Nur schnell mal eben vorbei gehuscht

Milbertshofen, Indien und zurück

Schlederloh/Icking - Der vielseitige Künstler Wolfgang Ramadan passt in keine der gängigen Schubladen. Gerade deshalb wurde er in der BR-Serie "Lebenslinien" portraitiert.

Der 1960 in München geborene Künstler Wolfgang Ramadan ist eine Ausnahmeerscheinung. Das hat auch der Regisseur Reinhard Kungel „sofort aus dem Bauch heraus“ erkannt und Ramadan für die „Lebenslinien“ ausgesucht.

Gedreht wurde bei schönstem Herbstwetter in der Jachenau sowie im Ickinger Ortsteil Schlederloh, wo der 51-Jährige gemeinsam mit Ehefrau Monika seit Jahren eine alte Jugendstilvilla bewohnt. Bei den Dreharbeiten stieß auch Ramadans Jugendfreund „Wally Warning“ dazu, mit dem er gerade einen neuen Song einstudiert.

„Ramadan ist für mich so etwas wie ein Vorbild, weil er trotz einer grausamen Kindheit im Münchner Norden so viel aus sich gemacht hat“, sagt Kungel. Aufgewachsen im sozialen Dickicht des Münchner Arbeiterviertels Milbertshofen hatte Ramadan nach eigenen Aussagen keine schöne Kindheit. Sein leiblicher Vater war Brasilianer, seine Mutter Deutsche. Seinen ersten Auftritt hatte er als Zwölfjähriger 1972 bei den Olympischen Sommerspielen im Münchner Olympiastadion, wo er beim Schäfflertanz mitwirkte. Seine ersten musikalischen Gehversuche unternahm Ramadan gemeinsam mit „Wally Warning“, der gegenüber wohnte. Auf Wunsch der Eltern absolvierte Ramadan eine kaufmännische Lehre und arbeitet danach als Werbetexter.

Dann irgendwann holte ihn die Musik wieder ein: 1981 schlägt er sich per Anhalter als Straßenmusiker bis nach Portugal durch. Er kauft sich dort zwei Jahre später ein Haus, in dem er ein Jahr völlig zurückgezogen lebt. In dieser Zeit entstehen erste Kurzgeschichten, und der Poet und Lyriker Ramadan wird geboren. Nach einem kurzem Intermezzo in München geht er zwei Jahre nach Indien, um dort klassischen indischen Gesang und Yoga zu studieren. Gleichzeitig entsteht sein erster Gedichtband: „Peng! I hob di gseng!“

Wieder zurück in Deutschland tourt er mit seinen Liebesgedichten durch München. In Joseph Vilsmaiers Nachkriegsepos „Rama Dama“ wirkt er als Darsteller mit und steuert Texte zur Filmmusik bei, die kurz darauf mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wird. Nach seinen Engagement als Spielleiter bei der 200-Jahr-Feier des englischen Gartens in München wird er prompt für eine neue Aufgabe engagiert - er wird Kulturreferent von Garching, jüngster seines Fachs in Deutschland. Und quasi nebenher schüttelt er eine bayerische Fassung von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ aus dem Ärmel. (rd)

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