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Beim Radfahren oder Bergwandern entspannt sich Bürgermeister Michael Grasl vom beruflichen Alltag. Und er ist gern in Gesellschaft, kocht und feiert gern. 

„Man kann nicht alle glücklich machen“

Kommunalwahl 2020: Münsings einziger Kandidat im Interview

Michael Grasl ist seit 2005 Bürgermeister von Münsing - und will es bleiben. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

Münsing – Michael Grasl ist der einzige Bürgermeisterkandidat in Münsing. Er wurde 2005 zum ersten Mal gewählt, nachdem Franz Ertl während seiner Amtszeit zurückgetreten und verstorben war. Damals setzte sich Grasl gegen Hans Strobl und Hubert Kühn durch. 2008 und 2014 trat er ohne Gegenkandidaten an und auch 2020 hat er keinen Mitbewerber, womit er sich nach eigenen Worten nicht hundertprozentig wohl fühlt, weil das für ihn keine echte Wahl darstellt. Erstmals geht der 52-jährige gelernte Verwaltungsfachwirt und Familienvater von zwei Töchtern (18 beziehungsweise 20) nicht zusätzlich als Listenführer und Gemeinderatskandidat für die Freien Wähler ins Rennen, sondern nur als Bürgermeisterkandidat. Er wolle „ein Bürgermeister für alle“ sein, begründet er seine Entscheidung.

Herr Grasl, ein „Bürgermeister für alle“ wollen Sie als Chef der Rathausverwaltung, des Gemeinderats und der rund 4300 Gemeindebürger sein. Die gute Zusammenarbeit mit Ihren Mitarbeitern und im Gemeinderat heben Sie oft hervor. Ist das einer der schönen Aspekte des Amtes?

Auf jeden Fall. In der Verwaltung, bei den Hausmeistern, im Kindergarten und im Bauhof ziehen alle 25 Mitarbeiter an einem Strang. Wenn man so viele Baustellen zu bewältigen hat wie Münsing im Moment, passieren natürlich Durchhänger. Es ist wichtig, damit richtig umzugehen, Dinge offen anzusprechen und nach Lösungen zu suchen – wie in einer Familie. Da ist nicht immer alles eitel Sonnenschein, aber unterm Strich verfolgen wir alle dasselbe Ziel. Im Gemeinderat herrscht ein sachlicher Ton, auch wenn in nicht öffentlicher Sitzung schon einmal deutlichere Worte fallen. Aber auch hier gilt: Es wird alles ausgesprochen, notfalls auch mal eine Entschuldigung. Wir setzen uns hinterher immer auf ein kleines Feierabendbier und manchmal eine Brotzeit zusammen, meist im Rathaus oder beim Wirt. Danach geht jeder heim und kann gut schlafen.

Mit den Bürgern, so haben Sie in Ihrer Nominierungsrede gesagt, ist der Austausch oft schwieriger. Sie haben kritisiert, dass viele ihre Einzelinteressen über das Gemeinwohl stellten. In der vergangenen Amtsperiode sei das besonders in den Diskussionen um das KWA-Seniorenwohnstift in Ambach und das soziale Wohnungsbauprojekt „Milchhäusl“ zum Ausdruck gekommen.

Beim Seniorenwohnstift wurden eine Zeit lang Rund-Mails an alle Gemeinderäte verschickt – mit teils falschen und unsachlichen Argumenten gegen das Projekt. Die letzten Bürgerversammlungen wurden von den Protesten der Ambacher dominiert. Das war nicht fair gegenüber den Bürgern aus den anderen Ortsteilen, die dadurch kaum zu Wort kamen. Der Widerstand hat sich vorübergehend ein wenig gelegt. Aber es gibt immer wieder, auch bei anderen Themen, ins Persönliche gehende Mutmaßungen und Vorwürfe. Die Bürger holen sich heute Anwälte und kommunizieren ihr Anliegen gegenüber der Presse. In der Diskussion um die Verkehrsberuhigung der Hauptstraße und den geplanten Mobilfunkmast in Holzhausen ist der Ton zum Glück sachlich. Die besorgten Bürger sehen, dass die Gemeinde um Lösungen bemüht ist.

Werden Sie auf Probleme angesprochen, wenn Sie privat in Münsing unterwegs sind?

Das kommt schon mal vor beim Einkaufen oder auf Veranstaltungen. Aber im Großen und Ganzen nehmen die Münsinger Rücksicht auf mein Privatleben. Die Gäste, die im „Pinocchio“ ein- und ausgehen, würden mich nicht beim Essen mit meiner Frau unterbrechen wegen eines Anliegens. Die meisten machen einen Termin im Rathaus aus. Das empfehle ich immer, weil ich ja oft auch unterwegs sein muss.

Bekommt man mit der Zeit ein dickeres Fell gegen persönliche Anfeindungen?

Ja, schon. Ich lasse die Dinge nicht mehr so nah an mich heran. Ich habe aber auch gelernt, deutlich zu sagen, was geht und was nicht. Das ist besser, als die Leute zu vertrösten und rumzueiern. Man kann nicht alle glücklich machen. „Everybody’s darling...“

Wenn Sie doch einmal etwas trifft oder sehr beschäftigt, mit wem können Sie darüber reden?

Ich kann und will mit meiner Frau natürlich nicht über Details meiner Arbeit sprechen. Wenn mich beruflich etwas bedrückt, reicht es, wenn ich ihr sage, ich hätte in der Nacht nicht so gut geschlafen oder sei nicht so gut gelaunt. Ich habe einen sehr kleinen Freundeskreis, in dem ich mir zu aktuellen Themen immer wieder eine ehrliche Meinung holen kann. Nur die Menschen, die einem sagen, wo man falsch liegt, was sie anders sehen, sind echte Freunde.

Sie sind seit 2014 Sprecher der 21 Landkreis-Bürgermeister. Redet man in dieser Runde über Persönliches?

Neben dem fachlichen Austausch kann man mit einigen auch mal über was anderes reden, ja. Diese 21 Alphatiere, die freilich nicht immer auf eine Linie zu bringen sind, bilden menschlich eine schöne Gemeinschaft. Man gehört als Neuer sofort dazu. Diese Erfahrung hat mich beeindruckt und deshalb wollte ich der Gemeinschaft als Sprecher etwas zurückgeben.

Werden Sie sich wieder zur Wahl stellen als Bürgermeistersprecher?

Das hängt von meinen sonstigen Verpflichtungen im Falle einer Wiederwahl ab. Ich will mich nicht mehr verzetteln, werde deshalb noch offen lassen, in welcher Funktion ich mich im Gemeindetag engagieren kann. In den kommenden sechs Jahren will ich mich noch mehr auf die eigene Gemeinde konzentrieren. Mit dem Bau des Bürger- und Rathauses steht eine gewaltige Aufgabe an. Unsere Personaldecke ist zu dünn. Münsing kann sich heute keinen Bürgermeister mehr leisten, der nur noch unterwegs ist. Die Erwartungshaltung, wo man überall sein könnte und sollte, ist schon enorm. Das ist nie zu schaffen. Ein Termin in Tölz bedeutet eine Stunde unproduktives Autofahren. Das ist nicht immer im Sinne des Klimaschutzes.

Was wollen Sie noch erreichen in den kommenden sechs Jahren?

Den Bau des Bürgerhauses, was realistisch ist, den Hochwasserschutz für Ammerland, ein Verkehrskonzept für Münsing. Beim Mobilfunk müssen wir eine für alle verträgliche Lösung finden – ganz ohne Funkmast wird es nicht gehen. Zumindest spricht die Telekom wieder mit uns. Wir suchen gerade nach Alternativ-Standorten. Die Weichen stellen möchte ich für ein Haus des Kindes im jetzigen Rathaus und vielleicht für eine Senioreneinrichtung im Dorf.

Wie und wo entspannen Sie vom anstrengenden Berufsalltag?

Bei der Gartenarbeit, beim Nordic Walking, Radfahren und Bergwandern – aber auf Bergen, auf die keine Seilbahnen führen. Ich bin gerne in lustiger Gesellschaft, koche und feiere gerne, wobei ich zum Kochen und Backen bei drei Frauen im Haus kaum komme (lacht). Das Musizieren empfinde ich als schönen Ausgleich zur Arbeit. Ob als Aushilfe in einer örtlichen Kapelle oder auch in kleinen Gruppen.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach 2026?

Ich möchte nach den nächsten sechs Jahren mit der Kommunalpolitik abschließen und mich auf anderem Gebiet nützlich machen. Ich spüre, da wartet noch eine Herausforderung auf mich. Ich könnte vielleicht mit meinen guten Verbindungen im sozialen Bereich mit anderen etwas für unsere Gemeinde auf die Beine stellen. Außerdem würde es mir gefallen, in der Kommunalberatung tätig zu sein. Das heißt, ich will neuen Kandidaten mit meiner Erfahrung helfen.
Ich hoffe, dass sich nach dieser Amtsperiode neue Kräfte finden, die für die Belange dieser schönen Gemeinde weitermachen. Diese Bewerberinnen und Bewerber werden ihr eigenes Profil haben und die Dinge vielleicht anders angehen als ich. Das ist aber auch gut so. Ich möchte dann nicht mehr mitmischen, so wie es andernorts passiert.

Fragen über Fragen

Lieblingsplatz in Ihrer Stadt/Gemeinde? 

Die Gegend um den Buchsee. 

Blasmusik oder Rock/Pop? 

Überwiegend Blasmusik, was ist mit Klassik? 

Wann waren Sie zuletzt in Tracht unterwegs? 

Da führe ich nicht Buch. Tracht ist normal. 

Mögen Sie Haustiere? 

Ja, wir haben noch eine ältere, aber sehr hübsche Katze. 

Ordnungsfan oder locker drauf? 

Ordnung ist das halbe Leben. 

Bierfreund oder Weinliebhaber? 

Bierfreund. 

Strandurlaub oder Städtetrip? 

Städtetrip, dann Wellness. 

Nachtragend oder verzeihend? 

Eher verzeihend. 

Drei Dinge für die Insel? 

Nur meine Frau als (Über)lebenskünstlerin. 

Schweinshaxn oder Gemüseauflauf? 

Eher Auflauf. 

Als Chef oder Vater streng oder gutmütig? 

Mehr gutmütig. 

Haben Sie ein Vorbild? 

Nein. 

Ihr Motto? 

Leben und leben lassen, Ruhe und Humor bewahren.

Tanja Lühr

Einen Überblick über alle Kandidaten in der Region Geretsried-Wolfratshausen finden sie hier.

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