Bürgerversammlung in Münsing
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Bürgerversammlung in Münsing: Die dort gestellten Fragen wurden am Dienstag im Gemeinderat beantwortet.

Gemeinde beantwortet Fragen zum Hochwasserschutz in Ammerland – Anlieger müssen eventuell zahlen

Bürgermeister „ist kein Hauptangeklagter“

Viele Fragen in Sachen Hochwasserschutz hatten sich in der Münsinger Bürgerversammlung ergeben. Rathauschef Michael Grasl gab die Antworten in der jüngsten Ratssitzung bekannt.

Münsing – Einen ganzen Katalog an Fragen hatte Johannes Müller in der Bürgerversammlung vorgebracht. Die Gemeindeverwaltung hat sie mittlerweile alle beantwortet. In erster Linie geht es um den geplanten Hochwasserschutz für Ammerland – ein Projekt, das aus Müllers Sicht mit Kosten von drei Millionen Euro aufwärts überdimensioniert ist. Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) gab die Antworten in der Gemeinderatssitzung am Dienstag bekannt.

Von der sogenannten Rosswoad an der Ammerlander Straße bis zum Starnberger See soll ein rund 650 Meter langer Tunnel gebaut werden, der das Regenwasser in den Starnberger See ableitet. Dadurch sollen das Gasthaus Gerer und sieben weitere Anwesen vor Überflutungen geschützt werden. Johannes Müller bezweifelt, dass die Kosten in einem „vernünftigen wirtschaftlichen Verhältnis zu dem abzuwendenden Schaden“ stehen. Darauf entgegnet die Gemeinde, dass sie im Fall eines Jahrhundert-Hochwassers für Schäden an den acht Gebäuden haften müsste. Aus diesem Grund fördere der Freistaat die Maßnahme auch finanziell. Es war einmal die Rede von 80 Prozent; diese Summe bestätigt die Gemeinde jedoch nicht in ihrem Antwortschreiben. Sie teilt dagegen Müllers Ansicht, dass unter Umständen von den Anliegern Beiträge verlangt werden könnten. Dies werde geprüft, heißt es.

Eine kleinere Lösung, etwa ein Tunnel erst etwas oberhalb des geplanten Feuerwehrhauses am Kapellenweg, wie von Müller vorgeschlagen, werde nicht gefördert, erklärt die Gemeinde. Auch andere Einsparmöglichkeiten sehe man kaum. Denn Hochwasserschutzplanungen müssten nach den geltenden Normen und technischen Richtlinien erfolgen. Über Alternativen sei im Vorfeld zusammen mit dem beauftragten Ingenieurbüro nachgedacht worden. Müllers Wunsch, sämtliche Unterlagen zum Hochwasserschutz im Internet zu veröffentlichen, will die Gemeinde nicht nachkommen. Sie schreibt, die Pläne lägen im Rathaus zur Einsicht nach Terminvereinbarung aus. Laut Bürgermeister wurden mittlerweile alle Klagen gegen das Projekt zurückgezogen. Es gebe nur noch wenige Anwohner, mit denen die Gemeinde Vereinbarungen zu treffen oder Grunddienstbarkeiten abzusichern habe.

Ich mag mich nicht jedes Mal rechtfertigen für Dinge, die vom Gemeinderat mehrheitlich beschlossen wurden und die auf den Weg gebracht sind.

Bürgermeister Michael Grasl

Grasl nutzte die Gelegenheit, allgemein Kritik am Ablauf der Bürgerversammlungen in den vergangenen Jahren zu äußern: „Ich mag mich nicht jedes Mal rechtfertigen für Dinge, die vom Gemeinderat mehrheitlich beschlossen wurden und die auf den Weg gebracht sind.“ Er komme sich bisweilen vor wie bei einem Tribunal, sagte Grasl. Und: „Der Bürgermeister ist Berichterstatter und Moderator, er ist kein Hauptangeklagter.“

Regina Reitenhardt (Wählergruppe Münsing) sprang dem Rathauschef bei. Es wäre hilfreich, wenn die Bürger ihre Fragen vor der Versammlung schriftlich stellen würden, sagte sie. Georg Sebald (Wählergruppe Ammerland) sieht einen so umfangreichen Fragenkatalog wie den von Müller – er verlangte noch zu weiteren Punkten Auskunft – generell skeptisch. Jeder Bürger könne sich in den Sitzungen und im Rathaus zu aktuellen Themen informieren.

Tanja Lühr

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