Wilhelm Kempff, Pianist
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Versunken in die Kunst: Wilhelm Kempff war einer der führenden Pianisten seiner Zeit.

Künstlerkolonie Ammerland

Wilhelm Kempff, der Poet am Klavier

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Ammerland am Starnberger See übt auf Künstler von je her eine große Faszination aus. Hier lebte auch Wilhelm Kempff, einer der maßgeblichen Pianisten seiner Zeit.

Münsing – In der Welt der klassischen Musik war der Pianist Wilhelm Kempff (1895 - 1991) eine Berühmtheit, ja eine Weltberühmtheit. Seine Interpretationen von Beethoven, Brahms, Schumann und Schubert setzten Maßstäbe. Der Beiname, den er sich erwarb, lautete: der Poet am Klavier. Seine Art, nur aus dem Handgelenk zu spielen, faszinierte Kenner und Laien. Auch als Mensch hinterließ er Eindruck: Seine Bescheidenheit und die völlige Freiheit von Allüren machte ihn allgemein beliebt. Kostproben seines Könnens gab es immer wieder in seiner Wahlheimat Ammerland, wo er laut Melderegister der Gemeinde von 1955 bis 1991 lebte. Seine Familie bestand aus Ehefrau Helene sowie den Kindern Irene, Dietrich, Angela und Diana. Über seine Konzertabende im kleinen Kreis in seinem Haus am Wallgraben 16 wurde viel geredet. Das Haus wurde später verkauft, es existiert heute nicht mehr.

Kempff komponiert auch Opern

Kempff wird am 25. November 1895 in Jüterborg südlich von Berlin geboren. Während des Ersten Weltkriegs studiert er an der Berliner Musikhochschule, wobei ihm wegen überragenden Könnens die Abschlussprüfung erlassen wird. Sein Debüt in der Berliner Philharmonie gibt er 1918 mit Beethovens 4. Klavierkonzert unter Arthur Nikisch und den Berliner Philharmonikern. Von 1924 bis 1929 ist Kempff Direktor der Stuttgarter Hochschule für Musik. Von 1931 bis 1941 gibt er Sommerkonzerte im Marmorpalais Potsdam.

Zwar komponiert Kempff in den Jahren der Nazi-Diktatur keine propagandistische Musik, er widmet allerdings 1934 seine in Italien spielende Oper „Familie Gozzi“ dem italienischen Diktator Benito Mussolini. 1944 nimmt Hitler Kempff in die Gottbegnadeten-Liste auf, was ihn vor einem Kriegseinsatz bewahren sollte. Trotzdem wird Kempff 1945 zum Volkssturm einberufen. Heute lautet das Urteil: Kempff hat sich allzu leicht von der Nazi-Propaganda einspannen lassen. Dies kompensiert er später offenbar durch den Einsatz für den Weltfrieden ebenso wie durch internationale künstlerische Verständigung in seinen Beethoven-Kursen.

Eine japanische Insel trägt seinen Namen

Nach dem Krieg ist Kempff hauptsächlich als Pianist tätig. Für die Deutsche Grammophon spielte er zwischen 1920 und 1980 zahlreiche Aufnahmen ein. Auf Konzertreisen wird er weltweit gefeiert. Besonderen Erfolg hat er in Japan, wo er zwischen 1936 und 1979 zehnmal auftritt. Eine kleine japanische Insel erhält zu seinen Ehren den Namen Kempu-san.

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Zu den vielen Auszeichnungen gehören der Deutsche Schallplattenpreis (1981) sowie der Bayerische Maximiliansorden (1984). Seine Erlebnisse als Pianist schreibt er in dem Buch „Was ich hörte, was ich sah“ nieder. 1986 siedelt der Virtuose in die italienische Künstlerkolonie Positano an der Amalfiküste über, wo er jahrzehntelang Beethoven-Interpretationskurse gegeben hatte. Am 23. Mai 1991 stirbt Wilhelm Kempff, der fast 30 Jahre in Ammerland verbracht hatte, im Alter von 96 Jahren in Positano. Sein Grab liegt auf Schloss Wernstein in Oberfranken. Die Wilhelm-Kempff-Stiftung pflegt das Andenken des Künstlers.  

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