Während eines Gewitters

Familie sucht am Ambacher Kiosk Zuflucht - Besitzer weist sie ab

Weil sie in ein heftiges Gewitter gerieten, wollte sich eine Familie aus Tutzing am Kleinen Kiosk in Ambach unterstellen. Doch aus einem Grund wies sie der Besitzer ab.

Ambach – „Ambachs Kleiner Kiosk“ direkt an der Seeuferstraße ist beliebt bei Einheimischen, Stammgästen und Ausflüglern. Auf der Terrasse und im Ladeninneren kann man Getränke, Eis, frisch zubereitete Snacks und selbst gemachte Kuchen genießen. Besonders kinderfreundlich scheinen die Pächter Gabi und Willi Hoffmann jedoch nicht zu sein. Jedenfalls hat eine Mutter aus Tutzing (41) schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht.

Gewitter mit Starkregen, Wind und Donner 

Ihr Erlebnis schildert die gebürtige Starnbergerin und Mutter von knapp dreijährigen Zwillingen gegenüber unserer Zeitung. Sie hatte Besuch von einer Familie aus Dessau mit Kindern im Alter von vier, sieben und 21 Jahren. Vergangenen Donnerstag fuhr die Gruppe mit dem Schiff ans Ostufer nach Ambach, um dort zu baden. Plötzlich überraschte sie ein Gewitter mit Starkregen, Wind und Donner. Das war gegen 14.30 Uhr. Das nächste Schiff nach Tutzing ging aber erst um 16 Uhr. „Mit vier kleinen Kindern konnten wir diese Zeit unter dem Hausvorsprung an der Dampferanlegestelle aber schlecht verbringen“, sagt die Tutzingerin.

Die Gastwirtschaft „Zum Fischmeister“ am Steg macht unter der Woche erst um 17 Uhr auf. Daher wollte die Gruppe in den kleinen Kiosk nebenan flüchten, mit der Absicht, auch einiges zu verzehren. Doch der Besitzer verweigerte den Müttern mit den beiden Kinderwagen den Zutritt. Laut der Tutzingerin hat er sich vor ihr aufgebaut und „Raus!“ gebrüllt. Die 41-Jährige fragte ihn, warum. Sein kleiner Gastraum sei voll, lautete die Antwort. „Das entsprach nicht ganz der Wahrheit, denn es saßen nur drei Personen an den Tischen und im hinteren Teil wäre noch ausreichend Platz gewesen“, sagt die Frau. Das barsche Verhalten des Kioskbetreibers sei ihr vor ihren Gästen unbeschreiblich peinlich gewesen. Die hätten es auch nur mit einem verständnislosen Kopfschütteln quittiert. Man sei enttäuscht abgezogen.

Kinderwagen dürfen nicht rein

Willi Hoffmann bestätigt den Vorfall im Gespräch mit unserer Zeitung, weist jedoch auf die beengte Situation in seinem Bistro hin. Kinderwagen – in dem Fall auch noch ein sperriger Zwillingswagen – dürften bei ihm prinzipiell nicht rein, sagt er. Seine Frau habe die Gäste noch bitten wollen, die Buggys draußen auf der überdachten Terrasse abzustellen. „Aber die waren ja schon halb drin. Da war ich dann stur“, erklärt Hoffmann. Für die Mutter wäre es doch überhaupt kein Problem gewesen, die Kinderwagen draußen zu lassen, sagt sie im Nachhinein.

Der Nachmittag nahm aber noch ein glückliches Ende für die zwei Familien. Sie klopften in ihrer Not beim Fischmeister an die Tür. Eine Bedienung ließ sie herein und verkaufte ihnen, obwohl noch nicht geöffnet war, etwas zu trinken. „Wir durften sogar unsere mitgebrachte Brotzeit auspacken“, berichtet die Mutter. Um 16 Uhr nahm die Gruppe wie geplant den Dampfer zurück nach Hause, froh, doch noch auf Gastfreundschaft und Kinderfreundlichkeit am Ostufer gestoßen zu sein.

Tanja Lühr

Rubriklistenbild: © dpa

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