„Endlich ein Bett und kein Strohsack mehr, endlich wieder ein Zuhause – und am Wochenende sogar Tanz“: Auf Einladung des Vereins „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ um dessen Vorsitzende Dr. Sybille Krafft war Holocaust-Überlebender Jack Adler zu Gast in Waldram. Vor dem ehemaligen jüdischen Badehaus sprach er über die Grausamkeiten des Kriegs und wie er sie überlebt hat. Foto: sabine hermsdorf

Links hieß Leben, rechts hieß Tod

Wolfratshausen - Jack Adler erzählt auf Einladung des Badehaus-Vereins, wie er den Holocaust überlebt hat - und wie das Lager Föhrenwald für ihn eine Art Zuhause wurde.

Jack Adler ist einer der wenigen Überlebenden des Holocaust. Anlässlich der Gedenkfeier im Konzentrationslager Dachau besucht der heute in Amerika lebende 86-Jährige das Land, in dem er so viel Grausamkeit erdulden musste. Durch das Internet auf den Verein „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ aufmerksam geworden, kam er auf Einladung der Vorsitzenden Dr. Sybille Krafft auch in das ehemalige Lager Föhrenwald - eine seiner damals letzten Stationen in Deutschland.

Jack - eigentlich Jakob - Adler wurde 1929 in Pabianice, Polen, geboren. 1939 fielen die Nazis in Polen ein - der Zweite Weltkrieg begann. Im Februar 1940 wurde Pabianice zum Ghetto erklärt, in dem die jüdische Bevölkerung fortan leben musste. Der Hunger wurde zum allgegenwärtigen Begleiter. „Meine Mutter und mein älterer Bruder starben wie viele andere an Unterernährung.“

Dann wurden Adler und seine Familie nach Lodz gebracht. Zwischen 1940 und 1944 starben hier mehr als 43 000 Menschen. 1944 wurde das Ghetto aufgelöst, die Juden in die Vernichtungslager Chelmno und Auschwitz deportiert. „Wir wurden in Viehwaggons getrieben“, berichtet Adler. Es war eine Fahrt mit unbekanntem Ziel.

Adler und sein Vater landeten in Auschwitz/Birkenau. Männer und Frauen wurden getrennt, herzzerreißende Szenen spielten sich ab. „Einer Frau wurde das Baby aus dem Arm gerissen und vor ihren Augen brutal getötet.“ Später erfuhr Adler, dass seine größere Schwester Esther nach Bergen-Belsen deportiert wurde und hier sechs Wochen vor Kriegsende starb.

Einer der Männer, der die Ankömmlinge selektierte, war der berüchtigte Arzt Dr. Josef Mengele. „Er stand da, deutete mal nach links, mal nach rechts.“ Links hieß Leben, rechts hieß Tod. Adlers Schwester Pleska musste nach rechts. „Man sagte ihnen, dass sie jetzt duschen müssten.“ Stattdessen erwartete sie die Gaskammer.

Nach einer Woche wurden Adler und sein Vater in das Konzentrations-Kommando Kaufering gebracht, einem der über 100 Nebenlager des KZ Dachau. Drei oder vier Monate später wurden sie getrennt. Der junge Mann wurde nach Dachau gebracht. Seinen Vater sah er nie wieder.

Mittlerweile rückten die alliierten Truppen näher. Auch von Dachau aus begannen die Todesmärsche in Richtung Süden. Am 1. Mai wurde Adler in der Nähe von Wolfratshausen von der US-Armee befreit. „Die nächste Zeit verbrachte ich in einem Hospital. Ich wog gerade noch 65 Pfund“, beschreibt sich Adler als 16-Jährigen. „Ich konnte kaum noch stehen.“

Dann wurde er nach Föhrenwald verlegt, das heutige Waldram. Bis August 1946 blieb der 16-Jährige, bevor er nach Prien am Chiemsee gebracht wurde, um sich auf seine Emigration nach Amerika vorzubereiten.

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