Loriot-Denkmal, Brunnen am Münsinger Dorfplatz.
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Denkmal: Die zwei Herren im Bad gehören zu Loriots berühmtesten Sketchen. Der Brunnen auf dem Dorfplatz stellt die Szene nach. Nur dass ein Wasser- statt eines Redeschwalls aus den Mündern der beiden Herren kommt.

Künstlerkolonie Ammerland

Loriot, der große Humorist

Ammerland übt auf Künstler von je her eine große Faszination aus. Hier lebte auch Vicco von Bülow alias Loriot (1923 - 2011), der Deutschland zum Lachen brachte.

Münsing – Bernhard-Viktor Christoph-Carl, kurz Vicco, von Bülow wurde 1923 in Brandenburg an der Havel geboren. Von 1963 an lebte er mit seiner Frau Romi und den beiden Töchtern Susanne und Bettina überwiegend in Wimpasing in einer wunderbaren alten Villa mit Walmdach. In den ruhigen Straßen des Ammerlander Ortsteils ging er mit seinen Möpsen spazieren, im Gasthof Gerer unten am See oder im Münsinger Neuwirt ließ er sich die bayerische Küche schmecken. Zu dem Buch von Alma Lanzinger „Ammerland dazumal“ schrieb er das Vorwort. Darin heißt es: „Seit 42 Jahren sitze ich am Schreibtisch in Ammerland, gefangen von der unvergleichlichen Atmosphäre meiner zweiten bayerischen Heimat.“

Über seine Sketche lachte ganz Deutschland

Das künstlerische Werk Loriots ist äußerst umfangreich. Von den 1950er Jahren an bis zu seinem Tod etablierte sich der Maler und Grafiker in Literatur, Fernsehen, Theater und Film als einer der vielseitigsten deutschen Humoristen. Später arbeitete er auch als Schauspieler, Moderator, Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner. Berühmt sind unter anderem das von ihm geschaffene Knollennasenmännchen, die Zeichentrick-Figuren Wum und Wendelin sowie die TV-Sketche zusammen mit Evelyn Hamann wie „Das Frückstücksei“, „Auf der Rennbahn“ oder die „Herren im Bad“. An letztere erinnert das Denkmal, das die Gemeinde Münsing für ihren Ehrenbürger einige Jahre nach dessen Tod auf dem Dorfplatz aufgestellt hat: Zwei Männer aus Bronze, die in einer Badewanne sitzen und aus deren Mündern abwechselnd ein Wasserstrahl kommt als Symbol für das Streitgespräch, das die beiden führen.

Vicco von Bülow lebte seit 1963 in Ammerland

Loriots Werke beschäftigten sich hauptsächlich mit Kommunikationsstörungen. Als Regisseur inszenierte von Bülow die Opern „Martha“ und „Der Freischütz“. 1988 drehte er als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller den Spielfilm „Ödipussi“, 1991 folgte „Papa ante portas“. In seinem Wahlheimatort war Loriot nicht nur ein Prominenter, er engagierte sich auch als Bürger. 1989 rekrutierten die Münsinger ihn für den Fernsehshow-Klassiker „Spiel ohne Grenzen“ als Teamkollegen. Gemeinsam gewannen sie die Vorrunde am Starnberger See und später das Finale in der Nibelungenstadt Xanten.

Er protestierte gegen eine Mülldeponie

Von Bülow dirigierte anlässlich des Jahresbeginns oder seiner runden Geburtstage die Münsinger Musikkapelle, er entwarf unentgeltlich das Logo für den Ammerlander Judoverein und er mischte sich sogar politisch ein. Anfang der 1990er Jahre protestierte er zusammen mit vielen anderen gegen die drohende Mülldeponie in Reichenkam. 2005 schrieb er einen Brief an die Gemeinde mit dem Appell, die Bauwut in Wimpasing einzudämmen, damit dort kein „Siedlungsbrei“ entstehe.

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Zum Dank dafür, dass die Gemeinderäte der weiteren Verdichtung des Villenviertels mit einem Bebauungsplan einen Riegel vorschoben, schenkte er ihnen 2008 allen eine selbst gezeichnete Karikatur. Tanja Lühr

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