„Mit Morden habe ich keinerlei Verbindung“

Wolfratshausen - Jahrelang blieb er als graue Eminenz unbehelligt. Monatelang stritten die EU und ihr neues Mitglied Kroatien. Jetzt wird der frühere kroatische Geheimdienstgeneral Josip Perkovic an Deutschland ausgeliefert. 

Der Oberste Gerichtshof des Landes wies in letzter Instanz eine Beschwerde des 68-Jährigen gegen seine Auslieferung ab, wie die Justizbehörde in Zagreb mitteilte. Perkovic soll für die Ermordung des jugoslawischen Dissidenten Stjepan Djurekovic im Jahr 1983 in dessen Druckerei an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen verantwortlich sein. Perkovic bestreitet jede Verwicklung in die Tat. „Mit Morden habe ich keinerlei Verbindung“, sagte der 68-Jährige der Deutschen Welle. „Ich habe schon vor langer Zeit gesagt, dass ich absolut keine Berührungspunkte zu dem Mord an Djurekovic habe – und auch keine mit dem Tod eines anderen.“ Er habe als Geheimdienstgeneral lediglich „klassische nachrichtendienstliche Arbeiten verrichtet“.

Der Anwalt des vom Bundesanwalt mit Europäischem Haftbefehl Gesuchten, Anto Nobilo, hatte angekündigt, er wolle als letztes Mittel das Verfassungsgericht des Landes anrufen. Er argumentiert, sein Mandant könne in Deutschland kein faires Verfahren erwarten und werde damit in seinen Menschenrechten beschnitten. Nobilo will nach eigener Darstellung eine einstweilige Anordnung gegen die Auslieferung erwirken, da Perkovic innerhalb der nächsten zehn Tage nach Deutschland überstellt werden muss.

Das kroatische Parlament hatte unmittelbar vor dem EU-Beitritt des Landes Anfang Juli 2013 im Eilverfahren ein Gesetz verabschiedet, das Perkovic vor einer Auslieferung schützt. Die Regierung befürchtete, dass der Ex-Geheimdienstgeneral über andere Fälle in der Vergangenheit aussagen könne.

Die EU-Kommission erzwang jedoch mit Druck auf Kroatien einschließlich der Drohung, die Finanzhilfen zu kürzen, dass dieses Gesetz wieder geändert wurde. (dpa)

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