+
Was würde er wohl dazu sagen? Ehrenbürger Vicco von Bülow alias Loriot soll in Münsing ein Denkmal gesetzt werden. Nun gab es Streit ums Geld. 

Gemeinderat nimmt weitere 30 000 Euro in die Hand 

Loriot-Denkmal wird zum Wasserspiel

Lang und breit wurde im Vorfeld über das Loriot-Denkmal für Münsing diskutiert – die Nachbildung des Sketches „Herren im Bad“. Wanne und Figuren sind so gut wie fertig, da streitet der Gemeinderat wieder wegen eines geplanten Wasserspiels.

Münsing – „Die Ente bleibt draußen!“: Wer kennt ihn nicht, den berühmten Dialog zwischen den Herren Dr. Klöbner und Müller-Lüdenscheidt, die aufgrund eines Irrtums zusammen in der selben Hotelbadewanne landen. Der Sketch ist einer der bekanntesten, den der Münsinger Ehrenbürger Vicco von Bülow alias Loriot (1923 - 2011) erschaffen hat. Die Szene wird gerade in Bronze gegossen. Wanne und Figuren, die getrennt von der Gemeinde in Auftrag gegeben wurden, sollen am 25. Juni auf dem Dorfplatz aufgestellt werden.

Dritter Bürgermeister Ernst Grünwald (Wählergruppe Ammerland) hatte sich von Anfang an um das Projekt gekümmert hat. Für ihn wäre die Krönung des Werks ein Wasserstrahl, der abwechselnd aus den Mündern der beiden Männer sprudelt. Er soll den Wortwechsel zwischen den Streithähnen symbolisieren. Die Witwe und die Töchter Loriots seien von der Idee ebenfalls begeistert, berichtete Grünwald diese Woche im Gemeinderat.

Der Haken an der Geschichte: Das Geplätscher würde genauso viel kosten wie das Ensemble aus Bronze und Granit selbst, nämlich rund 30 000 Euro. Im Haushalt hat die Gemeinde genau 60 000 Euro eingestellt, weil man zunächst davon ausging, das Denkmal würde so teuer werden. Doch weil Ernst Grünwald, selbst Bildhauer, mit den Künstlern – einem Berufskollegen aus Wangen bei Starnberg und einem Steinmetz aus dem Bayerischen Wald – im Namen der Gemeinde geschickt verhandelt hatte, konnte der Preis halbiert werden.

Nur zwei Anbieter kommen in Frage

Nach einem günstigen Anbieter für die Springbrunnentechnik hat der Dritte Bürgermeister nach eigener Aussage lange gesucht. „Es gibt in dem Bereich nur zwei Spezialisten, die in Frage kommen“, erläuterte er dem Gemeinderat. Der wesentlich billigere sei die Firma „Pumpenpauli“ aus dem Landkreis Passau, die 30 000 Euro verlangen würde.

Tobias Eckart (Freie Wähler) empörte sich, er finde diesen Preis immer noch „utopisch“ hoch. Auch Umweltreferentin Christine Mair (Wählergruppe Münsing) wollte nicht glauben, dass das bisschen Technik so viel koste. Am meisten regte sich Thomas Schurz (CSU) auf: „Bei aller Wertschätzung für unseren Ehrenbürger, aber wir hauen hier das Geld zum Fenster raus.“ Anfangs sei man von rund 15 000 Euro für eine Büste ausgegangen. Dann sei die Idee mit der Badewanne für 30 000 Euro ins Spiel gekommen und jetzt sei man bei 60 000 Euro angelangt. Auch wenn diese Summe vorsorglich im Haushalt stehe, es würden ja noch die Arbeitskosten für den Bauhof hinzukommen, so Schurz. „Der Bund der Steuerzahler wird Münsing bald in sein Schwarzbuch aufnehmen“, befürchtet der CSU-Rat. Er sprach sich für eine Spendensammlung zu Gunsten des Denkmals aus.

Den Vorschlag begrüßte Ernst Ramerth (Wählergruppe Holzhausen). Helge Strauß (CSU) widersprach seinem Fraktionskollegen: Loriot habe in Münsing gelebt und gewirkt. Das Ensemble mit Wasserspiel wäre eine schöne, repräsentative Ehrung für ihn und eine Belebung des Dorfplatzes. Strauß: „Wir können es uns leisten, das zu machen.“ Christian Holzapfel (Einigkeit Degerndorf) würde die halb so teure Variante, bei der die Herren gleichzeitig Wasser spucken, befürworten.

Vize-Bürgermeister Josef Stobl, der die Sitzung in Vertretung von Bürgermeister Michael Grasl leitete, erinnerte daran, dass man mit den Hinterbliebenen eng zusammenarbeite. Ihnen würde das abwechselnde Wasserspiel viel besser gefallen. Bei vier Gegenstimmen entschied der Rat sich schließlich dafür.

Tanja Lühr

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Qual der Wahl ?
In unserer Serie Gott und die Welt schreibt diesmal Irmgard Huber, Katholische Referentin für Frauenseelsorge, über das Wahlrecht - ein Privileg, das Frauen lange …
Qual der Wahl ?
Erstwählerin im Interview: „Ein bisschen nervös“
Julia Schlappa aus Geretsried ist Erstwählerin. Im Interview spricht sie über ihr Gefühl vor der Bundestagswahl 2017. 
Erstwählerin im Interview: „Ein bisschen nervös“
Ohne Wahlhelfer geht nichts: Eine Bürgerpflicht
Damit die Bundestagswahl möglichst reibungslos abläuft, sind im Wahlkreis 223 (Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach) rund 1900 Wahlhelfer im Einsatz. Einer von ihnen ist …
Ohne Wahlhelfer geht nichts: Eine Bürgerpflicht
Britin darf erstmals zur Bundestagswahl gehen
Seit dem 13. Februar dieses Jahres ist Vanessa Magson-Mann deutsche Staatsbürgerin. Die gebürtige Britin – sie lebt seit 26 Jahren in der Bundesrepublik – darf also am …
Britin darf erstmals zur Bundestagswahl gehen

Kommentare