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Der Meister und die Galeristin: Johann Selbertinger und Carmen Pratschke bei Vorbereitung zur Ausstellung.

Ausstellung von Johann Selbertinger

„Malen ist Leben und Leben ist Malen“

Deining - „Ich hab’ noch nie was anderes gemacht als gemalt“, sagt Johann Selbertinger. Unter dem Titel „Die Malerei lebt“ stellt der renommierte Münchner Künstler seine Arbeiten ab dem heutigen Freitagabend in der Galerie Carmen Pratschke aus.

Das Leben“, so sagt der 84-jährige Münchner „ist permanentes Wahrnehmen.“ Aber jegliche Erwartungshaltung grenze alles ein. Das sei im Leben nicht anders als in der Kunst, und es beantwortet auch gleich die Frage, was man eigentlich auf den Bildern von Selbertinger sieht? Sicher, jeder kann die Bilder anschauen, betrachten und etwas sehen (oder auch nicht). Doch was erkennt man darauf? Natürlich ist es nichts Figürliches – davon hat sich Selbertinger während der 50 Jahre seines Schaffens längst –, sondern assoziativ. Er möchte mit seinen Werken keine konkreten Gegenstände, sondern einen Kosmos entstehen lassen. „Der Kosmos stand übrigens auch schon bei den Griechen als Ordnung des Himmels. Er war das Sinnbild für das Schöne schlechthin“, weiß Selbertinger. Auch wenn dieser Vergleich heute etwas weit hergeholt ist, besitzen die Selbertinger-Werke ebenfalls eine ästhetische Komponente. Denn mit ihren brillanten Farben treffen sie jeden, und jeder kann darin – „vorausgesetzt, er ist dazu imstande“ (Selbertinger) – etwas für sich finden. Seiner Meinung nach brauchen seine Bilder keine Erklärung. „Eine Deutung ist nicht notwendig, weil die Werke für sich selbst sprechen.“ Es gibt auch keine bestimmte festgelegte Vorgehensweise beim Malen. „Die würde mich nur einengen und daran hindern, aus mir herauszugehen.“ Die Farbe an sich habe eine enorm sinnliche, stoffliche Dimension, die vom Wandel lebt.

Aber auch ein Meister wie Selbertinger steht zu Beginn vor der weißen Leinwand, wie der Schriftsteller vor dem weißen Blatt. Doch sobald ein Pinselstrich gesetzt ist, gibt es kein Halten mehr. Am Ende liegen unzählige Farbschichten übereinander, breiten sich aus und lassen Tiefe und Räumlichkeit entstehen. „Die bildende Kunst ist dafür da, die Freude am Leben zu wecken“, sagt Selbertinger, der von sich sagt, dass er ein „Besessener“ ist. Denn, obwohl er schon 84 Lenze zählt, arbeitet er jeden Tag zwölf Stunden oder mehr, um neue Werke in seinem Münchner Atelier in Nymphenburg zu schaffen. Die jüngsten Werke in der Ausstellung bei Carmen Pratschke sind gerade mal vor einer Woche entstanden.

In jüngeren Jahren war Johann Selbertinger neben der Malerei auch sportlich sehr aktiv. Er spielte Tennis und Fußball (eine Zeitlang sogar für den FC Bayern) oder fuhr Ski. Zudem war er Preisträger des Olympischen Komitees für Deutschland 1972. „Doch eigentlich gab es für mich im Leben nie etwas anderes als das Malen“, sagt Selbertinger. Als kleiner Bub fing er damit schon an, mit 14 Jahren führte er den Zeichenunterricht in der Schule. Nach seinem Studium an der Ademie München hat er unzählige Male im In- und Ausland ausgestellt. Seine Bilder hängen im Lenbachhaus ebenso wie in der Pinakothek der Moderne in München. Für den gebürtigen Tegernseer gilt: „Malen ist Leben und Leben ist Malen.“

von Roswitha Diemer

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