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Geballte Freude an der Musik: Prof. Hans-Jürg Strub (Mitte) inmitten der Schüler seines Meisterkurses auf Schloss Weidenkam.

„Interpretationskurs Klavier“ im Schloss Weidenkam

Die hohe Kunst der Interpretation

Münsing – Die Klavierschüler von Prof. Hans-Jürg Strub demonstrieren bei ihrem Abschlusskonzert, wozu sie in der Lage sind.

Zum 17. Mal hat Prof. Hans-Jürg Strub in den vergangen Tagen, wie stets im August, den „Interpretationskurs Klavier“ im herrschaftlichen Schloss Weidenkam veranstaltet. Hier haben jährlich knapp 20 bereits ausgebildete Pianisten und Kammermusiker die Gelegenheit, sich in schöner und ruhiger Umgebung in der Kunst der Interpretation weiter zu bilden. Ein anspruchsvolles Unterfangen. Denn, so Strub in seiner Begrüßung zum Abschlusskonzert am vergangenen Samstag: „Interpretation ist nicht nur die gekonnte textgetreue Wiedergabe der geschriebenen Noten, sondern die zusätzlich akustisch gelungene Schaffung eines echten Raumes für Musik.“

Die jungen Musiker, zwischen 17 und 27 Jahren alt, wurden gezielt ausgewählt. Sie sind aus ganz Europa, aber auch aus Kamerun, Japan und mehrfach aus Georgien ins malerische Oberland gekommen. Für ihr mit Spannung erwartetes Abschlusskonzert hatten sie jeweils Werke von Komponisten ausgewählt, die unterschiedlicher kaum hätten sein können. So begann Gabiz Reichert beeindruckend mit einem wilden, betont rhythmischen spanischen Tanz „Chaconne“ von Johann Sebastian Bach/Johannes Brahms, der ausschließlich für die linke Hand komponiert wurde. Im Anschluss wechselten sich impressionistische Werke von Claude Debussy (Jeannine Läuffer, Yasuko Moriyama) und Maurice Ravel (Ia Silagava, Aleksander Gerber) mit Werken der „Neuen Musik“ etwa aus der Feder von Igor Stravinsky (Christina Moser) ab. Auch beeindruckende Beispiele zeitgenössischer Klaviermusik der russischen Komponisten Alexander Skrjabin (Benjamin Meeks), Dimitri Schostakovich (Michael Vaucher) und Sergei Rachmaninov (Simon Pierre Ndoye, Daniela Baumann, Elene Bezarashvili) waren zu hören.

Die sagenhaft rasante „Rhapsodie in h-moll“ von Johannes Brahms (Natia Natroshvili) faszinierte das mäuschenstill lauschende Publikum ebenso wie die hierzulande eher weniger bekannte „Sonate für Querflöte und Klavier“ des zeitgenössischen georgischen Komponisten Otar Taktakishvili (Janine Allenspach, Ketan Sepashvili).

Auf bekannte Werke setzten bei ihrem Abschlussauftritt Alexia Winterhalter mit einer „Nocturne“ von Frédéric Chopin und Eka Bokuchava mit dem tragisch-romantischen „Isoldes Liebestod“ von Richard Wagner/Franz Liszt. Nicht zum Lauschen, sondern zum Mitsummen regte schließlich im zweiten Teil die von Elisabeth Rüttimann vorgetragene „Tristesse“ von Frédéric Chopin an.

Einmal mehr garantierten Strubs Meisterschüler für einen zauberhaften Konzertabend, der nicht nur für eingefleischte Freunde klassischer Musik ein Genuss war. Den jungen, hochbegabten Solisten kann man nur wünschen, dass sie auf ihrem weiteren Karriereweg deutlich mehr Publikum finden.

von Assunta Tammelleo

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