Villa Max Ammerland
+
Seit Jahren dem Verfall preisgegeben: Die Villa Max an der Südlichen Seestraße in Ammerland.

Künstlerkolonie Ammerland

Gabriel von Max: Maler, Spiritist und Freund der Affen

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
    schließen

Ammerland am Starnberger See übt auf Künstler von je her eine große Faszination aus. Hier lebte auch Gabriel von Max - eine faszinierende Gestalt des 19. Jahrhunderts.

Münsing – Im Herbst 2010 fand im Künstlerhaus am Münchner Lenbachplatz eine Ausstellung statt, die Gabriel von Max (1840 - 1915) in all seinen Facetten und in seiner ganzen Bedeutung würdigte. Nicht nur der Maler, der seinerzeit weltberühmt war, sondern auch der Spiritist und der Darwinist kamen zur Geltung. Er war, so formulierte es die Kuratorin Karin Althaus, eine „außerordentliche Gestalt des 19. Jahrhunderts“. Die, so muss man hinzufügen, seine Wahlheimat in Ammerland fand.

Die „Märtyrerin am Kreuz“ macht ihn zum Star

Gabriel Max wird 1840 als Sohn des Bildhauers Joseph Max und dessen Ehefrau Anna Schumann in Prag geboren. Von seinem Vater erhält er die erste künstlerische Ausbildung. Er durchläuft die Kunstakademien von Prag, Wien und München. Das Gemälde „Märtyrerin am Kreuz“ aus dem Jahr 1867 macht ihn zum Malerstar. Sein Thema war das Übernatürliche, mit dem er den Nerv der Zeit traf. 1878 wird Max zum Professor für Historienmalerei an der Münchner Akademie berufen, doch dieses Amt samt Titel gibt er bereits 1883 wieder zurück. 1900 wird er in den Adelsstand erhoben.

Sein Hang zur Mystik macht ihn unheimlich

Nicht ganz geheuer ist der Prager seiner Umwelt wegen seines Hangs zum Mystischen, den er auch privat pflegt. In seiner Villa in Ammerland findet 1884 die zweite offizielle Sitzung der theosophischen Gesellschaft „Germania“ statt. Befreundet ist Gabriel von Max mit seinen Nachbarn, dem Parapsychologen Albert von Schrenck-Notzing (dem „Geisterbaron“) sowie dem okkulten Schriftsteller Karl du Prel. Mit dem Geld, das er als Maler verdient, betreibt er seine Leidenschaft zur Anthropologie und Zoologie. Seine Schädelsammlung umfasst 60 000 Objekte. Es ist die größte seiner Zeit. Sie wird heute in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim aufbewahrt. In seinem Münchner Gartenhaus hält sich von Max eine Zeitlang sogar eine eigene Affenherde. Seine Affenbilder sind seinerzeit weltberühmt.

Gabriel von Max liebte Affen und malte sie häufig.

Nach Ammerland kommt Gabriel von Max 1871. Die Villa am Ostufer (heutige Adresse: Südliche Seestraße 29) lässt er für sich und seine Familie errichten, bestehend aus Frau Emma Kitzing, eine Tochter sowie die beiden Söhne Cornelius und Columbus, die später selber Maler werden. 1890 wird die Villa von Emanuel von Seidl erweitert. Der schillernde Gabriel von Max lebt dort bis zu seinem Tod 1915.

Lesen Sie auch: Franz Graf von Pocci und sein Schloss am See

Aufsehen erregt die unter die Denkmalschutz stehende Villa seit Jahren, weil die aktuelle Eigentümerin nichts mehr für deren Erhalt tut. Mehrmalige Abrissanträge werden von den Behörden abgelehnt, zuletzt wendet sie sich vergeblich an Ministerpräsident Söder. Selbst dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ist das Gebaren der Eigentümerin 2019 einen Artikel wert. Der Ostuferschutzverband verleiht den Gabriel von Max-Denkmalpreis an Bauherren, die sich besonders um ihre denkmalgeschützten Häuser kümmern. Den Preis, einen sinnierenden Affen, schuf Ernst Grünwald – ebenfalls aus Ammerland.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare