Geduldige Beobachter: Mit Spektiven und Ferngläsern suchen die Teilnehmer die Wasseroberfläche ab.
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Geduldige Beobachter: Mit Spektiven und Ferngläsern suchen die Teilnehmer die Wasseroberfläche ab.

Auf der Suche nach dem Seetaucher

29 Hobby-Ornithologen machen ungewöhnliche Entdeckung am Starnberger See

Bei einer Exkursion haben 29 Hobby-Ornithologen Vögel gezählt, die am Starnberger See überwintern. Mit einer Beobachtung hatten sie nicht gerechnet.

Ambach/Seeshaupt – Konzentriert blickt Peter Brützel, genannt Pit, durch sein unterarmlanges Spektiv. In kaum sichtbaren Bewegungen scannt er die spiegelglatte Oberfläche des Starnberger Sees ab. Er hält inne und dreht sich mit einem zufriedenen Lächeln um: „Jetzt hab’ ich einen Prachttaucher entdeckt.“

Zur Seetaucher-Exkursion sind an diesem Tag 29 Hobby-Ornithologen auf dem Parkplatz des Erholungsgebiets in Ambach zusammengekommen. „So viele Leute waren ja noch nie da“, freut sich Pit. Allerdings sei in den vergangenen Jahren auch immer traditionell schlechtes Wetter gewesen, erinnert sich der Leiter der Arbeitsgemeinschaft Starnberger Ornithologen. Aber diesmal scheint die Sonne. Es weht kein Lüftchen, und die Alpen, die hinter dem See aufragen, wirken durch den Föhn zum Greifen nah. Viele der Teilnehmer sind mit Spektiven, Wanderschuhen und dicken Mützen ausgestattet, bei fast jedem hängt ein Fernglas um den Hals.

Seetaucher fallen am Starnberger See nicht zahlenmäßig ins Gewicht

Bevor die Gruppe die erste Beobachtungsstelle ansteuert, informiert Pit über die Seetaucher. „Der Starnberger See ist eine wichtige Rast- und Winterstation für viele Vögel“, erklärt er. Etwa 20 000 bis 25 000 Vögel sind im Hochwinter auf dem Wasser und an den Ufern anzutreffen. „Dabei fallen die Seetaucher aber zahlenmäßig nicht ins Gewicht.“ Die Brutgebiete der Eis-, Stern- und Prachttaucher liegen vor allem in Island, Schottland und Skandinavien. 70 bis 80 Exemplare überwintern am Starnberger See. Hier schätzen sie das klare Wasser. In ihren dunklen, schlichten Winterkleidern sind sie nicht einfach zu identifizieren. Immer wieder stecken die Beobachter ihre Köpfe über Vogelbestimmungsbüchern zusammen, um sich die Merkmale einzuprägen.

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Etliche Kormorane am Campingplatz in Seeshaupt gesichtet

Am flachen Ufer des Erholungsgebiets wird als erstes Stellung bezogen. Balzende Schellenten und etliche Möwen geraten vor die Ferngläser, auch drei Schwäne statten der Exkursionsgruppe einen Besuch ab. Dann, nach einer halben Stunde, ist in weiter Ferne ein Prachttaucher auszumachen. Der Vogel erreicht eine Körperlänge von etwa 70 Zentimetern und eine Flügelspannweite von bis zu 122 Zentimetern. Alle Spektive sind nun auf das schwarzgraue Exemplar gerichtet. Durch ständiges Abtauchen macht der Prachttaucher es den Beobachtern nicht gerade leicht, einen Blick auf seinen charakteristischen weißen Vorderhals des Winterkleids zu erhaschen.

Als nächstes steuern die Teilnehmer den Campingplatz in Seeshaupt an. Von dort werden etliche Kormorane gesichtet. Von Seetauchern fehlt jedoch jede Spur. Als dritte und letzte Beobachtungsstation hat Pit den Dampfersteg in Seeshaupt ausgewählt. Auf den großen Holzpflöcken, die aus dem Wasser ragen, sitzen Lachmöwen und Sturmmöwen. Pit bittet die Beobachter vor einen Glas-Infokasten, in dem ein Plakat der Website www.ornitho.de hängt. „Wenn man mit einem Smartphone den QR-Code einscannt, erfährt man, welche Vögel an dieser Stelle in den letzten 14 Tagen beobachtet wurden.“ Diese nützliche Information erhält man inzwischen an mehreren Stellen rund um den See, zum Beispiel auch an der Roseninsel.

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Auf einmal wird ein Teilnehmer auf vier große Vögel am westlichen Ufer aufmerksam. Tatsächlich handelt es sich wieder um Prachttaucher. Als sie auf weitere sechs Vögel ihrer Art treffen, die aus der anderen Richtung kommen, ist selbst Pit erstaunt. „Gleich so viele auf einem Haufen zu entdecken, ist ungewöhnlich. Eine schöne Überraschung für den Abschluss der Exkursion.“

Leonora Mitreuter

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