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Erst wenige Wochen alt ist dieser kleine Bulldoggen-Welpe (oben). In einer Annonce wurden er und seine drei Geschwister zum Kauf angeboten. Tierschützer gingen zum Schein auf das Angebot ein und lieferten die illegalen Hunde-Händler aus Ungarn der Polizei aus.

Tierschützer waren aufmerksam geworden

Illegaler Welpenhandel : Polizei schlägt zu - beim Probespaziergang

Wolfratshausen – Tierschützer, Mitarbeiter der Kriminalpolizei Weilheim und ein Team der Fernsehsendung „Stern TV“ haben in Münsing (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) zwei Händler aus Ungarn hochgehen lassen.

Die vier Welpen sitzen in einem kleinen Pappkarton im Wohnzimmer eines Hauses in Münsing. Sie riechen ein wenig streng, ansonsten machen die Bulldoggenbabys einen fidelen Eindruck. Isabella und Julia, zwei Tierschützerinnen, haben mit den Anbietern ein Verkaufsgespräch vereinbart. Sie schauen sich die putzigen Mini-Bulldoggen an, streicheln sie, fragen nach ihrem Gesundheitszustand und ob sie geimpft sind.

Die Antworten kommen zögerlich und in gebrochenem Deutsch. „Tierarzt weiß alles“, sagt die Frau aus Ungarn. Was die Verkäuferin und ihr Mann nicht wissen: Auch die Kripo in Weilheim ist informiert, die Beamten warten nur wenige Meter entfernt auf ihren Einsatz. Die Tierschützerinnen vermuten nämlich, dass es bei dem Angebot nicht mit rechten Dingen zugeht. Auch eine Crew der Fernsehsendung „Stern TV“ ist vor Ort und hält das Geschehen mit Hilfe einer versteckten Kamera fest.

Das Internet: Ein beliebter Marktplatz für illegalen Welpen-Handel

Am Mittwochabend wurde der Beitrag über „Das skrupellose Geschäft mit kranken Hundebabys“ auf RTL ausgestrahlt. Über eine Kleinanzeige im Internet sind die Tierschützerinnen auf die Welpen in Münsing aufmerksam geworden. „Drei Rüden und eine Hündin, acht Wochen alt, Farbe rotbraun, Festpreis 1200 Euro“, stand darin. Die Hunde könnten schon Ende Januar in Münsing sein, hieß es weiter. Genau da liegt das Problem: „Mit acht Wochen sind die Tiere viel zu jung, um über die Grenze gebracht zu werden“, sagt Birgitt Thiesmann von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ in dem TV-Beitrag. „Dazu brauchen sie eine gültige Tollwutimpfung. Die kann aber erst im Alter von zwölf Wochen gemacht werden.“

Das Internet ist ein beliebter Marktplatz für den illegalen Handel mit Hundewelpen aus Osteuropa. Sie werden zu extrem niedrigen Preisen angeboten, zum Teil sind die Annoncen mit rührenden Fotos und Texten versehen. Die Realität sieht meist anders aus. Ein Großteil der Welpen kommt aus so genannten Vermehrungsstationen in Polen, Tschechien, Ungarn oder Rumänien, wo unter unwürdigen Bedingungen Nachwuchs produziert wird. Nicht selten sind die Tiere schwer krank.

Händlern droht saftiges Bußgeld

In Münsing locken Isabella und Julia die Verkäufer unter dem Vorwand nach draußen, dass sie mit den Hunden einen Probespaziergang machen wollen. Dann informieren sie die Polizei. Die Beamten kontrollieren die Papiere der Händler, beschlagnahmen die Hunde und informieren die Ungarn darüber, dass das, was sie da tun, verboten ist.

Tierärztin Dr. Sandra Giltner, Chefin des Münchner Tierheims, und Dr. Georg Unterholzner, Veterinär am Bad Tölzer Landratsamt, überprüfen den Gesundheitszustand der Hunde. Fazit: „Sie hatten ein paar Ohrmilben und waren ein wenig schlapp“, berichtet Unterholzner. Ansonsten seien sie in einem guten Zustand gewesen. Er habe nicht den Eindruck, dass die Tiere aus einer der berüchtigten Vermehrungsstationen stammen. „Sie waren gechipt und hatten außer der Tollwutimpfung alle für ihr Alter relevanten Impfungen.“

Auf die beiden Ungarn wird ein saftiges Bußgeld vermutlich im vierstelligen Bereich zukommen – wegen Verstößen gegen das Tierseuchen- sowie das Tiertransportgesetz. Die vier Welpen befinden sich zur Zeit im Münchner Tierheim auf der Quarantänestation. Sobald sie sich erholt haben, sollen liebevolle Besitzer für sie gefunden werden.

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