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Die Verhandlung fand am Wolfratshauser Amtsgericht statt.

Verhandlung am Amtsgericht

Zoff mit Dauercamper: Kellnerin wird entlassen

Münsing - Am Campingplatz am Starnberger See gab es mächtig Zoff - und deswegen nun eine Gerichtsverhandlung. Unter anderem verlor eine Kellnerin ihren Job.

Am 17. August vergangenen Jahres soll ein Dauercamper das gegen ihn verhängte Hausverbot in einem benachbarten Gasthof am Starnberger See zum wiederholten Mal missachtet haben und sich dort bedienen haben lassen. Dem 58-jährigen Lokalinhaber riss daraufhin der Geduldsfaden: Er kündigte der Kellnerin fristlos und erstattete gegen Thomas F. (Name geändert) Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Nun trafen sich die Beteiligten im Verhandlungssaal des Wolfratshauser Amtsgerichts wieder.

Die Schilderungen gehen weit auseinander

Die Schilderungen der Vorfälle gingen aber so weit auseinander, dass Anklagevertreter und Richter dem Grundsatz „Aussage gegen Aussage“ folgen mussten und sich für einen Freispruch entschieden. „Ich habe das Hausverbot nicht verletzt. Ich stand nur vor der Tür, weil ich zwei Marken für die Waschmaschine benötigte“, behauptete der Angeklagte. Zwei Jahre hatte er von dem Restaurantbesitzer ein Hausverbot erhalten, weil er in dessen Augen zu offensichtlich mit der damaligen Lebensgefährtin des Lokalbesitzers geflirtet haben soll. In dem Restaurantgebäude befinden sich neben einem Bewirtungsraum auch ein Lebensmittelladen und ein Campingplatzbüro, das aber nicht immer besetzt ist. Wer Marken für die Waschmaschinen benötigt, kann sie dort oder im Gasthof erwerben.

Während Thomas F. darauf beharrte, das Hausverbot nicht missachtet zu haben, beschrieb der Lokalbesitzer das Verhalten des 56-Jährigen anders: „Er setzte sich erst auf die Terrasse und wollte bedient werden. Als ich ihm sagte, er solle gehen, grinste er breit und erschien wenige Minuten später mit seiner Dogge wieder“, berichtete der Restaurantbetreiber. Da sich dieser Vorfall schon in den zwei Jahren zuvor des öfteren so ähnlich abgespielt habe, erstattete der Münsinger Anzeige und entließ die Kellnerin fristlos. Die Wolfratshauserin war dem ungebetenen Gast nämlich durchaus freundlich gesonnen und soll ihn trotz des Hausverbots immer wieder bedient haben.

Das Gericht bestätigt die Version des Angeklagten

So war es kaum verwunderlich, dass sie vor Gericht die Version des Angeklagten bestätigte. „Ich habe ihm vor der Tür zwei Wäschemarken verkauft, und dann ging er wieder. Bier habe ich ihm nie verkauft“, behauptete die 34-Jährige. Auch in den Monaten zuvor will sie den Dauercamper nie bedient haben. Der Gasthofchef brachte zwei weitere Zeugen zur Verhandlung mit, die seine Vorwürfe bestätigen sollten. Sie wurden vom Gericht allerdings nicht angehört.

Richter Helmut Berger sprach von einem „wüsten Durcheinander der Aussagen“ und „Animositäten“, die für ihn nur schwer nachvollziehbar seien. Er folgte dem Antrag des Staatsanwaltes, der nach dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ einen Freispruch beantragt hatte.

von Peter Herrmann

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