Das Double geholt, aber niedergeschlagen in der Champions League: Ein Bayernspieler nach dem Halbfinal-Aus am Boden.

Erfolgreich, aber sehr distanziert

So beurteilen unsere Fanclubs Pep Guardiolas Arbeit

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Wolfratshausen/Geretsried – Nach drei Jahren ist die Ära Pep Guardiola beim FC Bayern vorbei. Die hiesigen Chefs der Fanclubs haben ein differenziertes Bild zu der Arbeit des Katalanen beim FC Bayern.

Pep Guardiola trainierte drei Jahre lang den FC Bayern.

Ein Blick ins Internet-Forum des FC Bayern München verrät: Pep Guardiola polarisiert. Die einen loben den scheidenden Trainer für die Impulse, die er dem Fußball in München und der Bundesliga gegeben hat. „Danke für alles“, sagt User „wave1984“, danke „für ein noch besseres Ansehen im Weltfußball, er hat uns auf die nächste Stufe gestellt“. Andere betrachten Guardiolas dreijähriges Wirken an der Isar zumindest in Teilen kritisch – nach drei vergeblichen Anläufen in Richtung Champions-League-Triumph. „Die Auftritte in der K.o.-Phase seien unter dem Katalanen „bei einer Gesamtbetrachtung und bei objektiver Bewertung alles andere als überzeugend“, findet User „dodgerram“.
 
„Ein zu hartes Urteil“, widerspricht Harald Michel. Der 47-Jährige gebürtige Franke ist seit 41 Jahren Bayernfan, daran konnte ihn auch ein von allen Meisterspielern des 1. FC Nürnberg signierter Ball aus dem Jahr 1968 als Taufgeschenk nicht hindern.

Hans Michel, Chef des Fanclubs "die Filetgranen"

Den Sieg in der Champions League zu fordern, sei komplett vermessen, findet der Chef des Geretsrieder FCB-Fanclubs „Die Filetgranen“. Dreimal in Folge habe Guardiola Lahm und Co. mit „größtenteils herausragendem Fußball“ ins Halbfinale geführt. Ab dort entschieden auch Tagesform, Verletzungen und Glück. „Und das hatten wir jetzt gegen Atletico halt nicht.“
 
Zumal die Madrilenen ungeachtet ihrer bisweilen destruktiven Spielweise eine Top-Adresse im europäischen Fußball seien. „Die stehen zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren im Finale. Das ist kein Zufall.“

Ähnlich sieht das Michael Schmid. Der 41-Jährige ist Vorsitzender des Fanklubs d’Münsinger. Guardiola habe Bayern und auch das Nationalteam, in dem viele Münchner Spieler stehen, auf eine neue Stufe gehoben. „Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass die Art, wie Pep Fußball spielen lässt – viel Ballbesitz, unglaublich gutes Passspiel –, dazu beigetragen hat, dass wir 2014 Weltmeister geworden sind.“

Michael Schmid, Chef des Fanclubs "d' Münsinger"

Und dennoch: Dass der Bayern-Coach seine Zelte in der Landeshauptstadt abbricht, lässt die beiden Fanklub-Oberen nicht verzweifeln. Anfangs war Harald Michel darüber „ein bisschen traurig, aber jetzt ist es okay“. Die oft distanzierte Art – „der stolze Katalane“ – passe vielleicht nicht so richtig zum FC Bayern. „Er war nie so richtig zu greifen.“ Dass Guardiola erst kürzlich wieder betonte, er habe in München seine „schönste Zeit als Trainer“ erlebt, nimmt Michel „ihm nicht ab“.
 
Kollege Schmid hat etwas anderes gestört. „In meinen Augen haben ihm die Vereinsoberen zu viel Macht gegeben. Hinter dem Rauswurf von Dr. Müller-Wohlfahrt (über Jahrzehnte der Vereinsarzt des FC Bayern, Anmerkung der Redaktion) steckte für mich in erster Linie Pep.“ Auch erscheint es dem Münsinger so, als sei der Spanier dem Verein nie so nahe gestanden wie dessen Vorgänger Jupp Heynckes und Otmar Hitzfeld. „Das mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass Uli Hoeneß als Bindeglied in dieser Zeit nicht da war.“

Ergo fällt Schmids Resümee gespalten aus: Fußballerisch betrachtet „ist es schade, dass Pep geht. Aus den genannten anderen Gründen ist es jetzt vielleicht gut, das etwas Neues kommt.“

peb

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