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Fleißiges Naturtalent: Katharina Hofner aus Münsing wurde heuer als beste Damentrachtenschneiderin Deutschlands ausgezeichnet. 

Dirndl-Liebe

Deutschlands beste Damentrachtenschneiderin kommt aus Münsing

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Katharina Hofner aus Münsing ist ein fleißiges Naturtalent an der Nähmaschine. Das ist jetzt offiziell: Sie wurde zu Deutschlands bester Damentrachtenschneiderin gekürt.

Münsing – Schnittmuster, Scheren, Maßbänder, Häkchen und Knöpfe aller Art füllen die Schubläden und Regale an den Wänden. In der Mitte des Raums steht der Zuschneidetisch. Über einer der beiden Nähmaschinen hängt ein Regal für an die 100 bunte Fadenrollen. Außerdem gibt es eine Kleiderstange, ein Bügeleisen und eine Overlock-Maschine, um Kanten zu versäubern. Dieser Raum im ersten Stock ihres Elternhauses in Münsing ist das Reich von Katharina Hofner – Deutschlands bester Damentrachtenschneiderin.

Den Titel erhielt die 20-Jährige, die ihre dreijährige Schneiderlehre bei Uschi Disl senior in Großeglsee im Juli abgeschlossen hat. Mit ihrem Gesellenstück, einem weinroten Dirndl mit Herzerl-Borte, einem grauen Rock und einer weinrot-beigen Schürze im Paisleymuster wurde sie sowohl Innungs- als auch Landesbeste. Beim Kreativwettbewerb des deutschen Handwerks „Die gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten“ holte sie in der Kategorie Damentrachtenschneiderin den ersten Platz.

Erstes Nähprojekt scheitert

Auf ihre Auszeichnungen ist Katharina Hofner zwar stolz, doch sie käme nie darauf, damit anzugeben. „Das hat sich einfach ergeben.“ Genauso wie ihre Berufswahl: „Früher wollte ich Goldschmiedin oder Blechblasinstrumentenbauerin werden“, sagt sie in schönstem Oberbairisch und grinst. Klischeehafte Traumberufe hatte sie nie. Über ein Praktikum in der Realschule kam die Münsingerin zu Trachtenschneiderin Uschi Disl. Dort fühlte sie sich sofort wohl. Ihr Faible für die bayerische Tracht kann Katharina Hofner nicht leugnen: „Ich trage schon immer gern Dirndl, zu den verschiedensten Anlässen.“

Als kleines Mädchen habe sie viel gebastelt und gemalt, aber nie genäht. „Probier’ es doch wenigstens einmal“, hat ihre Mama, selbst Hobbyschneiderin, vor dem Praktikum gesagt. Also nähte sie ein grünes Federmäppchen und stickte rote Herzen darauf. „Schaut katastrophal aus“, sagt Katharina Hofner heute und lacht. „Aber ich benutze es immer noch.“ Die mütterlichen Sorgen waren unbegründet. Während der fünf Tage, die sie in Disls Trachtenladen verbrachte, entpuppte sich die Schülerin als Naturtalent. „Ich wusste gleich, dass es das ist, was ich machen will.“ Zu Beginn durfte sie Herzerl- und Froschmaulborten nähen und Holzstäbe in die Miederpanzer einziehen. „Das hat sehr viel Spaß gemacht und gut geklappt.“ Auch Uschi Disl war vom Geschick der damals 15-Jährigen überzeugt. „Gleich am Ende der Woche haben wir ausgemacht, dass ich nach meinem Schulabschluss bei ihr in die Ausbildung gehe“, erinnert sich Katharina Hofner.

20 Dirndl-Anfragen hat sie schon

Ihre Entscheidung hat sie bis heute nicht bereut. Seit dem Sommer arbeitet sie als Gesellin in Großeglsee – allerdings nur in Teilzeit. Denn die junge Dirndlschneiderin hat vor Kurzem ein Kleingewerbe angemeldet. An die 20 Dirndl-Anfragen hat sie schon bekommen – erst einmal von Verwandten und Freunden. „Einen Namen gibt es leider noch nicht“, sagt sie. „Aber ich denke, es wird was Bodenständiges, Traditionelles.“

Etwas anderes würde auch nicht zu ihr passen. Die 20-Jährige ist verwurzelt in Münsing, sie spielt Flügelhorn in der Musikkapelle, ist Mitglied in der Gaudi-Garde und im Burschenverein. „Das Dirndl ist einfach unser Gewand.“ An Auswahl mangelt es der jungen Frau nicht: Für die zehn Oberteile, 15 Röcke und etlichen Schürzen hat sie mittlerweile sogar einen extra Kleiderschrank. „Am besten finde ich, dass es so viele Farben und Kombinationsmöglichkeiten gibt“, sagt Katharina Hofner. Ihre Lieblingsfarben sind gedeckte Töne wie Grau oder Grün, dazu Beerentöne und Blumenmuster. „Mit einem Dirndl ist man einfach immer gut angezogen. Ein Rüschenkleid passt auch gar nicht zu mir.“

Turnschuhe zum Dirndl gehen gar nicht

Weil dabei trotzdem einiges schiefgehen kann, hilft die Expertin nicht nur bei der Farb- und Stoffauswahl, sondern gibt Tipps zum kompletten Outfit. Vor allem, was die Schuhe angeht, ist sie kritisch: „Turnschuhe pack’ ich gar nicht.“ Ballerinas seien aber in Ordnung. „Zu kurze Röcke und zu tiefe Ausschnitte gehen auch gar nicht.“ Außerdem seien hochgesteckte Haare Pflicht. Da muss bei Katharina Hofner allerdings die Mama ran. „Flechten kann ich einfach nicht“, gibt sie zu. Aber alles muss sie ja auch nicht können.

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