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Trister Anblick: Im April 2012 ließ ein Münchner Unternehmer zahlreiche Bäume fällen, ein Sturm tat sein Übriges. Die Sache beschäftigte jetzt die Justiz erneut. 

Freispruch aus Mangel an Beweisen

Kahlschlag in Münsing: Landgericht hebt Urteil auf

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Münsing – Ein Haus am Starnberger See: Diesen Traum erfüllte sich ein Bauunternehmer (63) Ende 2011 in Münsing. Seine Neuerwerbung hatte nur einen Fehler: Der nahe Wald raubte dem Haus das Licht. „Die Südseite war komplett vermoost“, sagte er. Deshalb wollte er den Wald „auslichten“. Das Auslichten geriet allerdings zum Kahlschlag, erregte den Unmut vieler Bürger - und wurde ein Fall für die Justiz.

Das Amtsgericht Wolfratshausen verurteilte den Ingenieur im Februar 2015 wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 5000 Euro. Der ist sich allerdings keiner Schuld bewusst – und legte Berufung ein. Nun verhandelte das Landgericht München II den Fall noch einmal.

Das Amtsgericht kam zu dem Ergebnis, dass der Bauunternehmer den Wald ohne Zustimmung fällen ließ. Zwar gab es eine schriftliche Zustimmung der Eigentümerin eines der beiden Waldgrundstücke. Der Besitzer des zweiten Grundstücks, der inzwischen verstorben ist, habe aber niemals eingewilligt, so die Argumentation des Amtsgerichts.

Der angeklagte Bauunternehmer erklärte sich vor dem Landgericht ausführlich. „Ich wollte den Wald so weit wie möglich beseitigen“, sagte er. „Aber ich wollte auch mit allen in Frieden leben.“ Deshalb ging er zum Bürgermeister, der ihn an die Forstbehörde verwies. Der zuständige Forstbeamte habe ihm erklärt, dass der Wald „überständig“ und „erntereif“ sei. Eigentlich sei ein Kahlschlag möglich, aber die Öffentlichkeit sei da empfindlich, soll er gesagt haben. Deshalb hätten sie sich darauf geeinigt, dass der Beamte Bäume markiere. Dem widersprach der Fachmann in seiner Aussage: „Ich habe nie gesagt: „Hauen Sie alles weg.“ Wenigstens der Sturmschutzwald hätte bleiben müssen.

Nun kümmerte sich der Bauunternehmer nach eigener Darstellung um die Zustimmung der beiden Waldbesitzer. Mit einer Apothekerin aus Würzburg schloss er die Vereinbarung, dass er den Wald „auslichten“ dürfe. Bei dem zweiten Eigentümer, einem 90 Jahre alten Juristen aus München, war die Sache schwieriger. „Ich habe ihn dreimal besucht, denn der wollte nicht so richtig. Er war schon 90 und deutlich reduziert.“ Beim dritten Mal sei schließlich seine Frau (48) dabei gewesen, erzählte der Bauunternehmer. Bei diesem Besuch habe der Senior dann mündlich zugestimmt: „Gut, wenn ich das Geld vom Holzverkauf kriege, könnt Ihr es machen.“

Der Ingenieur gab den Auftrag zum Fällen der Bäume. Dann verabschiedete er sich auf eine wochenlange Segeltörn von Südafrika nach Südamerika. Alles, was währenddessen daheim am Starnberger See passierte, kennt er angeblich nur aus Erzählungen. Man habe ihm geschildert, dass die Bäume wie markiert gefällt wurden. Dann habe es aber einen Riesen-Sturm gegeben, der einzeln stehende Bäume umfegte und auf die Straße schleuderte. „Es gab dann den üblichen Aufruhr, Presse und alles.“ Es tue ihm leid, dass die Sache „in dieser Weise eskaliert“ sei, sagte er in seinem letzten Wort.

Die Vorsitzende Richterin hörte mehrere Zeugen zu dem Vorfall. Und kam dann zum Ergebnis: Freispruch. „Die Frage ist: Was ist beweisbar?“, sagte die Richterin. „Es reicht in keiner Weise aus, um einen Tatnachweis zu führen.“ Den verstorbenen Waldbesitzer könne man selbst nicht mehr fragen, wie es war. Und die einzige Zeugin der Gespräche, die Frau des Angeklagten, bestätigte die Zustimmung des Seniors. „Der ältere Herr ist wohl schon über den Tisch gezogen worden“, sagte die Richterin. „Aber das ist so nicht strafbar, es bleibt nur ein unschöner Beigeschmack.“

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