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Gabriel von Max mit einem seiner geliebten Affen. Mit Bildern der Tiere verdiente der Maler sehr viel Geld. 

Faust-Festival in München

Gabriel von Max und seine Goethe-Illustrationen

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München/Münsing - Mit dem Namen Gabriel von Max verbinden viele jene denkmalgeschützte Villa im Ammerland, die seit Jahrzehnten verfällt. Dass der Mann ein Künstler von Rang war - davon kann man sich derzeit beim Faust-Festival in München überzeugen. 

München huldigt dem „Faust“. Noch bis Juli läuft ein Festival, wie es die Stadt noch nicht gesehen hat. Im Mittelpunkt: Goethes großes Drama, das wohl wichtigste oder zumindest bekannteste Werk der deutschen Literatur. In einer schier unüberschaubaren Anzahl an Veranstaltungen wird der Gelehrte, der sich dem Teufel verschreibt, als Prototyp des modernen Menschen dargestellt, unruhig, getrieben, rastlos. Die Ausstellung „Du bist Faust!“ in der Kunsthalle München an der Theatinerstraße zeigt, wie der „Faust“ Eingang in die Kunst gefunden hat. Drei der ausgestellten Bilder stammen von Gabriel von Max: „Mephisto in Fausts Kleidern“ (1869), „Gretchen in der Walpurgisnacht“ (um 1875) und „Die Kindsmörderin“ (1877). Sie wurden aus ganz Deutschland zusammengetragen, sodass man sie jetzt alle zusammen sehen kann.

Max bewunderte Darwin und liebte Goethe

Gabriel von Max ist das, was man eine schillernde Figur nennt. Er malte Bilder, die die Zeitgenossen elektrisierten, etwa die „Märtyerin am Kreuz“ von 1867, das wohl bekannteste Beispiel seiner berühmten „Seelenmalerei“. Er war ein früher Anhänger Darwins und dessen umkämpften Evolutionstheorie und hatte Riesenerfolge mit Affenbildern. Das Geld, das er damit erwirtschaftete, steckte er in eine gigantische, 60 000 Objekte umfassende Sammlung, vor allem bestehend aus prähistorischen Schädeln von Mensch und Tier. Und: Ab etwa 1900 wohnte er am Starnberger See, in jener 1871 errichteten Villa, die seit vielen Jahren dem Verfall preisgegeben ist.

Für eine Prachtausgabe fertigte Max Vorarbeiten an

Die Kralle des Teufels: Gabriel von Max’ Bild „Mephisto in Fausts Kleidern“ (1869) zeigt, wie sehr der Gelehrte und der Teufel schon miteinander verschmolzen sind. Die Tragödie kann ihren Lauf nehmen.

Zeit seines Lebens war der Maler ein bekennender Verehrer des Weimarer Dichters. „Ich bewundere Göthes okkultistisches Wissen, seine Geschicklichkeit im Schreiben und im Innern anders zu denken, seine Keckheit und Missachtung der Leute. Poetisch zu sein traf er auch“, schreibt er einmal. Eine besondere Stellung nahm für den gebürtigen Prager – wie für fast alle Zeitgenossen – der „Faust“ ein, vor allem der 1808 erschienene erste Teil der Tragödie. Ende der 1860er Jahre erhielt Gabriel von Max den Auftrag, eine Prachtausgabe zu illustrieren, wie sie für die damalige Zeit typisch war. Doch die – insgesamt 60 – Zeichnungen, die er anfertigte, waren dem Berliner Verleger Grote nicht prächtig genug. Zu wenig Pomp, zu wenig vaterländisch, zu wenige historische Details: Das waren die Einwände gegen die Illustrationen des eigenwilligen Künstlers. Das Projekt zerschlug sich.

Max zeigt, wie Faust und Mephisto verschmelzen

Düstere Vision: „Gretchen in der Walpurgisnacht“ (1875). Diese Erscheinung hat Faust auf einem Hexensabbat.

Immerhin gingen aus diesen Arbeiten teilweise jene Bilder hervor, die heute in München zu sehen, besser: zu bewundern sind. Da wäre einmal das Bild „Mephisto in Fausts Mantel“ von 1869. Es zeigt, wie Teufel und Faust zu einer Figur verschmelzen. „Die linke Hand liegt, vom Umhang befreit, ruhig auf dem Schoß, während die rechte sich, zur Kralle geformt, unter dem Mantel hervorschiebt und dabei ein Stück des roten Ärmels sichtbar werden lässt“, heißt es im Ausstellungskatalog. Faust hat längst eine doppelte Identität. Die Tragödie kann ihren Lauf nehmen. Ebenso sehr wie der Faust beschäftigte den Maler dessen blutjunge Geliebte, das berühmte Gretchen. Bekanntlich bringt sie, von Faust verlassen, das gemeinsame Kind um und wird dafür zum Tode verurteilt wird – ein Schicksal, das damals häufig vorkam und das die Generation Goethes entsetzte. Das Bild „Gretchen in der Walpurgisnacht“ (um 1875) zeigt die Vision, die Faust während eines Hexensabbats in der Nacht auf den 1. Mai von seiner dem Tod geweihten Ex-Geliebten hat. Geisterhaft starr schaut sie aus, eine kleine Flamme auf dem Kopf, die Raben neben ihr verstärken die düstere Stimmung. Allgemeiner gehalten ist der Titel des Bildes „Die Kindsmörderin“ (1875). Es zeigt eine Frau in einer extrem seelischen Notlage, die verzweifelt und voller Liebe das von ihr soeben getötete Kind küsst. Genau dies ist der Fall von Gretchen – und der Kern der „Gretchentragödie“.

Nationalistischer Pomp war dem Maler völlig fremd

Vergleicht man von Max’ Illustrationen mit denen vieler Zeitgenossen, fällt auf, wie wenig er mit nationalistischem Pomp anfangen konnte. Nach der vorherrschenden Lesart war der „Faust“ ein Beweis dafür, dass die Deutschen anderen Nationen ebenbürtig, wenn nicht überlegen sind. Da machte Gabriel von Max nicht mit. Auch in dieser Hinsicht war er ein eigenwilliger Mann.

Infos

Die Ausstellung in der Kunsthalle dauert noch bis 29. Juli. Ein Aufsatz über Gabriel von Max und seine Faustillustrationen bietet der Ausstellungskatalog des Lenbachhauses „Gabriel von Max: Malerstar, Darwinist, Spiritist“ (2010). Infos zum Faustfestival im Internet unter www.faust.muenchen.de

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