Der berühmte Zeichentrick-Sketch „Herren im Bad“.

Münsing streitet

Ist Loriots Sketch als Denkmal zu kitschig?

Münsing – Um das geplante Denkmal für Münsings Ehrenbürger Loriot gibt es Streit. Die Agenda Kultur nennt die in Auftrag gegebene bildnerische Darstellung des berühmten gezeichneten Sketches „Herren im Bad“ kitschig.

Agenda-Mitglied Klaus Ulrich Spiegel (75), gleichzeitig Vorsitzender des Münchner Kunstvereins und freier Autor für Kultur, spricht von „kommunaler Kulturverwesung“ und „Anti-Kultur“.

Spiegel ist der Meinung, Kunst solle animieren zu kommunaler Begegnung und Identität stiften. Voraussetzung sei, dass die Bürger bei ihrer Entstehung beteiligt würden. Das vom Gemeinderat beschlossene Loriot-Denkmal bezeichnet er als „Kitsch“. Die Herren im Bad sind in den Augen des Kulturfachmanns „monothematisch reduziert“ und „in eine schwergewichtige, brachiale, abseitige Materialität versetzt“. Spiegel sagt, die Werkstoffe – Granit für die Wanne und Bronze für die Figuren – seien von Loriot selbst niemals verwendet worden. Der Münsinger hätte sich gewünscht, dass die Gemeinde eine Fachjury befragt.

Bürgermeister Michael Grasl widerspricht den Vorwürfen. Der Gemeinderat habe sich seit 2013 in öffentlichen Sitzungen mit dem Thema eines Loriot-Denkmals intensiv befasst. Mehrheitlich und im Einvernehmen mit der der Witwe und den beiden Töchtern des Verstorbenen Vicco von Bülow habe man einen Wettbewerb abgelehnt. Man sei der Auffassung gewesen, der einzigartige Humor Loriots komme am besten durch die originalgetreue Reproduktion eines Werkteils zur Geltung. Die Wahl sei auf die „Herren im Bad“ gefallen, weil diese Szene zur Diskussion anregen könne und weil sie ein wenig an die bis heute zu beobachtende Konkurrenz zwischen Münsing-Ost und Münsing-West erinnere.

Von Bülow habe die „Herren im Bad“ im Übrigen bereits selbst in Zusammenarbeit mit einer Bronzemanufaktur umgesetzt, so Grasl. Zu ändern ist an der Skulptur ohnehin nicht mehr viel. Der Auftrag für die Steinarbeit ist bereits vergeben, der für die Figuren allerdings noch nicht. Vicco von Bülow lebte fast fünf Jahrzehnte lang im Münsinger Ortsteil Ammerland, wo er 2011 auch verstarb.  

tal

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