+
Bis zu 50 Kilometer legen Jungwölfe am Tag zurück. Gut möglich, dass der am 1. April in St. Heinrich aufgetauchte Wolf längst über alle Berge ist.

Der Wolf im Landkreis 

„Einzeltier auf der Durchreise“

  • schließen

Ein Wolf hat Anfang April in St. Heinrich vier Schafe gerissen. Die Behörden haben für einen solchen Fall einen Plan in der Schublade.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es war ein Wolf, der in der Nacht auf den 1. April in der Nähe von St. Heinrich vier Schafe gerissen hat. Das hat eine Speichelprobe an einer Bissstelle eindeutig ergeben. Was für viele Landwirte ein Schock ist, ist für die Behörden Anlass zu planmäßigem Handeln. Wie dies abläuft, erläuterte Wolfgang Berger, Wolfsexperte des Landesamts für Umwelt in Augsburg, kürzlich im Landratsamt.

Maßgeblich ist die Tatsache, dass es nur diesen einen Befund gibt. Seit dem 1. April – also seit mehr als drei Wochen – wurde der Wolf nicht mehr gesehen, geschweige denn, dass er noch einmal zugeschlagen hat. Daher geht Berger davon aus, dass es sich um einen Einzelwolf auf Wanderschaft handelt. Im Normalfall sind es Jungwölfe im dritten Lebensjahr, die auf Partnersuche täglich bis zu 50 Kilometer zurücklegen.

„Es ist ein Tier, von dem wir nicht mit letzter Sicherheit sagen können, wie es sich verhält“, erklärt Berger. Mit anderen Worten: Es kann durchaus sein, dass der Wolf noch irgendwo durch die Gebiete zwischen Isar und Loisach streift. Mehr spricht allerdings dafür, dass er weitergezogen ist. Möglicherweise ist er auch schon über alle Berge.

Im Landkreis gilt seit dem positiven DNA-Nachweis die Management-Plan-Stufe eins für ein Einzeltier auf Durchreise. Stufe zwei ist standorttreuen Tieren vorbehalten, von denen in Bayern nur zwei nachgewiesen sind, in Grafenwöhr sowie im Bayerischen Wald. Erst bei einem Rudel tritt Stufe drei in Kraft. In ganz Deutschland gibt es laut Berger 46 Rudel,15 Paare und vier bestätigte standorttreue Einzeltiere. Der Wolf ist seit 1996 in Deutschland wieder heimisch.

Wer Hinweise darauf hat, dass der Wolf sich im Landkreis aufhält, wird gebeten, sich an die örtliche Polizeiinspektion oder an die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt zu wenden. Diese informiert dann umgehend die Mitglieder des so genannten Netzwerks „Große Beutegreifer“. Zu den großen Beutegreifern zählen neben dem Wolf auch noch Luchs und Bär. Bei dem Netzwerk handelt es sich um eine Arbeits- und Steuerungsgruppe, die das Umweltministerium 2006 eingerichtet hat. Darin sind bayernweit rund 150 überwiegend Ehrenamtliche organisiert, darunter Jäger, Förster, Landwirte und Vertreter des Naturschutzes.

Betroffene Landwirte werden entschädigt

Landwirte, deren Nutztiere Opfer von Wolf, Luchs oder Bär werden, erhalten Kompensationszahlungen. Zu diesem Zweck wurde 2008 der Ausgleichsfonds „Große Beutegreifer“ eingerichtet. Daraus werden Schäden an Nutztieren, Gegenständen, Tierarztkosten und der mit einem Riss verbundene Arbeitsaufwand des Landwirts ausgeglichen. „Voraussetzung für eine Ausschüttung ist eine eingehende Dokumentation des Fundes“, so Berger. Auch der Halter der Schafe von St. Heinrich hat eine Zahlung erhalten – je nach Alter und Geschlecht zwischen 120 und 250 Euro pro Tier. Auch habe er von dem Angebot, Schutzzäune zu leihen, Gebrauch gemacht. „Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich alles getan“, so Berger.

Infos im Internet:

www.lfu.bayern.de, im Reiter „Natur“, Unterpunkt „Wildtiermanagement Große Beutegreifer“.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Achtung Hundebesitzer: Wolfratshauser Fuchs hat Staupe
Bei einem Wolfratshauser Fuchs wurde Staupe nachgewiesen. Hundebesitzer sollten die Impfpässe ihrer Hunde überprüfen.
Achtung Hundebesitzer: Wolfratshauser Fuchs hat Staupe
Rote Karte für Störenfriede und Schläger
Nach Magenschwinger im B-Klassen-Derby: Ickings Vorstand Thomas Scheifl greift hart durch, Weidachs Chef Stefan Meyer begrüßt „null Toleranz“
Rote Karte für Störenfriede und Schläger
Schweißtreibende Troad-Mahd
Erstmals nach zehn Jahren veranstalteten die Oldtimerfreunde Endlhausen an Mariä Himmelfahrt wieder eine Troad-Mahd. Ihre Nervosität im Vorfeld war unbegründet.
Schweißtreibende Troad-Mahd
Versuchter Einbruch am helllichten Tag?
Mitten am Vormittag soll ein Unbekannter versucht haben, in ein Einfamilienhaus an der Angerstraße einzubrechen. Das stellte sich im Nachhinein als Irrtum heraus. 
Versuchter Einbruch am helllichten Tag?

Kommentare