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Berühmte und denkmalgeschützte Villa am Starnberger See zum Verkauf: Meistbietender soll sie bekommen

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Die Villa des Biene-Maja-Erfinders soll verkauft werden. Der Ostuferschutzverband kritisiert die Stiftung, die das Andenken Waldemar Bonsels erhalten soll.

Münsing – „Eine der schönsten und bekanntesten historischen Villen am Starnberger See, malerisch, poetisch, repräsentativ, mit wunderbaren Blickachsen auf den See und die Bergkette der Alpen. Privates Seeufer und Bootshaus inklusive“: Mit diesen Worten und zahlreichen Fotos wirbt der Immobilien-Makler „Immovision“ auf seiner Homepage für die Bonsels-Villa an der Seeuferstraße in Ambach.

Gerüchte um einen Verkauf durch die Eigentümerin, die Waldemar-Bonsels-Stiftung, kursierten seit Längerem. Der Münsinger Gemeinderat und der Ostuferschutzverband (OSV) befürchten seit einigen Jahren, dass sich die Stiftung mit Sitz in München von dem Anwesen an der Seeuferstraße trennen könnte. Nun ist es soweit, und der OSV schlägt Alarm.

Hier lebte der Erfinder von „Biene Maja“: Die Waldemar-Bonsels-Villa in Ambach soll verkauft werden.
Hier lebte der Erfinder von „Biene Maja“: Die Waldemar-Bonsels-Villa in Ambach soll verkauft werden. © sh

Berühmte Villa am Starnberger See zum Verkauf - „Im Sog der Bodenspekulation“

Die Stiftung wurde 1977 von Waldemar Bonsels Witwe Rose-Marie Bonsels (1909-1993) am 25. Todestag ihres Ehemanns gegründet – mit dem Zweck, das Andenken an den Schriftsteller zu bewahren. Er lebte von 1880 bis 1952, davon viele Jahre in Ambach. Weltberühmt wurde er durch sein Werk „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“.

Heute ist Bonsels umstritten wegen seiner engen Beziehungen zum NS-Regime und seiner antijüdischen Artikel. Die Villa im Herzen Ambachs entstand 1886 als Sommerhaus für den ungarischen Maler Gyula Benczúr (1844-1920). 1919 zog Bonsels ein und lebte dort bis zu seinem Tod. Das Urnengrab des Schriftstellers liegt im hinteren Teil des Gartens. An wenigen Tagen im Jahr konnten Besucher das im Originalzustand befindliche Atelier und die letzte Ruhestätte des Biene-Maja-Erfinders besichtigen.

Waldemar Bonsels lebte in Münsing - Seine Villa am See ist denkmalgeschützt

Für die Gemeinde Münsing sind das historische, 2014 von der Stiftung aufwendig sanierte Gebäude und vor allem das prächtige „Ungarntor“ davor ein touristisches Aushängeschild. Wegen der Bedeutung des Denkmal-Ensembles zwischen der Muttergotteskapelle, dem Ambacher Dampfersteg und dem traditionsreichen Gasthaus „Zum Fischmeister“ von Schauspieler Josef Bierbichler wünscht der Gemeinderat auf dem Grundstück auch keine Veränderungen.

Dreimal beantragte die Stiftung bisher, dass der – zugegeben unschöne – Anbau aus den 1960er Jahren vor der Villa abgebrochen werden und stattdessen ein Ersatzbau an anderer Stelle entstehen darf. 2018, 2019 und zuletzt im September 2021 scheiterte sie damit, unter anderem deshalb, weil nebenan die Räucherkammer eines heimischen Fischers steht und das Landratsamt Probleme mit dem Immissionsschutz befürchtete.

Der Ostuferschutzverband (OSV) mit dem neuen Vorsitzenden Johannes Umbreit schreibt in einer Pressemitteilung, das Anwesen gerate nun „leider in den Sog von Bodenspekulation und Grundstücksverwertung“. Die eigens eingerichtete Bonsels-Stiftung sollte doch eigentlich das Andenken an den Schriftsteller bewahren, die Erträge durch die Vermietung der Wohnräume über dem Atelier sollten einem guten Zweck dienen, was ja auch jahrzehntelang gutgegangen sei. Jetzt aber wolle der Stiftungsrat „dem Zeitgeist und dem Profitinteresse folgend“ mehr aus dem Stiftungsvermögen herausholen, mutmaßen Umbreit und seine Vorstandskollegen Petra Schulze, Manfred Stecher, Gustav Neumeister und Mechthild Felsch.

Münsing: Bonsels-Villa könnte zehn Millionen Euro kosten

Das Grundstück und die Villa sollten meistbietend verkauft werden. Ein Kaufpreis steht nicht in der Online-Anzeige. Die Bild-Zeitung will erfahren haben, dass es sich um zehn Millionen Euro handelt. Um den Verkaufswert zu steigern, kämpfe die Stiftung sogar noch um ein Baurecht für ein zweites Haus auf dem Grundstück, obwohl auch der Garten unter den Denkmalschutz falle und der Rahmenplan der Gemeinde Münsing ausdrücklich keine zweireihige Bebauung am Seeufer vorsehe. „Wir sind gespannt, ob die Stiftungsaufsicht diesem Umsturz der Stiftungsstruktur zustimmen wird, und ob die Gemeinde Münsing ihrem eigenen Rahmenplan auch weiterhin folgt“, schreibt der OSV.

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Bürgermeister Michael Grasl erklärt, er sehe „keine Veranlassung, vom Rahmenplan und der besonderen Situation des Denkmalschutzes abzuweichen“. Ob das Landratsamt das ebenso sehe, wisse er nicht. Der Gemeinde bleibe notfalls immer noch der Klageweg. Die diversen Bauwünsche am Seeufer seien „eine große Herausforderung für uns, der wir uns aber gewachsen sehen“, so Grasl.

Stiftung über Verkauf der Bonsels-Villa: „Unterhalt teurer als die Mieteinnahmen“

Ralf Kirberg, Vorstandsvorsitzender der Waldemar-Bonsels-Stiftung, widerspricht den Anschuldigungen des Ostuferschutzverbands (OSV). „Die Stiftung trennt sich von dem Anwesen, weil der Unterhalt wesentlich teurer ist als die Mieteinnahmen“, erklärt Kirberg. Allein die Behebung der Hagelschäden in der jüngsten Vergangenheit habe die 1977 von Rose-Marie Bonsels gegründete Stiftung viel Geld gekostet. Diese spekuliere nicht, betont Kirberg. Ihr vordergründiger Zweck sei die Leseförderung von Kindern.

Das Andenken an Rose-Marie Bonsels Mann, den 1952 verstorbenen Schriftsteller Waldemar Bonsels („Die Abenteuer der Biene Maja“), werde in Ambach weiterhin bewahrt. Am Ungarntor vor dem Anwesen sei ein QR-Code angebracht. Scannt man ihn mit seinem Smartphone, erhalte man bequem alle Informationen über Werk und Leben des Autors – „ideal für die vielen Spaziergänger und Radfahrer, die an dem Denkmal vorbeikommen“, findet Kirberg.

Die wenigen Originalgegenstände im Arbeitszimmer des Hauses – der Schreibtisch, an dem Bonsels arbeitete und einige seiner Bücher – würden an die Stiftung übergehen. Der Verkaufserlös werde dem Grundstockvermögen zugeschlagen.

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