Bild von Colombo Max
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Die Heimat im Bild: Colombo Max malte mit Hingabe die Gegend um den Starnberger See – in diesem Fall das Schloss Ammerland. Am Ufer zu sehen ist das Dingi, sein Ruderboot.

Künstlerkolonie Ammerland

Colombo und Corneille Max - die vergessenen Maler-Brüder

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Corneille (1875 - 1924) und Colombo Max (1877 - 1970) - zwei Ammerlander Künstler, die im Schatten ihres Vater Gabriel standen.

Münsing – Ammerland ist ein Ort, der auf Künstler eine große Faszination ausübt. Der Humorist Loriot, der hier jahrzehntelang lebte und arbeitete, sprach von der „unvergleichlichen Atmosphäre“ in dem alten, urwüchsigen Dorf. In einer Serie erinnern wir an einige Künstler, die sich hier inspirieren ließen, seien es Einheimische oder Zugereiste. Heute: Corneille (1875 - 1924) und Colombo Max (1877 - 1970).

Corneille und Colombo, Söhne des Malerfürsten Gabriel von Max (1840 - 1915), stehen im Schatten ihres berühmten Vaters. Dabei sind sie es wert, als eigenständige Künstler wahrgenommen zu werden. Beide legten ihren Schwerpunkt auf die Landschaftsmalerei: Ihre Heimat Ammerland und der Starnberger See boten ihnen viele Motive. Besonders Colombo, dem ein längeres Leben beschieden war, sah man bei jedem Wetter mit Hut und Umhang oft schon in den frühen Morgenstunden auf den See hinaus rudern.

Corneille Max

Der ältere der beiden Malerbrüder, Corneille, wird am 12. Mai 1875 geboren. Im selben Jahr zieht die Familie in das Sommerhaus an der Südlichen Seestraße, die „Villa Max“. Die Familie lebt im Winter in der Stadt (im damaligen Malerviertel der heutigen Paul-Heyse-Straße), im Sommer am See. Die erste künstlerische Ausbildung erhält Corneille ebenso wie sein Bruder vom Vater, später von Wilhelm von Diez sowie Anton Azbé. 1905 heiratet er Wilhelmine Gedon („Stora“), Tochter des berühmten Münchner Architekten Lorenz Gedon, der unter anderem für Ludwig II. Schloss Herrenchiemsee ausgeschmückt hat.

Als Mitglieder der „Königlich Privilegierten Künstlergenossenschaft“ erhalten Corneille und Colombo schon vor dem Ersten Weltkrieg Gelegenheit, ihre Werke an der Münchner Maximiliansstraße auszustellen. 1915 erleidet Corneille an der Front in Flandern eine Kampfgasverletzung. Er wird vom Kriegsdienst freigestellt und konzentriert sich auf Porträtmalerei, vor allem Kinderporträts. Am 22. Februar 1924 stirbt er. Lange hält sich das Gerücht, es handle sich um eine Spätfolge der Gasvergiftung. Wahrscheinlicher ist eine Rippenfellentzündung.

Colombo Max

Colombo Max kommt am 10. Mai 1877 zur Welt. Auch er wird vom Vater frühzeitig an die Malerei herangeführt. 1891 zählen sein Bruder und er zu den Gründern des Ruderclubs Ammerland, für den Colombo zahlreiche Plakate entwirft. Neben der Ausbildung zum Maler in München zieht es ihn oft nach Italien. 1910 heiratet Colombo die Grafikerin und Tänzerin Paula Schmid, von der es heute in Ammerland noch heißt, dass sie den Sarotti-Mohr erfunden hätte. Sie bringt Sohn Thomas mit in die Ehe, den Colombo adoptiert: Er wird später als Widerstandskämpfer der „Freiheitsaktion Bayern“ von den Nazis ermordet.

Weitere Teile der Serie: Josef Rösl und die Kunst der Ornamentik

Percy Adlon, ein vielseitiger Regisseur

Colombo Max, ebenfalls an der Westfront im Einsatz, bleibt im Ersten Weltkrieg von einer schweren Kriegsverletzung verschont. Wiewohl regimekritisch eingestellt, wird das Werk Colombos von den Nazis nicht als „entartet“ eingestuft, vielleicht wegen seines konservativ-naturalistischen Malstils, der offenbar als „deutsch“ empfunden wurde. 1967 wird der 90. Geburtstag im Haus „Rösl“ an der Martinshöhe in Ammerland gefeiert. Am 5. September stirbt der allgemein beliebte Colombo Max. Die Grabrede hält Freund und Nachbar Hubert Rank, ein enger Freund der Familie.

Den progressiven Künstlervereinigungen ihrer Altersgenossen bleiben die Max-Brüder fern

Kunsthistorikerin Ulrike Eichler

Die Kunsthistorikerin Ulrike Eichler betont im Ausstellungskatalog des Ostuferschutzverbands (siehe Kasten) die Distanz zur Moderne eines Franz Marc. „Den progressiven Künstlervereinigungen ihrer Altersgenossen bleiben die Max-Brüder fern“, stellt sie fest. An Corneille würdigt sie die Kinderporträts, die durch allegorische Titel wie „Frühling“ oder „Lebensfreude“ eine allgemeinere Bedeutung bekommen. Die Landschaftsbilder von Colombo wurzeln tief in der Heimatliebe sowie im christlichen Glauben und zeugen von einer „aufmerksam beobachtenden Naturverbundenheit“. Die Bilder der Max-Brüder beeindrucken noch heute jeden Betrachter, über die Zeiten hinweg.

vu

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