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Eine gewisse Enge: Im Münsinger Gemeindesaal lebten über Monate hinweg Flüchtlinge auf sehr begrenztem Raum. Das soll bald anders werden.

Im Gespräch mit Michael Grasl

Die Aufgaben werden nicht kleiner

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Bis Ende April wird die Regierung dem Landkreis keine neuen Asylbewerber zuweisen. Klingt, als würde bei diesem Thema langsam Entspannung eintreten. Stimmt das? Mitnichten, findet der Sprecher der Bürgermeister im Landkreis, Michael Grasl aus Münsing. 

Herr Grasl,  tritt jetzt ein wenig Entspannung in den Kommunen ein?

Ich glaube gar nicht, dass das Leben für die Bürgermeister, Rathäuser und Freiwilligen leichter wird. Die momentane Entspannung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bei der Umsetzung vor Ort teilweise immer noch hakt. Die Kommunikation zwischen Landratsamt, Gemeinden und Helferkreisen ist ausbaufähig, weil Ansprechpartner wechseln und Entscheidungen oft sehr spontan getroffen werden müssen. Da geht es vor Ort um kranke, unangekündigte Asylbewerber, Auszahlungen oder auch Umzüge. Diese Themen werden wir immer haben, und einiges muss sich noch besser einspielen. Wir möchten etwa bei uns in Münsing einen Runden Tisch einberufen und die Abläufe vereinfachen, wenn möglich.

Was sind jetzt die konkreten Aufgaben für die Kommunen?

Die Gemeinden müssen jetzt beim Wohnungsbau Gas geben, damit die anerkannten Asylbewerber nicht obdachlos werden und vor den Rathäusern stehen. Auch müssen für bedürftige Einheimische Reserven geschaffen werden. Das ist eine große Aufgabe, die mit den aktuellen Förderungen von Staat und Bund eine neue Dynamik erfahren hat, nachdem das Thema über Jahre sträflich vernachlässigt wurde. Auch in den Dörfern werden mittelfristig wieder gemeindliche Mehrfamilienhäuser und Geschosswohnungsbauten entstehen müssen, weil nur in den Ortschaften und nicht am Ortsrand echte Integration möglich ist.

Das klingt nach erheblichen Herausforderungen in den nächsten Jahren. Was ist die größte?

Die größte ist die sinnvolle Beschäftigung der Leute und rasche Eingliederung, die nur mit dem Erlernen der Sprache möglich sein wird. Eine Parallele zu den Gastarbeitern der 60er- und 70er-Jahre kann man durchaus ziehen, wobei nicht jeder für jede Arbeit in Frage kommt. Hier müssen Gewerbe, Gastronomie und Handel kräftig mithelfen, damit das alles klappt.

Fühlen Sie sich von der großen Politik im Stich gelassen?

Wenn es so weitergeht, dass alle Probleme kommunalisiert werden, müssen andere Aufgaben warten. Das hilft den Gemeinden gewiss nicht. Alles steht und fällt weiterhin mit den Helferkreisen, die noch sehr viel an Basis-Arbeit leisten. Das Wichtigste ist aber, dass die Leute so schnell wie möglich unabhängig werden und man ihnen nicht jeden Handgriff abnimmt.

Wie ist die Situation in Münsing? Der Gemeindesaal soll ja so bald wie möglich geräumt werden.

Bei uns sind einige Privathäuser und Wohnungen eine bessere Alternative zum Gemeindesaal. Ein Leben ohne Privatsphäre ist auf Dauer ein Problem. Darum begrüßen wir natürlich auch aus diesem Grund eine Räumung des Saales. Unsere Vereine hatten von Anfang an Verständnis. Die Burschen proben bereits in der Tenne und geben ihrem Theater eine neue Umgebung. Sie haben sich schon darauf eingestellt, dass der konkrete Zeitpunkt für die Räumung des Saal noch nicht feststeht.

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