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Die Braut 2018: (v. li.) AELF-Bereichsleiter Christian Webert, WBV-Geschäftsführer Gerhard Penninger, Platzwart Peter Melf und (unten) Brautvater Christian Pirchmoser aus Tirol nehmen den wertvollen Ahornstamm in ihre Mitte. 

20. Wertholz-Submission

Erfreuliche Brautschau

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Zum 20. Mal wurden in St. Heinrich  Holzstämme versteigert. Der wertvollste kam aus Tirol, der teuerste aus dem Landkreis Ebersberg.

St. Heinrich– Warum die Braut so heißt, wie sie heißt, kann beim offiziellen Präsentationstermin auf dem Parkplatz des Erholungsgebiets in Ambach keiner der anwesenden Experten beantworten. Weder der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Holzkirchen, Gerhard Penninger, noch Förster Peter Melf, noch Christian Webert, Bereichsleiter Forsten im Grünen Zentrum Holzkirchen. Letzterer hat immerhin eine Antwort auf der Pfanne, die er von einem seiner Forstwirtschafts-Schüler hörte: Alles mit dem Umlaut „au“ sei teuer, habe der junge Mann gewitzelt. „Haus, Auto, Frau – und eine Braut.“

Die Braut, das ist jener Stamm, der auf der 20. Oberland-Wertholzsubmission das höchste Gebot erzielte. Der wunderschöne, makellose Ahorn mit einem Volumen von 1,14 Kubikmetern brachte seinem Tiroler Besitzer 1814 Euro (1550 Euro/Kubikmeter) ein. Teuerster Stamm war allerdings eine Eiche aus dem Bereich der WBV Ebersberg: Für das Prachtstück mit einem Volumen von 4,25 Kubikmetern blätterte ein Furnierwerk 2792 Euro hin.

Unter der Federführung der WBV Holzkirchen und unterstützt vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen kommen in jedem Jahr am ersten Februar-Donnerstag besonders wertvolle Laub- und Nadelholzstämme zur Versteigerung. Die erfolgt schriftlich. Interessenten können sich zuvor die auf dem Submissionsplatz in Ambach ab Mitte Dezember ausgestellten Stämme ansehen und ein Gebot abgeben. 38 taten dies heuer, 32 von ihnen erhielten einen Zuschlag. Platzmeister Peter Melf kümmert sich darum, dass das Holz angeliefert und verkaufsfördernd gelagert wird. „Heuer lagen die kuriosesten Stämme in der ersten Reihe“, sagt der 55-Jährige. Da Melf in der Nähe wohnt, ist er schnell zur Stelle, um potenzielle Käufer über den Platz führen zu können.

Sechs forstliche Zusammenschlüsse aus Oberbayern und Tirol, vier staatliche Forstbetriebe, die städtische Forstverwaltung München, das Forstinspektorat Bozen sowie die Erzbischöfliche Finanzkammer München lieferten in diesem Jahr 593 Kubikmeter (2017: 684) Holz an den Starnberger See. „Das ist in etwa die Menge, die wir unseren Kunden nachhaltig jährlich anbieten können“, sagt Gerhard Penninger. Drei Submissionskriterien gebe es: „Ein Stamm muss stark sein, er muss Qualität haben und besonders sein.“ Dann habe er beste Chancen, einen guten Preis zu erzielen.

Natürlich geht der Geschäftsführer der WBV Holzkirchen auch auf das 20-jährige Jubiläum ein. Er erinnert an das Jahr 2015, nach dem die Fortführung der Wertholzversteigerung auf der Kippe stand. Damals hatten Waldbauern und Forstbetriebe lediglich 255 Festmeter zur Preisschau angeliefert – kein Wert, mit dem sich rentabel arbeiten lässt. An diesem Punkt, so Penninger, „haben wir uns die große Frage gestellt: Sein oder nicht sein?“ Aus der folgenden Krisensitzung fassten alle Beteiligten den Beschluss, weiterzumachen. „Und es hat sich gelohnt.“

Ohne die Versteigerung hatte ein privater Waldbesitzer bis vor 20 Jahren kaum eine Chance, für einen attraktiven Laubholzstamm sehr gutes Geld zu kassieren. „Beim nächsten Sagler wäre für diesen schönen Bergahorn bei maximal 600 Euro Feierabend“, sagt Penninger. „Die Wertschöpfung für diesen Furnierstamm“, so der Geschäftsführer weiter, läge beim Sägewerksbesitzer und beim Händler, der ihn dann verkauft. Beim Waldbesitzer selbst würde sie nicht ankommen.

Allerdings bietet die Submission keine Garantie, dass tatsächlich jeder Stamm einen Abnehmer findet. Wie vieles unterliegt das Holz der Mode. „Aktuell wird die Eiche stark nachgefragt“, sagt Christian Webert und erinnert lächelnd an die dunklen Schrankwände der 1970er Jahre. Vor einigen Jahren habe der Markt vor allem nach Erle verlangt. „Die geht zurzeit kaum noch weg.“ Wie das halt im richtigen Leben so ist: Nicht aus jedem hübschen Mädchen wird auch eine Braut.

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