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Kulturdemo mitten in Gelting: Der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) folgte dem Aufruf des Verbands für Pop-Kultur und machte am Dorfplatz auf die Lage der Kulturschaffenden in Bayern aufmerksam.

Keine Unterstützung in der Krise

Kulturdemo mitten in Gelting

  • vonPeter Herrmann
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Der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) und der Münsinger Singer-Songwriter Martin Ruhland vermissen politische Unterstützung in der Corona-Krise. Grund genug, eine Demo zu organisieren.

Gelting/Münsing – An gleich zwei Dorfplätzen im Nordlandkreis versammelten sich am Pfingstsonntag Kulturschaffende zu einer Demonstration. Der Verband für Pop-Kultur hatte freischaffende Solo-Selbstständige und Vereine in ganz Bayern dazu aufgerufen. In Gelting veranstaltete der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) am Vormittag eine Kundgebung mit musikalischen Darbietungen. Zwei Stunden später folgte eine „konzertierte Aktion“ im Münsinger Ortszentrum.

Mit Musik auf Stahlleitern machte die Münchner Formation The Drum!Power auf die Demonstration in Münsing aufmerksam.

Bei beiden Kulturdemos war der Aufwand angesichts strenger Corona-Sicherheitsvorgaben hoch. Der KIL hatte für die Kulturdemo ein Sicherheitskonzept erstellen und mit einem Gaffer-Tape Stehplätze am Boden markieren müssen. Da die Teilnehmerzahl auf 50 beschränkt war, musste man sich vorher anmelden. Einsatzkräfte der Polizei Geretsried kontrollierten, ob die Spielregeln eingehalten wurden.

Die Dauer der Veranstaltung war auf eine Stunde begrenzt, deswegen kam KIL-Vorsitzende Assunta Tammelleo in ihrer Ansprache sofort zur Sache. „Wir fordern die zum Überleben unerlässlichen Notbetriebskosten, weil wir längerfristig ein behördliches Arbeitsverbot haben“, so die Betreiberin der Kulturbühne Hinterhalt. Die Maßnahmen des vor kurzem von der Bayerischen Staatsregierung initiierten Künstlerhilfsprogramms würden bei Weitem nicht ausreichen. Publikumsveranstaltungen seien bis auf Weiteres nicht kostendeckend durchführbar.

Keine Unterstützung von der Lokalpolitik

Sie vermisse in der Corona-Krise die Unterstützung von Kommunalpolitikern, sagte Tammelleo. „Für uns ist es sehr entmutigend, dass niemand aus den Rathäusern der beiden Städte sich auch nur einmal nach uns erkundigt, vielleicht paar aufmunternde Zeilen geschickt oder gar angeregt hätte, dass man sich mal trifft, um vielleicht alternative Kulturformate gemeinsam zu entwickeln.“

Nach ihrer Rede überließ die KIL-Vorsitzende, die seit kurzem für die Grünen im Wolfratshauser Stadtrat sitzt, den Musikern die Bühne. „Wir haben Entzugserscheinungen“, gestand Sänger und Gitarrist Maxi Nachtmann. Er hat zwar mit seiner Band Bonny Tones eine „Quarantine Edition“ aufgenommen, die über die sozialen Netzwerke abrufbar ist. Und einmal ist die Band in der Livestream-Reihe der Kulturbühne Hinterhalt aufgetreten. Doch das Spielen vor Publikum mache dem jungen Rock’n‘Roll-Quartett deutlich mehr Spaß und generiere zudem mehr Einnahmen, sagte Nachtmann.

Bangen um die Existenz

Moritz Huber, Mitglied der Münsinger Band Tromposaund, kann das bestätigen. „Die heutige Demonstration ist überfällig: Bei uns ist fast das ganze kulturelle Dorfleben zum Erliegen gekommen“, klagte er am Geltinger Dorfplatz. Der Geretsrieder Gitarrist und Musiklehrer Titus Vollmer kritisierte, dass die in den Medien groß angekündigten Künstlerhilfen zu langsam bei den Betroffenen ankommen würden. „Viele Politiker schmücken sich gern mit der Kunst, verstehen aber nicht, wie sie funktioniert“, bedauerte Vollmer im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch der in der internationalen Jazz-Szene bekannte Trompeter Florian Sagner beteiligte sich an der Kulturdemo. „Ich kenne Künstler, die haben in diesen zwei bis drei Monaten fast alles verloren und müssen um ihre Existenz bangen“, berichtete er.

Als pünktlich mit dem Zwölfuhrläuten der Kirche St. Benedikt die Veranstaltung aufgelöst werden musste, machte sich Martin Ruhland sofort auf den Weg nach Münsing. Dort hatte der Singer-Songwriter eine Demonstration organisiert – zum ersten Mal in seinem Leben. Der Münsinger staunte nicht schlecht über das 15-seitige Auflagendokument, das er dabei zu beachten hatte. Mithilfe von Ordnern und ebenfalls unter Aufsicht von Einsatzkräften, diesmal von der Polizeiinspektion Wolfratshausen, meisterte aber auch er diese Herausforderung.

Wunsch nach Ausweitung der Soforthilfe

Ruhland wünscht sich neben der Lockerung von seiner Ansicht nach überzogenen Sicherheitsmaßnahmen auch eine Ausweitung der finanziellen Soforthilfe. „Techniker, Bühnenbauer und Roadies sind nicht in der Künstlersozialkasse (KSK) und dürfen daher keine Ansprüche geltend machen“, bedauerte er. Wie berichtet können Solo-Selbstständige, die in der KSK versichert sind, für den Zeitraum von drei Monaten eine Zahlung von 1000 Euro monatlich beantragen.

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Marlene Bernau, freischaffende Mentaltrainerin, hält dies für zu wenig und warb in Münsing für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Mit Auftritten der Münchner Formation The Drum!Power, die auf Stahlleitern musizierte, sowie Protestsongs von Hank Davison endete der Protesttag. „Solche Aktionen sollte man immer wieder machen“, befanden Tammelleo und Ruhland unisono.

ph

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