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Festzug durchs Dorf: Rund 1400 Besucher des Burschenjubiläums zogen von der Grondlergasse zum Festzelt.

Die ganze Vielfalt dörflichen Lebens

110 Jahre Burschenverein: Das feiern die Münsinger vier Tage lang

Das Feiern wird einem in Münsing schon als Kind in die Wiege gelegt. Die Dorfjugend bewies jetzt mit einem viertägigen Fest, dass sie den Älteren in nichts nachsteht. Das 110-jährige Jubiläum des Katholischen Burschenvereins (BV) Münsing war eine rundum gelungene Sache.

Münsing – Spritzerfrei – oder „unfallfrei“ wie er selbst sagt – hatte Bürgermeister Michael Grasl am Donnerstagabend das erste Fass Bier im Zelt am Hartlweg angezapft. Unfallfrei verliefen auch die weiteren beiden Festabende und der große Festzug als Höhepunkt der Feierlichkeiten am Sonntag. „Das ganze Dorf hat zusammengeholfen. Die Eltern haben die Madln und Burschen tatkräftig unterstützt“, erzählt Grasl, der aus Erfahrung spricht. Die Hauptarbeit und die Verantwortung lagen aber natürlich bei den Vereinsmitgliedern selbst, allen voran dem 23-jährigen Vorsitzenden Johannes Schmid.

Dem Eröffnungsritual folgte am Donnerstagabend das Wiagsogschnein der Burschenvereine – eine Riesengaudi mit neuen Rekordzeiten, bei der die Beuerberger Burschen knapp vor den Höhenrainern die Nase vorne hatten. Platz drei belegten die Münsinger. Beim „Börsenfieber“ am Freitag wurde um Hochprozentiges spekuliert. Die Broker verkauften Getränke-Aktien, die an der Bar – mit etwas Glück zum Sparpreis – eingelöst werden konnten. Ein Vergnügen für Ohren und Augen boten am Samstag die „Drei Männer nur mit Gitarre“, die Liedermacher und Kabarettisten Keller Steff, Roland Hefter und Michi Dietmayer.

Bei tollem Sommerwetter fand am Sonntag der Gottesdienst mit der Fahnennachweihe im Schwarz-Garten statt. Das Schmuckstück des Burschenvereins war 1985 zuletzt restauriert worden. Eine Stickerin aus Straubing hat es im vergangenen halben Jahr erneut auf Vordermann gebracht. „Die Fahne ist ein Zeichen der Gemeinschaft. Sie zeigt uns, dass wir im Leben nicht allein unterwegs sind“, sagte Pfarrer Martin Kirchbichler, der das 1,40 mal 1,40 Meter große Tuch segnete. Auf dessen Vorderseite reichen sich zwei Münsinger Burschen auf dem Kammerloh die Hand, dahinter ihr Dorf mit der Kirche, den Bergen und dem Starnberger See. Auf der Rückseite ist die Muttergottes abgebildet.

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Annemarie Pfattrisch sprach den Burschen als Fahnenmutter ihre Glückwünsche aus, Anna Hofner sagte als Fahnenbraut ein Gedicht auf. Der Katholische Burschenverein Beuerberg-Herrnhausen hatte die Patenschaft übernommen. Sie alle fügten ihre Fahnenbänder hinzu, und auch der bereits verstorbenen Burschenvereins-Mitglieder wurde mit einem Trauerband gedacht.

Vom Schwarz-Garten in der Grondlergasse aus machte sich gegen Mittag der Festzug mit rund 1400 Teilnehmern auf den Weg Richtung Zelt. Hier zeigte sich die ganze bunte Vielfalt der örtlichen Vereine und der mit dem BV Münsing befreundeten Burschenvereine. Die Machtlfinger etwa erregten mit einem siebensitzigen Fahrrad, das sie geschickt durch die engen Gassen steuerten, großes Aufsehen. Die Feuerwehr Ammerland war mit ihrem historischen Spritzenwagen ausgerückt. Die Damen vom Gartenbauverein trugen Blumensträuße und die Mitglieder des Trachtenvereins „Seeröserl“ ihre schönste Festtagstracht. Bürgermeister Michael Grasl durfte in der Kutsche fahren. Die Münsinger, Holzhauser und Degerndorfer Blaskapellen spielten auf.

Fahnennachweihe: Pfarrer Martin Kirchbichler segnete das 1,40 mal 1,40 Meter große, restaurierte Tuch des Münsinger Burschenvereins.

Am Zelt angekommen, wurden alle Festzugsteilnehmer von einem Spalier aus Madln und Burschen des BV Münsing empfangen. Zur Erinnerung an den ohnehin unvergesslichen Tag erhielten die Gäste, unter ihnen auch zwei Schwarzwaldmädel aus Münsings Partnergemeinde Todtnauberg, von Johannes Schmid Ehrengaben – sehr hübsche Wappen, die man auf den Maßkrug legen kann.

Tanja Lühr

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