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Drehbuchautor, Regisseur, Filmproduzent und Schriftsteller: Ray Müller versteht sein neues Buch als Plädoyer für die Versöhnung von Wissenschaft und Spiritualität.

Buchvorstellung

Einmal um den Berg herum

Münsing – In seinem neuen Buch „Das Lächeln des Sisyphos“ beschäftigt sich Ray Müller mit Wissen und Weisheit.

Actionfilme waren lange Zeit Ray Müllers Metier. Seine Arbeiten wurden mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Für seinen fast dreistündigen Dokumentarfilm „Die Macht der Bilder“ über die Filmemacherin und Fotografin Leni Riefenstahl hat er sogar unter anderem den begehrten „Emmy“ bekommen. Doch der Regisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent und Schriftsteller aus Münsing ist ruhiger geworden. „Früher war ich ein Action-Typ und auf Tun und Machen programmiert.“ Bei Dreharbeiten in Kalifornien habe er dann einen Zen-Meister kennengelernt und angefangen, sich mit dem Zen-Buddhismus zu befassen. „Anfangs habe ich die Texte zwar als spannend und geheimnisvoll empfunden, aber nicht wirklich verstanden“, sagt er. Aus den vielen Fragen und Überlegungen, die sich dabei ergaben, ist das Buch „Das Lächeln des Sisyphos – Vom Wissen zur Weisheit“ (Der-Wissens-Verlag) entstanden. Der Autor geht darin der Frage nach: Was ist der Unterschied zwischen Wissen und Weisheit?

Der 67-Jährige macht sich dabei auf die Suche nach der Weisheit und ergründet, ob es diese in unserem Zeitalter, in dem fast alles Wissen auf Knopfdruck zur Verfügung steht, überhaupt noch gibt. Dazu nutzt er alle Wissensgebiete, die dem modernen Menschen zur Verfügung stehen: die Quantenphysik ebenso wie die Weisheitslehre der unterschiedlichen Kulturen. „Das Buch ist ein Plädoyer für die Versöhnung von Naturwissenschaft und Religion oder Spiritualität“, sagt Müller. „Wenn die Menschheit überleben will, muss sie einen höheres Bewusstsein entwickeln. Wenn wir uns ansehen, was die Menschen täglich sich und dem Planeten antun, wird offensichtlich, wie nötig dieses erweiterte Bewusstsein ist. Einerseits sind wir technologisch extrem hochgerüstet, andererseits mit unserer Psyche und Denken in vielen Fällen noch so nahe der Steinzeit, dass der Begriff homo sapiens oft eher schmeichelhaft, als realistisch ist.“

Seit rund zehn Jahren hat der Filmemacher dank Zen, wie er sagt, einen anderen Blick auf die Welt bekommen. „Zen ist wie ein Bergführer zu verstehen. Den Weg gehen muss man schon selbst.“ Manchmal würde man den Berg, wem man unten steht, zuerst nicht sehen, weil er im Nebel steckt. Dann sollte man Vertrauen haben und einfach weitergehen – „so lange bis man ihn sieht“. Das, was die Menschen suchen, liegt seines Erachtens jenseits des Denkens und der Sprache. „Es gibt einen Unterschied zwischen Wissen und Weisheit. Denn Weisheit zielt auf etwas Absolutes ab, das jenseits des menschlichen Verstandes liegt. Mit Denken kommt man da nicht entscheidend weiter“, sagt Müller, der Anglistik, Romanistik und Film in München, London und Montpellier studiert hat. „Spannend wird’s erst, wenn das Denken aufhört.“ Meditation sei für ihn eine Möglichkeit, diesen Zustand des „endlosen Bewusstseins“ zu erreichen. „Ich habe inzwischen eine heitere Gelassenheit dem Leben gegenüber“, sagt der 67-Jährige, was sicherlich auch am Alter liegt, wie er einräumt.

Warum sich Ray Müller nun nach Krimis und Actionfilmen in ein völlig anderes Genre begeben hat, ist für ihn leicht zu erklären: „Ich habe immer etwas anderes gemacht und mich nie in Schubladen einordnen wollen.“ Seine beiden letzten Veröffentlichungen waren der Starnberg-Krimi „Tote Hose“ (wir berichteten) sowie der erotische Roman „Y – Im Labyrinth der Sinne“. Ray Müller schrieb hier unter dem Pseudonym Aylin Ashley und sagt dazu: „Die Schwierigkeit und Herausforderung bei diesem Genre liegt in der Sprache. Man hat nur ein begrenztes Vokabular, will aber keine medizinischen und schon gar keine vulgären Wörter benutzen, muss also wirklich kreativ sein. Nur wenn die erotischen Szenen liebevoll beziehungsweise poetisch beschrieben sind, macht es Vergnügen, sie zu lesen.“ 

Ungewöhnlich ist dabei, dass Müller aus der Perspektive einer Frau erzählt: Aylin, eine junge Araberin, lernt in London einen „Meister der Verführung“ kennen. Der raffinierte Charmeur verführt sie mit seiner Kochkunst. Jede der sinnlichen Lektionen ist einem exotischen Gericht gewidmet, bei dem die Schülerin in die Feinheiten erotischer Kultur eingeführt wird. Schon bald entwickelt sie sich selbst zu einer Meisterin der Liebeskunst und wird ihrem Lehrer ebenbürtig. Ob es sich hierbei um autobiografisches Material handelt, lässt der geschätzte Autor aber offen.

Roswitha Diemer


Info

Das Buch „Das Lächeln des Sisyphos – Vom Wissen zur Weisheit“ ist im Wissens-Verlag (Grünwald) erschienen. 256 Seiten, 24,99 Euro, ISBN: 978-3-8312-0426-7.

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