+
Gesprächsbed arf: Bürgermeister Michael Grasl wollte in der Bürgerversammlung nicht nur über das Seniorenstift in Ambach reden. Doch am Ende nahm die Debatte darüber doch den meisten Raum ein. 

Umstrittenes Seniorenstift Ambach

Auf dem Weg zum Runden Tisch

  • schließen

Der Gemeinderat und Bürgermeister Michael Grasl wollen auf die Gegner des Seniorenstifts in Ambach zugehen. An einem Runden Tisch wollen sie eine einvernehmlichen Lösung finden. Doch die Bürgerversammlung zeigte, wie verhärtet die Fronten mittlerweile sind.

Münsing – Eigentlich standen die Zeichen auf Versöhnung. Eben erst hatte die Bürgerversammlung mit 61 zu 34 Stimmen den Antrag des Degerndorfers Fritz Noppes abgelehnt, dass sich die Gemeinde, das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA), die Initiative Ambach und der Ostuferschutzverband an einem Runden Tisch zusammensetzen, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu finden. So, wie die Dinge lagen, hätte der Rathauschef es sich also leicht machen und die Idee verwerfen können.

Doch genau das tat er nicht. Statt dessen sagte er in Richtung Noppes: „Ihr Appell ist angekommen, der Gemeinderat hat Sie gehört.“ Das heißt: Das Gremium ist zu Gesprächen bereit. Mit einer Einschränkung: „Die Gespräche müssen konstruktiv und zukunftsorientiert verlaufen“, so Grasl. Einem runden Tisch wollte sich auch KWA-Vorstand Stefan Arend nicht verschließen, der Gast in der Bürgerversammlung war. „Das macht Sinn, wir sind zu jeder Art von Dialog bereit“, sagte er.

Also alles gut? Nicht so ganz. Die Diskussion zeigte, wie verhärtet die Fronten sind. Spätestens, als sich der Rechtsanwalt des Ostuferschutzverbands, Gustav Neumeister, erhob und in Richtung Gemeinde stichelte. Unter anderem deutete er an, dass man mit zweierlei Maß messen würde. „Kleinen Bürgern werden Schwierigkeiten gemacht, wenn sie im Außenbereich bauen wollen, aber für Großinvestoren aus der Sozialbranche werden Bebauungspläne erarbeitet.“

Der Landrat spricht Klartext in Richtung Anwalt

Da platzte Landrat Josef Niedermaier der Kragen. Er schnappte sich das Mikrofon. „Sie müssen sich schon an die Fakten halten“, wetterte er. „Es handelt sich auf dem ehemaligen Wiedemann-Gelände eben nicht um Außenbereich, auch wenn Sie das immer wieder behaupten. Das ist zigmal geklärt worden, auch mit dem Innenministerium. Es besteht Baurecht, Punkt.“ Er mache immer wieder die Erfahrung, dass Anwälte mit ihrem Halbwissen die Leute an der Nase herumführen. „Genau so ein Fall sind Sie.“ Der Angesprochene wirkte perplex und rang sichtbar um Fassung. Bürgermeister Michael Grasl sagte, an den Juristen gewandt: „Sie haben in der Gemeinde zwar nur einen Zweitwohnsitz, aber wir wollen Ihnen nicht das Wort verwehren. Da sehen Sie, wie liberal wir Münsinger sind.“ Und dann, wieder versöhnlicher: „Ich weiß, Sie sind gegen das Projekt. Dann sagen Sie es doch einfach. Ist ja auch in Ordnung.“

Anatol Regnier schlug vor, dass alle Parteien einmal Abstand nehmen. „Ich plädiere für eine Denkpause, vielleicht bis Ende des Jahres“, sagte er. „Es wäre doch schade, wenn wir beim größten Bauvorhaben in Münsing seit dem Zweiten Weltkrieg Fehler machen, so dass nachfolgende Generationen sagen: ,Da hätte man sich mehr Zeit nehmen sollen.‘“ Dagegen verwahrte sich Grasl. „Das ist kontraproduktiv, ich lasse mir keine Denkpause verordnen.“ Im übrigen herrsche nicht der geringste Zeitdruck.

Einig waren sich der Rathauschef und Johannes Umbreit. Umbreit, Mitglied im Vorstand des Ostuferschutzverbands, erinnerte daran, dass der Ortsteil Ambach im „sommerlichen Chaos“ bereits genug unter dem Verkehr zu leiden habe. „Uns droht ein massives Parkplatzproblem.“ Er wolle auf keinen Fall, dass irgendwann für Stellplätze Bäume geopfert werden müssen.

Dem stimmte Grasl zu. „Das ist völlig richtig“, sagte er. „Darin besteht eben die Kunst im Verfahren, verträgliche Lösungen zu finden.“ Überhaupt sei es wichtig, bei allen Debatten nicht zu vergessen, dass sie irgendwann in ein geregeltes Verfahren münden müssen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Anwohner beklagt: Bei Falschparkern wird mit zweierlei Maß gemessen
Ein Anwohner aus dem Kiefernweg beschwert sich über blockierte Stellplätze und schreibt an den Bürgermeister. Die Stadt antwortet: Es wird nicht mit zweierlei Maß …
Anwohner beklagt: Bei Falschparkern wird mit zweierlei Maß gemessen
Eine Sicherheitswacht für Wolfratshausen ?
Wolfratshausens Polizeichef Andreas Czerweny hat im Stadtrat für die Einrichtung einer Sicherheitswacht in der Flößerstadt geworben. Die Freiwilligen seien …
Eine Sicherheitswacht für Wolfratshausen ?
Stadtverwaltung trauert um sehr geschätzten Hausmeister
Imre Racz ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Für die Stadt Wolfratshausen war er eine wichtige und geschätzte Stütze. 
Stadtverwaltung trauert um sehr geschätzten Hausmeister
Nah an den ganz Großen
In der Schule war Luca Burkardt immer einer der Größten. Auf dem Mannschaftsfoto der Basketballer des FC Bayern München sticht der 1,93-Meter-Hüne hingegen nicht heraus. …
Nah an den ganz Großen

Kommentare