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490 Jahre alt ist der Einfirsthof „Eierwastl“ in Degerndorf. Dank der Familie Noppes ist daraus ein Schmuckstück geworden. Sie hat das verfallene Gebäude von Grund auf restauriert und daraus ein modernes Wohnhaus gemacht.

„Eierwastl“ gerettet 

Familie Noppes rettet den „Eierwastl“

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Wäre Familie Noppes nicht gewesen, wäre der 490 Jahre alte „Eierwastl“ einfach verfallen. Die Denkmalschützer haben ihn saniert und nun dafür den Gabriel-von-Max-Denkmalpreis vom Ostuferschutzverband bekommen.

Münsing/Degerndorf– Zum vierten Mal hat der Ostuferschutzverband (OSV) den Gabriel-von-Max-Denkmalpreis ausgelobt. Im feierlichen Rahmen im Gasthaus Berg bei Eurasburg übergab Vorsitzende Ursula Skriba der Familie Noppes die von Künstler Ernst Grünwald gestaltete Bronze-Skulptur. Sie stellt einen sitzenden Affen dar, der fürsorglich die Villa Max am Starnberger See im Schoß hält und somit symbolhaft mahnt, wie man mit historischen Bauwerken nicht umgehen sollte.

Das Schicksal des langsamen Verfalls ist dem 490 Jahre alten „Eierwastl“ dank der Noppes erspart geblieben. Der für die Region Oberbayern typische Einfirsthof wurde vorbildlich in fachgerechter Sanierung wieder bewohnbar gemacht. Heute erkennt man das Anwesen in der Ortsmitte von Degerndorf an seinen himmelblauen Fensterläden, seiner wunderschön geschnitzten Sternhaustür und dem Glockentürmchen oben am Dach.

Vater war ein Architekt aus dem Sudetenland

Schon als Fritz Noppes mit seiner Familie 1976 von Geretsried nach Degerndorf in einen Neubau zog, war ihm klar: „Wenn’s den alten ’Eierwastl’ nebenan einmal verkaufen, dann will ich ihn haben.“ Der gelernte Bauingenieur, dessen Vater ein Architekt aus dem Sudetenland war, weiß den Wert historischer Gebäude zu schätzen und setzt sich vor allem für den Erhalt des Ortsbildes ein. „Das lag mir schon bei unserem Neubau nahe“, erklärt der heute 78-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. 2006 war es dann soweit. Die Erbengemeinschaft veräußerte den Hof und Noppes schlug zu. In nur gut einem Jahr wurde der „Eierwastl“ von Grund auf und in unglaublicher Feinstarbeit von hiesigen Handwerkern restauriert. Erst nach dem Abschlagen des alten Putzes sei das ganze Ausmaß der Misere sichtbar geworden, erinnert sich Noppes. Im Blaumann war der Bauherr selbst täglich bei den Arbeiten dabei. 490 Jahre hatten Holzwürmer und Schwamm im „Eierwastl“ gehaust und bröckelndes Mauerwerk, morsche Holzbalken und durchbohrte Dielenblanken hinterlassen.

Schmuckstück mit modernster Wohntechnologie

So mussten das Fundament abgestützt, Stützwände hochgezogen, Mauerwerk abgetragen und neu aufgebaut werden. Lerchenholz aus Sachsen wurde geholt und der desolate Kachelofen wieder funktionstüchtig gemacht. Die alte Stern-Haustür legte man in einem Biersud ein, um sie von den Farbschichten zu befreien. Heute ist der „Eierwastl“ ein Schmuckstück mit modernster Wohntechnologie.

Der Gewinner des Gabriel-von-Max-Denkmalpreises wird von einer Jury ausgewählt und nach vorbildlicher Handwerksarbeit und Nachhaltigkeit in der Bestandspflege bewertet. Deshalb sei jetzt nach zehn Jahren der richtige Moment für die Preisverleihung gekommen, erklärte Vereinsvorsitzende Skriba.

Der Osteruferschutzverband würdigte das Engagement  mit der Verleihung des Grabriel-von-Max-Denkmalpreises. Das Foto zeigt (v. li.) Fritz Noppes, Schwiegertochter Michaela, Sohn Stephan und Ehefrau Ines sowie die Verbandsvorsitzende Ursula Skriba.

Kreisheimatpflegerin Maria Mannes äußerte ihren Respekt für den OSV: „Ich kenne keinen Verein, der so einen Preis verleiht und damit zeigt, dass Denkmäler schützenswert sind.“ Besonderen Dank und hohe Anerkennung „solcher Wertschätzung für den Erhalt historischer Gebäude“ zollte auch Bürgermeister Michael Grasl der Familie Noppes. Heute wolle jeder um jeden Preis einen Neubau. Für Grasl aber ist „ein Haus ohne Dachüberstand, wie ein Hut ohne Krempe“.

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