gesäumt sind, „würde sich das auf die Statik auswirken“. Eher wahrscheinlich sind laut dem Wolfratshauser Abnutzungserscheinungen an der Geländeroberfläche. Werden die Schlösser bewegt, würden sie an der feuerverzinkten Oberfläche schaben. „Der Korrosionsschutz geht aber nicht ohne Weiteres ab“, sagt der Bauingenieur. „Er wurde sehr aufwändig angebracht.“ Buxbaum selbst (verheiratet, drei Kinder) findet für den Brauch der Verliebten warme Worte. Dass sie ausgerechnet auf der Brücke, die er geplant hat, schöne Worte flüstern: „Das hat seinen Reiz. Dagegen kann man doch nichts haben.“

Der Name von Bürgermeister Helmut Forster ist ebenfalls am Walsersteg verewigt – allerdings (noch) nicht auf einem Liebesschloss, sondern auf der Bauwerkstafel mit dem Errichtungsdatum. „Ich hab‘ die Schlösser schon gesehen. Ich find‘ das gut“, sagt er auf Nachfrage. Dass die Liebe in Wolfratshausen zur ärgerlichen Last wird – damit sei erstmal nicht zu rechnen.

von Sebastian Dorn

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