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Spektakulärer Plan: Die Guglmänner, ein Geheimbund von Ludwig II-Verehrern, will das Konterfei des Monarchen in die Kampenwand meißeln lassen. Unser Bild zeigt die Postkarte, mit der die Dunkelmänner für ihr Projekt Werbung werben.

Vorstoß der Ludwig II.-Verehrer

Guglmänner fordern Wahrzeichen für den Kini

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Die Guglmänner verehren ihren Kini maßlos. Ihr neuester Vorstoß: Das Bild des geliebten Monarchen soll in die Kampenwand gemeißelt werden. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wenn um den Todestag von Ludwig II. herum alljährlich die Königstreuen an der Votivkapelle in Berg zusammenkommen, tauchen auch vermummte Gestalten auf: die „Guglmänner Seiner Majestät“. Seit der Beisetzung des Märchenkönigs beharren sie auf der Behauptung: Der Kini ist an jenem verhängnisvollen 13. Juni 1886 nicht ertrunken, wie es offiziell heißt, sondern wurde von den Handlangern Bismarck-Preußens heimtückisch erschossen. Jetzt will der Geheimbund an die Verdienste des Wittelsbachers mit einem spektakulären Plan erinnern. An der Kampenwand im Chiemgau soll dessen Konterfei großflächig in den Fels gehauen werden.

Ein Münsinger erläutert das Ansinnen der Guglmänner 

Wenn ein Geheimbund an die Öffentlichkeit tritt, braucht er einen Vermittler. Das ist in diesem Fall Hans-Peter Huber (30) aus Münsing, der sich aus seiner Verehrung für das Haus Wittelsbach keinen Hehl macht. „Man ist an mich herangetreten“, sagt er geheimnisvoll. Ob er selber ein Guglmann ist, verrät er nicht. Aber er teilt ihre Grundansichten: Für ihn ist Ludwig II ein tragischer Held, der sich vergeblich gegen die Militarisierung Deutschlands durch die Preußen gestemmt hat. „Er wollte nur, dass sein Volk Ruhe hat. Aber das wollten die anderen nicht“, sagt er. Außerdem sei Ludwig ein moderner Mann gewesen, der in Schloss Neuschwanstein „Homeoffice“ gemacht habe. „Und den Tourismus hat er durch den Bau seiner Schlösser sowieso angekurbelt wie kein Zweiter.“

Vorbild ist Mount Rushmore in den USA

Womit wir wieder bei der Kampenwand wären, der Aussichtskanzel über dem Chiemsee, wo sich bekanntlich viele Besucher tummeln. Oben steht ein Kreuz für die bayerischen Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Diese Kriege sind aus Sicht der Geheimbündler eine Folge der aggressiven preußischen Politik gewesen, die Ludwig verabscheut habe. „Der perfekte Platz für das Bild unseres friedliebenden Monarchen“, findet Huber.

Hans-Peter Huber, Königstreuer aus Holzhausen. 

Vorbild für das Kampenwand-Projekt ist Mount Rushmore in den USA, wo die Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln in Fels geklopft wurden. „So ähnlich wünschen sich die Guglmänner das auch“, so Huber. Die Postkarte, die die Dunklmänner in Handarbeit (also mit Schere statt Photoshop) angefertigt haben, führt ein wenig in die Irre, weil hier der Kopf aus Metall besteht. „Ich bin sicher, da finden sich Künstler, die gerne zum Meißel greifen“, erklärt der königstreue Holzhauser. Persönlich würde er sich wünschen, dass ein bayerischer Erfinder einen permanenten künstlichen Regenbogen entwirft.

Im Chiemgau hält man den Vorstoß für einen Aprilscherz

Mount Rushmore ist das Vorbild für den kühnen Plan der Guglmänner. 

Noch steht der Geheimbund mit seinem Plan ganz am Anfang. Auf der Postkarte mit einer Simulation, mit der wichtige Unterstützer angeschrieben werden, heißt es: „Möge die Gnadensonne SM König Ludwig II über diesen Persönlichkeiten leuchten...“ Genannt werden dann Franz von Bayern (Oberhaupt des Hauses Wittelsbach), Markus Söder (Ministerpräsident) sowie Theodor Rasso Freiherr von Cramer-Klett (Eigentümer der Kampenwand). Doch die hüllen sich vorläufig in Schweigen. Der Besitzer der bekannten Bergs ist erst übernächste Woche wieder zu sprechen. In seinem Büro hat man das Ganze für einen schlechten Scherz gehalten.

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So geht es anderen auch, die von den Plänen der Dunkelmänner erfahren. Michael Ritter vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege lacht erst einmal schallend, bevor er sich einen ernsthaften Kommentar abringt: „Die Zeit für Heldenverehrung ist vorbei. Und außerdem: Die Kampenwand ist ein einzigartiges Naturdenkmal, das auf keinen Fall zerstört werden darf.“

Der Aschauer Tourismusdirektor ist vollkommen entgeistert

In der Gemeinde Aschau, auf deren Grund die Kampenwand steht, fallen die Reaktionen teils belustigt, teils entgeistert aus. Der neue Bürgermeister Simon Frank teilt mit: „Die simulierte Postkarte ist ja zugegebenermaßen recht gut gelungen. Bei diesem digitalen Kunstwerk sollte es meiner Meinung nach aber auch bleiben.“ Der Kini im Fels der Kampenwand: Das sei mit dem sanften und nachhaltigen Tourismus in Aschau nicht vereinbar. Und Tourismusdirektor Heinrich Reiter muss sich erst einmal sammeln, bevor er sagt. „Das ist unvorstellbar.“

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