Streitobjekt: Noch wohnt Pfarrer Martin Kirchbichler in dem kleinen Pavillon schräg gegenüber dem Pfarrheim an der Holzhausener Straße. Der Umzug ins Obergeschoss des neuen Pfarrhauses steht kurz bevor.
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Streitobjekt: Noch wohnt Pfarrer Martin Kirchbichler in dem kleinen Pavillon schräg gegenüber dem Pfarrheim an der Holzhausener Straße. Der Umzug ins Obergeschoss des neuen Pfarrhauses steht kurz bevor.

Streit um Pavillon

Münsings Pfarrer im Clinch mit der Obrigkeit

Das Ordinariat will den Pavillon an der Holzhauser Straße in Münsing abreißen lassen. Münsings Pfarrer reagiert mit Unverständnis.

Münsing – Pfarrer Martin Kirchbichler ist nicht gut zu sprechen auf das Erzbischöfliche Ordinariat München. Es möchte den Pavillon, in dem bisher die Pfarrerswohnung und eine weitere Wohnung untergebracht waren, gegen den Willen der Kirchenverwaltung abreißen lassen. Kirchbichler hatte sich 15 Jahre lang mit einer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung von 40 Quadratmetern in dem einstöckigen Apartmenthaus südlich des Pfarrheims begnügen müssen, bis im neuen Pfarrhaus eine Wohnung im Obergeschoss für ihn geschaffen wurde.

Das Apartmenthaus soll nun abgerissen werden, damit mehr Parkplätze für Pfarrheim und -haus entstehen können. Für Kirchbichler ist das in Zeiten von eklatantem Wohnungsmangel ein Unding. Seit Jahren führt er deshalb einen Briefwechsel mit dem Ordinariat.

Pfarrer Martin Kirchbichler: „Für mich hat das Erzbischöfliche Ordinariat in den vergangenen zehn Jahren den Bezug zur Basis in den Pfarrgemeinden verloren. Damit vergrämt es noch die letzten Ehrenamtlichen.“

Kirchenstiftung besteht auf Erhalt des Pavillons

Die Kirchenstiftung von Mariä Himmelfahrt, vertreten durch die Kirchenverwaltung mit dem Vorsitzenden Martin Kirchbichler, war von Anfang an gegen den Abbruch des Bungalows. 2008 wurde der Neubau eines Pfarrhauses anstelle des alten aus den 1960er Jahren erstmals beschlossen – „ohne Auflage, dass das Apartmenthaus dafür weichen muss“, betont Kirchbichler. Auch als nach Jahren des Stillstands 2014 endlich das Ergebnis eines Architektenwettbewerbs verwirklicht und das neue Pfarrhaus nach den Plänen des Architekturbüros Claus und Forster gebaut werden sollte, bestand die Kirchenstiftung auf dem Erhalt des Pavillons. Die beiden Wohnungen darin würden auch in Zukunft für Angestellte des Pfarrverbands, des Kindergartens oder für pastorale Mitarbeiter benötigt, hieß es. Diese Forderung wurde mehrfach wiederholt.

Ende Juni teilten Ordinariats-Amtschefin Dr. Stephanie Herrmann und Generalvikar Christoph Klingan der Kirche mit, dass es beim Rückbau des Pavillons bleiben werde – eine Entscheidung, die beim Pfarrer und vielen Bürgern auf reichlich Unverständnis stößt. Kirchbichler sagt: „Man muss sich schon fragen, wie ernst man als Pfarrverbandsleiter vom Ordinariat genommen wird“. Die Kirchenverwaltung habe versucht, einen Kompromiss mit dem Ordinariat zu finden, sagt er. Denn der gesamten Pfarrgemeinde sei es ein Anliegen, das Apartmenthaus zu erhalten. Dafür hätte man beispielsweise auf eine Neuanlage des Parkplatzes vor dem Pfarrheim verzichtet, um Kosten zu sparen.

Der Pfarrer bedauert, dass bisher vom Ordinariat niemand zu einem Gespräch mit der Kirchenverwaltung Münsing bereit gewesen sei. Er sagt: „Für mich hat das Erzbischöfliche Ordinariat in den vergangenen zehn Jahren den Bezug zur Basis in den Pfarrgemeinden verloren. Damit vergrämt es noch die letzten Ehrenamtlichen.“ Anfang der Woche hat er Widerspruch gegen die Rückbaupläne eingelegt.

Kosten fürs neue Pfarrhaus steigen um 660 000 Euro

Bürgermeister Michael Grasl kann ebenfalls nicht nachvollziehen, warum man in der heutigen Zeit ohne Not Wohnraum beseitigen will. Der 27 Jahre alte Pavillon sei in einem guten Zustand, sagt Grasl. Die kleinen Wohnungen seien ideal für alleinstehende jüngere Menschen wie eine Kindergärtnerin oder einen Pfarreimitarbeiter. Die Gemeinde bestehe keinesfalls auf den vom Ordinariat zusätzlich geplanten Stellplätzen. „Die Parksituation ist in dem Bereich überhaupt nicht problematisch. Von der gemeindlichen Stellplatzsatzung her reichen die Plätze aus“, betont der Münsinger Rathauschef.

Martin Kirchbichler ärgert sich aber noch über eine weitere Sache: Die Kosten für das neue Pfarrhaus, in dessen Erdgeschoss bereits das Pfarramt umgezogen ist, sind im Laufe der siebenjährigen Bauzeit von 3,33 Millionen auf 3,99 Millionen Euro gestiegen. Einige Kirchensteuerzahler hätten der Kirchenstiftung als Bauherrin die Schuld dafür gegeben, berichtet er. Einer von ihnen – der Mann möchte anonym bleiben – hat deshalb beim Erzbischöflichen Ordinariat nachgefragt, woher die Steigerung rührt. Wie aus der Antwort, die unserer Zeitung vorliegt, hervorgeht, sind die zusätzlichen 660 000 Euro in erster Linie durch die momentane Baukostensteigerung entstanden. Fast alle abgegebenen Angebote hätten über der Kostenberechnung gelegen, teilt die Abteilung Bauwesen mit. Hinzugekommen seien Forderungen des Landratsamts als Baugenehmigungsbehörde. Es hatte unter anderem einen Dachüberstand und ein Rigolen-System zur Entwässerung verlangt. „Der Grund liegt also woanders als bei den Wünschen der örtlichen Kirchenverwaltung. Wir werden ja vom Ordinariat immer beschuldigt, die Kosten in die Höhe zu treiben“, so Kirchbichler. Das Ordinariat weist die Kritik von sich.

Tanja Lühr

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