Milch für Mailand

- Dietramszell – Ein großer Tankbehälter auf einem Sattelanhänger und allmorgendliches Rangieren am Dietramszeller Maureranger sind die sichtbaren Zeichen einer kleinen Revolution, die sich im vergangenen Herbst ohne großes Getöse unter Dietramszells Milchbauern abgespielt hat. Der extrem wärmeisolierte, fahrbahre Edelstahl-Tank trägt eine Aufschrift in italienischer Sprache, die starken Zugmaschinen, die jeden Morgen so gegen 8 Uhr am Dietramszeller Bauhof vorfahren, haben Mailänder Zulassungsnummern.

VON MAX BACHMAIR <P>Sie fahren Tag für Tag derzeit rund 27 000 Liter frische Milch aus dem Zeller Winkel über den Brenner nach Norditalien in eine Großmolkerei der Mailänder Firma Galbani. Die Italiener sind überaus glücklich über diese bayerische Voralpenmilch, und die 52 Mitglieder der Milchabsatzgenossenschaft (MAG) Dietramszell freuen sich über einen halben Cent Milchgeld mehr als bisher. <P>Schlechte Konditionen lösten Revolution aus <P>Die Revolution, die diesen bisher höchst ungewöhnlichen Direkt-Deal einleitete, fand bereits im vergangenen September statt. Zu jener Zeit rumorte es ziemlich in der Dietramszeller Milch- Genossenschaft, weil der 1994 abgeschlossene Vertrag zur Lieferung an die (mittlerweile dem Müller-Konzern angehörende) Molkerei Weihenstephan nach zehn Jahren abgelaufen war. &#8222;Für eine Erneuerung boten sowohl der bisherige Abnehmer wie auch andere in Frage kommenden Großmolkereien Konditionen, die unter aller Kanone waren&#8220;, schimpft noch heute Hubert März, der damalige stellvertretende Vorsitzende der MAG Dietramszell. Nicht zuletzt die angekündigte Abholung nur noch alle zwei Tage, vor allem aber das nun zusätzlich geforderte Qualitäts-Management (QM) ließen die Dietramszeller Milchbauern so sehr murren, dass sie sich damals für die einzig mögliche Alternative entschieden &#8211; die Direkt- Vermarktung über die Milchvermarktungs-GmbH des Pfaffinger Markt-Revoluzzers Jakob Niedermeier. E hat auch den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V. (BDM) ins Leben gerufen. <P>Entscheidung war nicht umumstritten <P>Ganz ohne Knall ging dieser Umstieg in Dietramszell nicht ab: Zunächst votierten nur 41 der 52 MAG-Mitglieder für den radikalen Wechsel, und der bisherige Vize März musste das Vorstandsamt übernehmen, weil der amtierende Vorsitzende die Entscheidung nicht mittragen wollte. Seit 1. Januar aber fließt nun tatsächlich Dietramszeller Milch auf dem direkten Weg nach Oberitalien, und auch die anfänglichen Skeptiker machen mit. <P>Der große Tankwagen am gemeindlichen Bauhof ist die zentrale Sammelstelle, zu der die neuerdings immer abends eingesammelte Milch gebracht und in den Stahlbehälter gepumpt wird. Morgens kommt dann der Galbani-Lkw, stellt einen leeren Hänger ab und bringt den vollen Milchtank in rund zehnstündiger Fahrt nach Mailand. <P>Trotz dieses erheblichen Aufwands rechnet sich die Sache sowohl für die Zeller Milchbauern wie für den Großabnehmer. Vor allem im Süden Italiens ist Milch nach wie vor Mangelware, so dass italienische Molkereien zuverlässigen Lieferanten mehr zu zahlen bereit sind als deutsche Konzerne. Und ihre Verträge kommen nicht nur den Dietramszeller MAG-Mitgliedern sehr viel erzeugerfreundlicher vor. Hubert März merkt das am Interesse von immer mehr Genossenschaften. <P>

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