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Kraft tanken, abschalten, die Früchte seiner Arbeit ernten: Regina Reitenhardt (li.) und Jutta Koblitz haben zusammen mit Anke Mai (nicht im Bild) und sieben weiteren engagierten Mitgliedern des Münsinger Gartenbauvereins das Projekt Gemeinschaftsgarten ins Leben gerufen.

Kollektives Säen und Ernten

Gartenbauverein Münsing betreibt Gardensharing

Der Gartenbauverein Münsing hat einen Gemeinschaftsgarten angelegt. 18 Mitglieder des Projekts haben auf einem Grundstück direkt am Vereinsstadl ihre Beete bepflanzt und fahren die erste Ernte ein.

Münsing – Ein dicker Hummelschwärmer steckt seine Fühler in eine Blüte der Kapuzinerkresse. Zucchini, Mangold und Blumenkohl warten darauf, im Kochtopf zu landen. Die Strauchtomaten brauchen noch ein paar Sonnentage. Von einer frisch gezimmerten Sitzbank im Schatten des Vereinsheims aus lässt sich die grüne und bunte Pracht bewundern.

Auf 500 Quadratmetern wächst alles, was das Gärtnerherz begehrt

Die Beete sind terrassenförmig in den Hang gebaut. Auf rund 500 Quadratmetern wächst hier alles, was das Gärtnerherz begehrt – von Kartoffeln über Salate und Kräuter bis zu Johannisbeeren. Zwischen den Spitzwegerichhalmen steckt ein Holzschild in der Erde. „Gegen Mücken- und Wespenstiche“, steht darauf. Andere Schildchen mit der Bitte „Gieß mich“ kann jeder Pächter an seinem Beet anbringen, wenn er einmal übers Wochenende wegfährt oder länger verreist. Andere Gemeinschaftsgärtner kümmern sich dann um die Pflanzen.

Regina Reitenhardt, zusammen mit Anke Mai Initiatorin des Projekts Gardensharing, atmet tief durch. Der Duft von Lavendel in der Luft und die Ruhe auf dem herrlichen Flecken sind für sie „eine wahre Kraftquelle“, sagt die Vorsitzende des 195 Mitglieder zählenden Münsinger Gartenbauvereins. Viel Kraft und Schweiß hat es jedoch zunächst einmal gekostet, das kleine Paradies anzulegen. Die Vorbereitungen reichen eineinhalb Jahre zurück.

Anregungen aus Salzburg und Tirol

Im Februar 2016 wurde die Idee geboren. Anregungen holte sich die Arbeitsgruppe Gemeinschaftsgarten bei zwei befreundeten Gartenbauvereinen in Salzburg und Tirol. Zwei zunächst ausgewählte Grundstücke mussten wieder verworfen werden. Beim dritten, dem eigentlich naheliegendsten direkt am Vereinsheim, klappte es.

Der Hang hinter dem Stadl am Schlichtfeld gehört der Gemeinde, die ihn gerne für die gute Sache zur Verfügung stellte. Jedoch war die Wiese überwuchert von Neophyten, Brennnesseln und Brombeersträuchern. Nach dem Jäten und Mähen mussten die Gartler zudem feststellen, dass im Boden wegen der benachbarten Kiesgrube etliche Steine lagen, die sie mühsam herausklaubten. Die Männer modellierten das Gelände und stützten mit Brettern die 18 Beete ab, damit diese nicht abrutschen. Beste ökologische Muttererde wurde verteilt, als Dünger diente abgelagerter Pferdemist. Im Herbst 2016 setzte jeder seine ersten Samen ein. „Wir verwenden nach Möglichkeit nur Saatgut in Bio-Qualität“, erklärt Reitenhardt.

Kohlrabi oder Unkraut? 

Wie spannend war das, als im Frühling dieses Jahres die ersten Pflanzenblättchen aus der Erde spitzten. „Ist das jetzt mein Kohlrabi oder ist es nur Unkraut?“, fragte sich Jutta Koblitz. Die Vereinsschriftführerin ist eine der 18 Beetbesitzer, die für 1,50 Euro pro Quadratmeter Jahresbeitrag eine Parzelle gepachtet haben. Zuvor hatte Koblitz nur Kräuter auf ihrem Balkon gezogen. Seit heuer sammelt sie im Gemeinschaftsgarten ganz neue Erfahrungen – mit Kartoffeln, Radieschen und Zucchini. Und sie verfügt offenbar über den grünen Daumen: Ihre Zucchini sprießen nur so.

Wie Koblitz sind viele zum Gemeinschaftsgärtnern gekommen, weil sie keinen eigenen Garten haben. Auch auf dem Land ist es heute keineswegs mehr selbstverständlich, über ein Haus mit Grund ringsherum zu verfügen. 15 Mitglieder stammen aus der Großgemeinde Münsing, zwei aus Wolfratshausen und eines aus Geretsried.

Anfänger erhalten wertvolle Tipps

Die Vorteile des kollektiv betriebenen Obst- und Gemüseanbaus sind zahlreich. Man erhält gerade als Anfänger wertvolle Tipps von erfahrenen Gärtnern wie etwa dem ältesten Projektmitglied Günter Mai und von Demeter-Bäuerin Christine Mair. Man geht seinem Hobby zusammen mit Gleichgesinnten nach und genießt das gesellige Beisammensein. Die Kinder und Jugendlichen im Verein werden an die Gartenarbeit herangeführt.

Nur Regina Reitenhardts ursprüngliche Intention, den Asylbewerbern in der Gemeinde eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung anzubieten, ging nicht auf. Zwar haben einige Flüchtlinge gemeinsam mit ihr eine Kartoffelpyramide gebaut. Die regelmäßige Pflege sei jedoch nicht so sehr Sache ihrer Schützlinge gewesen, sagt die Vereinschefin, die als Sozialreferentin des Gemeinderats die ehrenamtliche Asylhilfe in Münsing koordiniert.

Regeln erleichtern das Zusammenspiel

Damit das Zusammenspiel beim Gemeinschaftsgärtnern funktioniert, sind einige Regeln einzuhalten. Pestizide und Schneckenkorn sind tabu. Das in zwei Tonnen gesammelte Regenwasser ist sparsam zu verwenden. Auf dem Kompost landet nur, was dorthin gehört. An bestimmten Tagen pflegen alle das nähere Umfeld der Anlage.

Pläne haben Regina Reitenhardt und Jutta Koblitz noch genügend für ihren Garten Eden. Sie können sich vorstellen, Wein anzubauen, „beste Münsinger Südlage“, wie Reitenhardt scherzt. Eine Erweiterung des Grundstücks wäre seitens der Gemeinde möglich, dann kämen die Interessenten auf der Warteliste auch zum Zug. Reitenhardt möchte mit dem Projekt auch andere Gartenbauvereine im Landkreis zur Nachahmung animieren. Ihrer Aussage nach ist der Münsinger der erste Verein zwischen Icking und Jachenau, der allen seinen Mitgliedern die Möglichkeit des kollektiven Säens und Erntens bietet.

Info

Der Gartenbauverein Münsing lädt für diesen Freitag, 4. August, zur Einweihung des Gemeinschaftsgartens ein. Die Feier am Vereinsstadl hinter dem Gewerbegebiet am Schlichtfeld beginnt um 19 Uhr. Für Essen und Trinken ist gesorgt. Eigenes Besteck, Geschirr und Gläser sind mitzubringen. Bei Regen findet das Fest in der Tenne der Familie Mair an der Lothgasse 5 statt. Anmeldung per E-Mail an regina.reitenhardt@gmx.de.

Tanja Lühr

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