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Ort des Verbrechens: 2006 wurde die Münsinger Sparkassenfiliale überfallen. Diese Tat griff 2009 die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY… unge löst“ auf.

50 Jahre „Aktenzeichen XY ... ungelöst“

Der Bankräuber vom Gemeinderat

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„Aktenzeichen XY… ungelöst“ wird 50 Jahre alt. Über 500 Sendungen mit mehr als 4000 Fällen flimmerten bislang über die deutschen Bildschirme. Ein spektakulärer Fall spielte in Münsing.

Münsing Es ist der 10. April 2006 um 14.10 Uhr. Ein dunkel gekleideter Mann mit Sonnenbrille, schwarzer Gesichtsmaske und Basketballkappe betritt die Sparkassenfiliale an der Hauptstraße in Münsing. Er legt ein Paket auf die Theke und einen Zettel. Darauf steht: „Die Box enthält eine mit Nägeln gefüllte scharfe Bombe. Bitte füllen Sie den Leinenbeutel mit dem gesamten Papiergeld der Kasse.“

15 Minuten dürfen die Angestellten nicht die Polizei rufen, sonst würde er die Bombe mit einem Handyanruf zünden, droht der Bankräuber. Die geschockten Angestellten händigen ihm 10 000 Euro aus. Der Mann verlässt die Filiale und flüchtet mit einem Mountainbike. Das Paket lässt er liegen.

Die alarmierte Polizei riegelt die Filiale ab und lässt die umliegenden Gebäude räumen. Gegen 15 Uhr rücken Sprengstoffexperten des Landeskriminalamts an. Sie sperren die Straßen und das Bankgebäude. Kurz darauf gibt es Entwarnung: Die Bombe ist eine Attrappe.

Am späten Nachmittag finden die Beamten das Fahrrad des Bankräubers an der Schwabbrucker Straße. Wie sich herausstellt, ist der Täter dort in ein Fluchtauto umgestiegen. Dann verliert sich die Spur. „Auch wenn wir das nur ungern hören, aber wir tappen im Dunkeln“, berichtet zwei Wochen später Joachim Loy, Sprecher der Polizeidirektion Weilheim. Die Polizei sei am Ende ihrer Möglichkeiten und könne nur warten.

Die Geduld wird auf eine harte Probe gestellt. Auch drei Jahre später gibt es kaum neue Erkenntnisse. Die Beamten finden lediglich heraus, dass drei weitere Überfälle – davon zwei in Tirol und einer in Baden-Württemberg – offenbar auf das Konto des Unbekannten gehen.

Am 3. Juni 2009 greifen Rudi Cerne und das Team von „Aktenzeichen XY... ungelöst“ im ZDF den Kriminalfall auf. Mit über fünf Millionen Zuschauern stellt die Sendung einen Jahresrekord auf. Die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck kann von der Heerschar potenzieller Zeugen aber kaum profitieren. Ein Jahr ohne neue Erkenntnisse vergeht.

Dann begeht der Bankräuber von Münsing einen folgenschweren Fehler: Im Glauben, die Polizei werde ihm wegen des Großeinsatzes bei den Protesten gegen Stuttgart 21 keine Probleme machen, raubt der Mann die Volksbank im baden-württembergischen Lonsee aus. Doch nach diesem Raub wird er mit 45 000 Euro Beute gefasst.

Im Oktober 2011 kommt es zum Prozess. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Täter um einen ehemaligen Gemeinderat aus Oberhaching handelt. Zum Zeitpunkt der Taten war der Mann, der zuletzt freiberuflich als Journalist und Layouter arbeitete, finanziell völlig abgebrannt. Dabei hatte er als leitender Angestellter in Buchverlagen und bei einer Medienakademie lange Zeit gut verdient. Doch mit seiner letzten Firma, die er 2002 gründete, erzielte er nicht den erhofften wirtschaftlichen Erfolg. Seine Lage habe er weder seiner Frau noch dem Gemeinderat gegenüber offenbaren wollen, sagt er in der Verhandlung. „Es stand ein gewisses Prestige auf dem Spiel. Sicher ein falsches Prestige-Gefühl.“

Um den Schaden wieder gutzumachen, verkauft der 61-Jährige seine Haushälfte. Dies bewahrt ihn nicht vor acht Jahren Gefängnis.

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