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Eine der ersten Adressen für gutes Essen: Nach 100 Jahren gehen im Gasthaus Limm in Münsing die Lichter aus. Der Grund ist Personalmangel.

Wirtin traurig über Entscheidung

Loriot war Stammgast: Traditionsgaststätte Limm muss nach 100 Jahren schließen

Wirtin Inge Limm fällt der Schritt äußerst schwer, doch sie sieht keinen anderen Ausweg. Sie muss ihr Traditionsgasthaus in Münsing schließen.

Münsing Das Münsinger Traditionsgasthaus Limm, von den Einheimischen auch Neuwirt genannt, ist Geschichte. Nach dem Tod ihres Mannes Sebastian im Juli 2018 hat Inge Limm noch ein dreiviertel Jahr lang versucht, das Lokal alleine weiterzuführen. „Jetzt ging es nicht mehr“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Neuwirt bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

Als Hauptgrund für diesen Schritt, der ihr sehr schwergefallen sei, nennt Inge Limm den Personalmangel. In der Küche habe sie nur noch eine Köchin und eine weitere feste Kraft gehabt. „Ich musste mich jeden Tag um Aushilfen kümmern“. Im Service sah es mit drei festangestellten Bedienungen und drei Aushilfen zwar etwas besser aus, aber krank durfte auch niemand von ihnen werden. Der Betrieb des Lokals sei seit dem Tod ihres Mannes „eine große nervliche Belastung“ für sie gewesen, sagt die Witwe. Sie habe den hohen Qualitätsstandard halten wollen, für den das Gasthaus seit jeher bekannt war.

Vicco von Bülow alias Loriot war Stammgast beim Neuwirt.

Die Geschichte der Familie Limm auf dem ehemaligen „Wollschlagerhof“‘ reicht mehr als hundert Jahre zurück bis 1908. Damals kaufte der Brauer Josef Limm das Anwesen. Bereits dessen zweiter Sohn eröffnete eine eigene Metzgerei und belieferte erstklassige Restaurants mit hochwertigen Fleisch- und Wurstwaren. Dessen Sohn Sebastian trat in die Fußstapfen des Vaters, lernte zunächst Metzger und danach Koch. Bei seinem Praktikum im berühmten Münchner „Tantris“ unter dem damaligen Küchenchef Heinz Winkler sammelte er interessante Erfahrungen, bevor er als Juniorchef 1986 ins elterliche Gasthaus Limm eintrat. 2000 übernahm Sebastian Limm den Betrieb. Seine Frau Inge kümmerte sich hauptsächlich um die Buchhaltung. Mit einem Team von fünf Köchen komponierte Limm jahrelang kulinarische Spezialitäten, die Gäste weit über die Landkreisgrenzen hinaus anlockten. Das Gasthaus wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem von der Initiative „Slow-Food“ und vom Michelin „Genuss-Führer“. Der Neuwirt war eines der Lieblingsrestaurants des verstorbenen Humoristen Vicco von Bülow alias Loriot. Am liebsten aß der Ammerlander dort Leberknödel.

Inge Limm dankt ihren treuen Mitarbeitern, die nach dem Tod ihres Mannes alles gegeben hätten, damit das Lokal weiter läuft. Sie hätten bereits problemlos neue Stellen gefunden. „Die Schließung war wirklich ein schwerer Schritt für mich. Es war, als würde ich meinen Mann ein zweites Mal beerdigen“, sagt Inge Limm traurig. Viele langjährige Gäste aus Münsing und Stammgäste von auswärts würden das Ende des Gasthauses sehr bedauern, hätten ihr gegenüber aber auch Verständnis gezeigt.

Die Metzgerei wird Limm zusammen mit dem bisherigen Metzgermeister weiterführen. Eine Verpachtung des Lokals komme für sie nicht in Frage, da Metzgerei, Restaurant und ihre Wohnung so eng miteinander verbunden seien, sagt sie. Die Kinder seien beruflich anderweitig engagiert.

Tanja Lühr

Lesen Sie auch: Paukenschlag auch in Erding: Die Familie Rötzer schließt den Gasthof Zur Post in der Erdinger Innenstadt Ende März nächsten Jahres nach 35 Jahren. Wirt Bernhard Rötzer zeiht ein bitteres Fazit. Auch an anderer Stelle in Erding wurde nun das Ende eines Traditionsbetriebs eingeläutet. Die Bäckerei Fleck schließt Ende Oktober. 60 Jahre hat es sie dann gegeben. Auch wenn es ihm wohl schwer fällt, gibt der Chef auch zu: „Es reicht jetzt“.

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