Teamarbeit: Bürgermeister Michael Grasl vor „seinem“ Rathaus, in dem er sich wohlfühlt, weil die Mitarbeiter ihm den Rücken freihalten – und umgekehrt.
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Teamarbeit: Bürgermeister Michael Grasl vor „seinem“ Rathaus, in dem er sich wohlfühlt, weil die Mitarbeiter ihm den Rücken freihalten – und umgekehrt. 

„Ich werde bis zum letzten Tag alles geben“

Bürgermeister Grasl über anstehende Projekte und eine neue Opposition

Michael Grasl hat seine vierte und letzte Amtszeit angetreten. Im Interview verrät er, welches Mega-Projekt er unbedingt zu Ende bringen will.

Münsing – Seit 15 Jahren ist Michael Grasl (52), gelernter Verwaltungsfachwirt, Bürgermeister von Münsing. Der Freie Wähler startete im Mai in seine vierte Amtszeit (wobei die erste ab 2005 nur eine halbe war). Es soll seine letzte sein, wie er mehrfach angekündigt hat. In den kommenden sechs Jahren wolle er auf jeden Fall das Mega-Projekt Bürgerhaus mit Rathaus zu Ende bringen, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Es findet im Sitzungssaal des Rathauses statt, wo ausreichend Abstand gehalten werden kann. Nur wenige Mitarbeiter sind an diesem Nachmittag im Haus. Wegen Corona wurde vereinzelt auch im Homeoffice gearbeitet. Das funktioniere meist gut, wenn die Technik mitmacht. Man werde das als positive Erfahrung neben der gezielteren Terminplanung mit in die Zukunft nehmen.

Herr Grasl, manchmal radeln Sie auf dem Weg zur Arbeit am mittlerweile abgerissenen alten Pallaufhof vorbei, an dessen Stelle das neue Bürgerzentrum gebaut wird. Glauben Sie, dass Sie dort in dieser Amtsperiode noch ein Büro beziehen werden?

Auf jeden Fall! Ich hoffe, dass wir 2022 mit dem Bau beginnen können. Es geht mir aber nicht um mich, sondern darum, dass meine Mitarbeiter künftig einen vernünftigen Arbeitsplatz haben. Die Zustände im jetzigen, viel zu engen Rathaus sind teilweise nicht zumutbar. Erschwerte Einhaltung des Datenschutzes, Hellhörigkeit, Enge, unzureichende Dämmung und der Mangel an freien Arbeitsplätzen sind nur Beispiele. Sitzungssaal und Trauungszimmer genügen nicht mehr den heutigen Anforderungen an größere Mengen von Gästen, die bei umstrittenen Projekten und größeren Hochzeitsgesellschaften einfach vor der Tür stehen.

Wegen der zu erwartenden Kosten von bis zu 18 Millionen Euro und der Größe des Saals ist im neu gewählten Gemeinderat ein Streit entbrannt. Zwei Grüne und Ernst Grünwald von der Wählergruppe Ammerland wollen einen Saal für maximal 200 Personen statt für 400.

Ich finde es schade, dass das in zahlreichen Sitzungen, Klausuren und Arbeitstreffen erarbeitete Raumkonzept in Frage gestellt wird. Wenn man befürchtet, dass wegen der Kosten für das Bürgerzentrum kein Geld mehr für eine Mehrzweckhalle oder die Kinderbetreuung bleibt, kann ich beruhigen: Wir werden uns sicher nicht mit einem einzigen Vorhaben verausgaben. Wir hoffen zum einen auf ein weiteres Konjunkturpaket des Freistaats, zum anderen verfügen wir glücklicherweise über hohe Rücklagen und sind schuldenfrei. Natürlich musste der Gemeinderat vor dem Hintergrund der aktuellen Situation klären, ob man sich dieses Projekt noch leisten kann oder nicht. Es wurde aber schon intensiv daran geplant, und es gab Zeiten, da war man sich einig und freute sich über das Wettbewerbsergebnis. Mit kleinteiliger Problem- und Fehlersuche, Zaudern und ständigem Umplanen wird es selten günstiger als mit entschlossenem Handeln. Es ist eine einmalige Chance, und beim Vereinszentrum am Hartlweg hat man damals auch für die Zukunft gebaut und nicht nur das Allernötigste. Und heute reichen die Kapazitäten nicht mehr.
Die Klausur am 6. Juni, die letzten Sitzungen und die Besichtigung des nagelneuen Bürgerhauses in Pöcking mit dem Gemeinderat haben eindeutig gezeigt, dass wir nicht abrücken dürfen vom bisher beschrittenen Weg. Es gibt eine klare Mehrheit, und die sollte irgendwann mal akzeptiert werden. Auch das gehört zur demokratischen Kultur.

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Steht die Turnhalle noch auf der Prioritätenliste?

Ja, aber alles zu seiner Zeit. Im Wahlkampf ist das als Schlagwort wieder aufgetaucht. Eine noch zu definierende Halle steht oben auf der Liste des Gemeinderats, nach dem Hochwasserschutz für Ammerland und einer Nachnutzung des Rathauses für die Kinderbetreuung beziehungsweise Grundschulerweiterung. Doch bei der Turnhalle muss erst die Grundwassersituation auf dem vorgesehenen Gelände im gesamten Gebiet Labbach überprüft werden. Wir müssen einen Bebauungsplan aufstellen, weil es sich um Außenbereich handelt. Wir müssen klären, welche Art von Halle genau benötigt wird, und es muss sichergestellt sein, dass der Sportverein seinen finanziellen Beitrag leisten kann. Auch für mich ist klar, dass der Breitensport ein ganz wichtiges Thema ist und wir eine zweite Halle brauchen. Aber bitte auch hier mit Sorgfalt und nicht mit ungeprüften Überschriften. Auch der Kunstrasenplatz ist ja noch nicht verworfen worden.

Mit einem Teil der neu in den Gemeinderat gewählten Grünen deutet sich schon jetzt eine Opposition an. Stört Sie das?

Andernorts gibt es das auch, das ist nichts Ungewöhnliches. In einer kleinen Gemeinde wie unserer sollte Parteipolitik eigentlich keine Rolle spielen. Der Gemeinderat ist kein Parlament, sondern ein Kollegialorgan. Andere tragen auch nicht immer bei jeder Wortmeldung ihr Partei- oder Ortschaftsfähnchen vor sich her. Auch ich nicht. Wenn das Züge einer organisierten Opposition annimmt, wird es schwierig. Die kommenden Jahre werden anspruchsvoll bleiben. Ständiger Gegenwind ohne Lösungen wird das gute Klima im Gemeinderat nicht fördern. Wenn man eigentlich beschlossene Dinge immer wieder von vorne diskutieren muss, geht viel Energie verloren.

Aber unterschiedliche Meinungen gehören zur Demokratie.

Nicht, wenn acht Wählergruppen ihre eigenen Presseerklärungen versenden würden, und der Bürgermeister darf anschließend das diffuse Meinungsbild zusammensetzen. Das Gremium hat eine Außenwirkung und Verantwortung. Die qualifizierten Leute in der Verwaltung sind keine Schulbuben, und wir alle haben etwas gelernt. Letztlich geht es um Vertrauen und das Unterordnen des eigenen Auftritts unter das gemeinsame Ergebnis.
Es nervt mich, wenn kritisiert wird, das Rathaus arbeite nicht transparent genug. Unsere Sitzungsvorlagen sind von einer kontinuierlichen Qualität und Objektivität, die von der großen Mehrheit des Gemeinderats seit vielen Jahren geschätzt wird. Zu allen wichtigen Vorhaben gibt es außerdem eine Bürgerbeteiligung. Oft fehlen mir in der Diskussion mit Projektgegnern – ob aus dem Gemeinderat oder der Bevölkerung – realistische und seriöse Alternativen, die fundiert untermauert werden. Nicht nur mal schnell im Internet „recherchiert“.
Wir können uns im Landkreis mit unserer Arbeit sehen lassen. Ich bin müde geworden, alles ständig zu erklären und mich für vieles eigentlich Klare rechtfertigen zu müssen. Dabei gibt es doch Sachargumente, die eines Tages ankommen müssten.

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Was möchten Sie außer dem Bürgerzentrum noch schaffen bis 2026?

Den Hochwasserschutz für Ammerland. Wir sind dabei, mit den betroffenen Grundstückseigentümern notarielle Verträge abzuschließen. Einige von ihnen haben andere Vorstellungen als die Planer. Sie lehnen zum Beispiel Gitterroste oder Gräben vor ihren Grundstücken ab. Da suchen wir nach verträglichen Lösungen. Aber der Standard ist heute hoch. Der Freistaat fördert nur große Maßnahmen, die schweren Hochwässern standhalten. Ich würde mir mehr Solidarität von manchen Anwohnern wünschen, bin aber zuversichtlich, dass es noch etwas wird mit dem Hochwasserschutz.

Und darüber hinaus...

Unabhängig davon werden wir hoffentlich bald den Bebauungsplan für das am Kapellenweg geplante Feuerwehrhaus erneut auslegen, damit dort endlich gebaut werden kann. Dort gibt es auch immer wieder Änderungswünsche, die das Verfahren verzögern. Auch das muss ich mir dann anhören.
Apropos bauen: Ich will eine Baufibel prüfen lassen, damit sich Münsing und seine Ortsteile nur so verändern, dass sie immer noch ihren Charakter behalten. In St. Heinrich hat uns die Entwicklung mit den vielen Neubauten leider etwas überrollt. Das soll sich nicht wiederholen. Wir dürfen nicht zu einer Münchner Vorstadt werden.
In die Bereiche Wasserversorgung investieren wir ständig. Der Straßenunterhalt ist ausbaufähig. Auch das wird die Bürger und Gebührenzahler belasten, so ehrlich muss man sein. Da wird man nicht gelobt, wenn man viel repariert und dann der Wasserpreis steigt. Trinkwasserqualität will jeder. Aber alles den nächsten Generationen zu überlassen und nichts zu tun, geht für mich auch nicht. Die Wahrheit liegt auch hier in der Mitte: Notwendiges angehen, weniger Brisantes mittelfristig abarbeiten. Und Unerfüllbares ruhen lassen.
Wir müssen nicht mehr überall Pilotgemeinde sein. Wichtige Themen wie Windkraft (Option) oder die Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes als Pflichtaufgabe werden Jahre an Aufwand nach sich ziehen. Das überfordert momentan unsere Verwaltung. Wir können so nicht weiterarbeiten und unsere Leute verheizen.
Der erbitterte Widerstand in Ambach hat viel Aufwand produziert. Aber hier geht’s ins Verfahren, und es gibt eine Klärung, die längst überfällig ist. Auch hier sollte man ein hochkarätiges Wettbewerbsergebnis einmal anerkennen. Das Konzept zur Entwicklung des Dorfkerns von Münsing werden wir in den kommenden sechs Jahren weiterverfolgen, aber es wird meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin sicher auch noch beschäftigen.

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Denken Sie bereits daran, einen Nachfolger aufzubauen?

Ja, wobei die Entscheidung beim Wähler bleibt und man nicht weiß, wer 2026 parat steht und sich dieser Herausforderung in Münsing stellen wird.

Sind Sie noch motiviert?

Ich gehe voll motiviert in diese Amtszeit, werde bis zum letzten Tag alles geben. Ich freue mich darauf, wenn wir nach der Corona-Krise wieder Feste feiern können, wenn das Normale, Ungezwungene und Spontane wieder möglich sein wird. Aber mit dann 58 Jahren und heute schon zweitdienstältester Bürgermeister im Landkreis ist für mich 2026 definitiv Schluss. Die Aufgabe kostet Kraft. Es gibt kaum ein Verfahren und keine noch so kleine Baustelle ohne Skepsis und Probleme. Das beansprucht einen, das nimmt einen her. Wer nichts macht, bekommt weniger Gegenwind. Aber es muss doch was weitergehen in der Gemeinde. Ich werde ab 2026 auch nicht mehr im Gemeinderat sein als „graue Eminenz“. Was ich mir vorstellen kann, ist, in der Kommunalberatung tätig zu sein oder mich anderswo nützlich zu machen. Ich werde mir eine neue Herausforderung suchen. In diesen Zeiten werden erfahrene Leute gebraucht, da mache ich mir überhaupt keine Sorgen um meine berufliche Zukunft bis zum Ruhestand.

Tanja Lühr

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