+
Die Rambaldi-Villa südlich des Allmannshauser Schlosses zieht wegen ihrer Schönheit und Eleganz die Blicke auf sich. Sie ist einer der am Starnberger See häufigen Fälle, wo sich Erbengemeinschaften den Besitz teilen. 

„Wenn wir so etwas sehen, fühlen wir uns einfach wohl.“

Diese Villa in Allmannshausen kann Glücksgefühle auslösen

  • schließen

Die Erbengemeinschaft, die die Villa Rambaldi in der Nähe des Allmannshauser Schlosses hegt und pflegt, hat vor wenigen Tagen den Gabriel-von-Max-Denkmalpreis erhalten. Der Bau mit seinen perfekten Proportionen macht Menschen unwillkürlich glücklich, hieß es in der Laudatio. 

Münsing/Allmannshausen – Wer am Ostufer des Starnberger Sees auf der Assenbucher Straße nordwärts schlendert, gelangt irgendwann zum altehrwürdigen Schloss Allmannshausen. Doch schon wenige hundert Meter vorher steht rechterhand ein reizendes kleines Anwesen: Das ehemalige Jägerhaus des Schlosses, nach dem einstigen Eigentümer auch Villa Rambaldi genannt. Dass der Anblick beim Betrachter Glücksgefühle auslöst, ist nach Angaben vor Ursula Scriba, Architektin und Vorsitzende des Ostuferschutzverbands, kein Zufall, sondern vom – unbekannten – Architekten genau so gewollt: „Die Front bildet ein regelmäßiges Quadrat, und wenn wir so etwas sehen, fühlen wir uns einfach wohl.“ Perfekte Proportionen, makellose Haltung, ein lässiger Umgang mit der schwierigen Hanglage am Ostufer: Das sind die architektonischen Markenzeichen der Villa Rambaldi.

Wegen ihrer Bereitschaft, das Denkmal in seiner Schönheit zu erhalten, hat die Erbengemeinschaft der Rambaldi-Villa jetzt den Gabriel-von-Max-Denkmalpreis erhalten. Unser Foto rechts zeigt vier der acht Eigentümer (v. li.) Wiltrud Keitlinghaus, Felix Keitlinghaus mit dem Preis, Gabriele von Nagel zu Aichberg sowie Mechtild Breitenbach.

Sämtliche Juroren des Gabriel-von-Max-Denkmalpreises haben unter den sechs Vorschlägen die formschöne Villa mit ihren grünen Fensterläden und dem filigranen Eisenbalkon auf Platz eins gewählt. „Das Votum war also eindeutig“, sagte Scriba in ihrer Laudatio. Und so brachte die Verleihung des Gabriel-von-Max-Denkmalpreises am Mittwoch im Landgasthof zur Post in Aufkirchen zwei Premieren mit sich. Erstmals blieb der Preis nicht in Münsing, sondern ging in die Gemeinde Berg. Und: Zum ersten Mal wurde eine Erbengemeinschaft ausgezeichnet, bestehend aus den vier Familien Nagel zu Aichberg, Bering, Keitlinghaus und Breitenbach. Vier Generationen leben dort zeitweise unter einem Dach, meist im Sommer, im Winter ist die Villa mangels Heizung mehr oder weniger unbewohnt. Besonders hob Ursula Scriba hervor, dass Felix Keitlinghaus, von Beruf Schreiner, viel an dem denkmalgeschützten Haus selbst macht. „Die Geduld und das Engagement im Umgang mit dem ehrwürdigen Gebäude ist vorbildhaft“, sagte Scriba bei dem kleinen, aber feinen Festakt.

Der Preis geht erstmals an eine Erbengemeinschaft

Der Gabriel-von-Max-Denkmalpreis hat eigentlich einen traurigen Hintergrund: Anlass für seine Verleihung ist die Tatsache, dass ein besonders schönes Exemplar, die Villa des Malers, Darwinisten und Spiritisten Gabriel von Max (1840 - 1915) in Ammerland, mangels Interesse der Eigentümer vor aller Augen zusehends verfällt. Doch statt darüber zu klagen, prämiert der Ostuferschutzverband lieber Besitzer von Denkmälern, die es besser machen. Dazu gehörte bislang der Gorythomahof der Familie Strobl in Weipertshausen (2014), das Handwerkerhaus der Familie Wagner in Ammerland (2015), das Schloss Ammerland von Werner Döttinger (2016) sowie der Eierwastl der Familie Noppes in Degerndorf (2017). Jedes einzelne Beispiel zeigt, dass es geht, wenn man will. „Mit diesem Preis sendet der Ostuferschutzverband ein Signal rund um den See“, sagte der Münsinger Bürgermeister Michael Grasl. Und noch etwas hob er hervor: „Wer Denkmäler erhält, stellt übergeordnete Interessen über die eigenen.“ Das sei heutzutage die absolute Ausnahme.

Lesen Sie auch: Gabriel von Max und seine Goethe-Illustrationen

Einst nächtigen dort Jäger, vielleicht auch Förster

Die Geschichte der Villa Rambaldi ist - wie könnte es anders sein - eng mit der des Allmannshauser Schlosses verknüpft, das heute dem Freistaat gehört und an die Religionsgemeinschaft „Wort des Lebens“ verpachtet ist. Der Pate der Bewerbung, Manfred Stecher aus Münsing, hat einiges aus der Historie von Schloss und Villa zusammengetragen. Eine wichtige Rolle spielte demnach die international gut vernetzte Adelsfamilie Hörwarth, die 1696 das Schloss hatte errichten lassen. Sie ließ etwa 1780 auch die kleine Villa für die Jäger und möglicherweise auch Förster anlegen. 1800 erlosch das Geschlecht, durch Erbteilung gingen große Teile von Allmannshausen an die Familie Rambaldi. 1880 trat der Chemieunternehmer Christoph Heinrich Böhringer auf den Plan: Er ließ das Ensemble im Stil der Neo-Renaissance umbauen und verhalf ihm zu dem Aussehen, das es auch heute noch hat. 1883 heiratete der Schriftsteller Karl von Rambaldi die Böhringer-Tochter Mathilde. Deren Tochter, die ebenfalls den Namen Mathilde trug, heiratete in Erster Ehe Heinrich von Nagel zu Aichberg, der im Ersten Weltkrieg fiel. Diesen Namen trägt heute noch die älteste der acht Eigentümer, die 103 Jahre alte Gabriele von Nagel zu Aichberg, die die Verleihung des Preises sichtlich genoss.

Nicht zu vergessen: Der Abend wurde auch musikalisch begleitet, von Therese Hahn an der Violine und Johannes Umbreit, der dem Ostuferschutzverband sehr verbunden ist, am Klavier. Ihre Mozart-Sonate und ihre Schumann-Romanze schmeichelte dem Ohr, wie der Anblick der Rambaldi-Villa dem Auge. Es war eben ein Abend, der dem Schönen gewidmet war.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Förderverein für  Tourismus präsentiert: Stimmungsvolle Bilder, nützliche Gutscheine
Erstmalig präsentiert der Förderverein für Tourismus Beuerberg-Eurasburg einen eigenen Tischkalender: Dieser zeigt nicht nur die schönsten Seiten der Gemeinden, sondern …
Förderverein für  Tourismus präsentiert: Stimmungsvolle Bilder, nützliche Gutscheine
Für Bayerns Katholiken gilt erneut: Stimmabgabe im Namen des Herrn
Für katholische Gläubige steht am kommenden Sonntag erneut der Gang zur Wahlurne an: dieses Mal können die Kirchenverwaltungen gewählt werden. 
Für Bayerns Katholiken gilt erneut: Stimmabgabe im Namen des Herrn
Christa Castringius: seit zehn Jahren Spenden für die Musik
Seit gut zehn Jahren unterstützt Christa Castringius Musikprojekte für Kinder, gründete sogar eine Stiftung. Für ihr Engagement erhielt die Lengenwieserin jetzt den …
Christa Castringius: seit zehn Jahren Spenden für die Musik
Hier darf jeder rein: Das Königsdorfer Bücherhaus ist ein Erfolgsmodell
Das Königsdorfer Bücherhaus steht seit einem Jahr allen Leseratten offen. Offene Bücherschränke liegen im Trend - das zeigt sich auch in Königsdorf.
Hier darf jeder rein: Das Königsdorfer Bücherhaus ist ein Erfolgsmodell

Kommentare