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So kannten und liebten die Deutschen ihren Nick Knatterton. Sein Schöpfer Manfred Schmidt war in Ambach zuhause – und damit einer von drei großen Münsinger Zeichnern.

Der Deutschen liebster Detektiv

Ausstellung in Münsing erinnert an Nick Knatterton und seinen Schöpfer 

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Dass sich die großen Zeichner Graf von Pocci und Loriot für Münsing als Heimat entschieden haben, ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass Manfred Schmidt, Schöpfer von Nick Knatterton, viele Jahrzehnte in Ambach gewohnt hat. Eine Ausstellung im Bergkramerhof erinnert daran.

Münsing – Karierter Anzug, markantes Kinn, Pfeife im Mund, und immer der Spruch: „Kombiniere...“ Das ist Nick Knatterton, die wohl berühmteste deutsche Comicfigur der Nachkriegszeit. Ihren Schöpfer Manfred Schmidt, der seit den 1960er- Jahren in Ambach lebte, hat der kauzige Detektiv zwar reich und berühmt gemacht – so nannte er seine Jacht Knatterton. Doch er litt auch unter seinem Geschöpf.

„Zehn Jahre hat mir dieser Kerl zur Hölle gemacht“

„Zehn Jahre meines Lebens hat mir dieser Kerl zur Hölle gemacht“, sagte Schmidt einmal in seiner typisch pointierten Art. Der Künstler liebte das beschauliche Leben und hasste den Produktionsdruck, unter den ihn Knatterton setzte. Also unternahm er viele Anläufe, ihn loszuwerden, wollte ihn heiraten, in den Ruhestand schicken, ja sogar töten lassen. Doch immer ging ein Aufschrei des Entsetzens durch die treue Leserschaft, Schmidt musste sich weitere Abenteuer ausdenken und zeichnen. Am Ende hatte die Redaktion der Zeitschrift „Quick“, in der Knattertons Erlebnisse erschienen, ein Einsehen – und stellte die Serie ein.

Manfred Schmidt: Der Schöpfer von Nick Knatterton

Schon in jungen Jahren hatte sich Schmidts kreative Ader offenbart. 1913 in bescheidenen Verhältnissen in der Nähe von Bremen geboren, fertigte er bald für die örtliche Tageszeitung humoristische Zeichnungen an. In den 1930er Jahren, als er in Berlin für den Ullstein Verlag arbeitete, verlegte er sich auf humoristische Reisereportagen, etwa 1938 als Begleiter von Max Schmeling auf der Überfahrt nach New York zum Rückkampf gegen Joe Luis. Übrigens blieb Schmidt dank seines Talents ein Einsatz an der Front erspart. Er zeichnete im Auftrag von Hitler und Goebbels Propaganda. Irgendwann nach dem Krieg fiel Schmidt ein kleines, buntes Heft in die Hände – der US-Comic „Superman“. Er ärgerte sich derart über den Stumpfsinn, dass er beschloss, die Hauptfigur zu karikieren. So entstand eines Nachts Nikolaus Kuno Freiherr von Knatter, kurz Nick Knatterton, nach Auskunft seines Schöpfers „unter Rotwein-Anästhesie ziemlich schmerzfrei“. Der Erfolg war überwältigend, die Massen liebten die Abenteuer dieses deutschen Sherlock Holmes.

„Ich kann weder zeichnen noch schreiben“

So erschienen in den 1950er Jahren – jene zehn höllischen Jahre, über die Schmidt später geklagt hat – in der Münchner Illustrierten „Quick“ 500 Folgen mit des Deutschen liebstem Detektiv, gespickt mit sprachlich gewitzten Seitenhieben auf die Bonner Gesellschaft und Politik. „Wer liegt auf den D-Zug-Schienen? Wer jongliert mit Tellerminen?“ waren damals geflügelte Worte. Die Antwort, natürlich: Nick Knatterton.

Sein Schöpfer avancierte damals zu einer öffentlichen Person, er war gern gesehener Gast in Fernsehshows von Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff. Schmidts selbstironische, augenzwinkernde Art kam gut an. So soll er über sich gesagt haben: „Ich bin ein echtes Doppeltalent, ich kann weder zeichnen noch schreiben.“ Schmidt selbst schrieb dieses geistreiche Diktum seinem Freund Loriot zu, mit dem er häufig zusammen arbeitete.

Zeichentrickfilmstudio in Ambach

Nachdem Schmidt der „Quick“ den Rücken gekehrt hatte, richtete er sich 1972 ein Zeichentrickfilmstudio in seinem Ambacher Privathaus ein und produzierte mit seinem Team unter anderem 200 Spots nach Vorlagen des argentinischen Zeichners Mordillo für das Werbefernsehen und die Deutsche Fernsehlotterie. Auch auf den berühmten Meisterdetektiv kam der Wahl-Ambacher noch einmal zurück und entwickelte 15 Episoden einer Nick Knatterton Fernsehserie. Danach blieb der schlaue Freiherr von Knatter noch als Werbefigur präsent und pries Spirituosen, Herrenbekleidung, Taschentücher und Rasierklingen an. Wobei selbstredend immer das Wort „Kombiniere...“ vorkommen musste. Deutschland war verzückt.

1989 zog sich Manfred Schmidt in den Ruhestand zurück. Der ironisch-distanzierten Haltung zu seinem Werk blieb er treu und entsorgte einen Großteil seiner Zeichnungen im Altpapier. Am 28. Juli 1989 starb er in Ambach. Doch auch wenn der Schöpfer seit geraumer Weile tot ist: Nick Knatterton, sein Geschöpf, lebt.

Ausstellung

„Münsing – Dorf der Zeichner“ lautet der Titel der Ausstellung, die die Pocci-Gesellschaft im Konferenzsaal des Bergkramerhofs zeigt. Geöffnet ist sie täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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