Sie gilt als Spezialistin der Lochbildfotografie: Die Wolfratshauser Künstlerin Gabriele Hüttl arbeitet mit der so genannten Camera Obscura. Was nach der Entwicklung in der Dunkelkammer entsteht, ist immer eine Überraschung. Foto: Andrea Weber

„Mal schnell, geht gar nicht“

Deining - Gabriele Hüttl beherrscht die Urform der Fotografie wie kaum eine andere. Doch sie braucht Zeit zum Fotografieren, viel Zeit.

Bis zu acht Stunden dauert die Belichtung ihrer Fotos. Das Ergebnis ist immer eine Überraschung. Die Künstlerin aus Wolfratshausen ist eine international anerkannte Lochbildfotografin. In ihrer aktuellen Ausstellung in der Galerie Pratschke in Deining zeigt Hüttl einen Vergleich zwischen dieser alten Technik und moderner Digitalfotografie.

Zur Vernissage am Wochenende kamen Besucher bis aus London angereist. Es ist etwas ganz Besonderes, was man derzeit in den lichtdurchfluteten Galerieräumen von Carmen Pratschke zu sehen bekommt. Die Lochbildkameras, die Gabriele Hüttl übrigens selbst baut, sind nichts anderes als schwarz angestrichene Holzkisten mit je einem winzigen Loch und einer Platte, auf der Fotopapier eingelegt wird. Diese „Kiste“ stellt Hüttl vor das ausgewählte Motiv und wartet ab, oft stundenlang. Für so eine Session nimmt sie sich Tage Zeit, denn nicht selten sind mehrfache Versuche notwendig, um genau die erwünschte Szene in der optimalen Lichtstimmung einfangen zu können. „Mal schnell, geht gar nicht“, sagt sie.

Was auf dem Fotopapier nach der Entwicklung in der Dunkelkammer entsteht, ist immer ein Überraschungsmoment. Durch die lange Reaktionszeit hält diese so genannte Camera Obscura fest, was in dem Zeitraum vor ihr geschieht, so entstehen versetzte Lichtspiegelungen, eingefrorene Mehrfachabbildungen, fließende Bewegungen.

Als Vergleich zu dieser Urtechnik der Fotografie zeigt Hüttl in der Deininger Galerie auch ihre moderne Digitalfotografie. Hier widmet sie sich den Themen Wasserspiegelungen, Strukturen und Objekten mit Lichtbrechungen. Sie bearbeitet ihre Bilder nicht am Computer. Dennoch wirken sie abstrakt, verzerrt und realitätsfremd, wie etwa eine Wasseroberfläche, auf der goldene Ringe wabern - eine Reflektion der Abendsonne. Oder ein Meeresgrund, der wie die Sahara aus der Vogelperspektive wirkt. Wie die Künstlerin selbst braucht auch der Betrachter ihrer Bilder viel Zeit. Nur so wird er das versteckte Detail finden. Auf einer raumhohen Installation aus drei Meter Textilfahnen sind SchwarzWeiß-Fotografien von Baumstämmen abgebildet - positiv wie negativ. Im ersten Moment wirkt das Motiv nur strukturiert, dann aber entdeckt man überraschend ein kleines Kind inmitten der naturgewaltigen Stämme. Es ist Gabriele Hüttls Tochter Lucia im Alter von fünf Jahren.

Gabriele Hüttl wurde in Traunstein geboren und lebt seit 2002 in Wolfratshausen. Über ihren Vater kam sie früh zur Fotografie, lernte von professionellen Fotografen und entwickelte sich stetig weiter. In Fachkreisen zählt sie heute zu einer Spezialistin der Lochbildfotografie.

Von Andrea Weber

Info

Gabriele Hüttls Bilder sind auf der Internet-Community www.pinholyday.org zu sehen.

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