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Seit sechs Jahrzehnten „bei der Musi“: Franz Schwarz hat viel mit der Musikkapelle Müsing erlebt. 

Franz Schwarz hört auf

Klarinettist war 60 Jahre bei der Musikkapelle Münsing - jetzt sagt er Servus

Franz Schwarz kam mit zwölf Jahren zur Musikkapelle Münsing. Nun hört der 72-Jährige auf - die anderen Mitglieder werden aber nicht ganz auf ihn verzichten müssen.

Münsing Seit seinem zwölften Lebensjahr spielte Franz Schwarz bei der Musikkapelle Münsing (MKM) Klarinette. Jetzt, nach 60 Jahren Mitgliedschaft, stellt der 72-Jährige sein Holzblasinstrument der Marke Boehm zwar noch nicht in die Ecke, aber bei der MKM hört er auf.

Der Abschied ist mit vielen schönen Erinnerungen an mehr als ein halbes Jahrhundert Musikant sein verbunden. Der Vater und der Onkel waren „bei der Musi“. Die zünftigen Polkas, Walzer und Märsche gefielen Franz Schwarz schon als Bub. Mit sieben lernte er Melodica und Akkordeon, mit zwölf entdeckte er seine Liebe zur Klarinette. Vom Vater bekam er sein erstes Instrument geschenkt – eine Boehm, wegen des geringeren Abstands der Öffnungen, der für kleine Hände besser geeignet ist.

Als der Onkel, Thomas Huber, 1959 die Musikkapelle neu belebte, trat Schwarz als eines der jüngsten Mitglieder bei. „Ich hab’ einen guten Lehrer gehabt, den Alfred Stefke aus Höhenrain“, erzählt der Münsinger. Damals habe man selbst dahinter sein müssen, dass man Stunden nimmt und übt, „nicht so wie heute, wo einem Eltern und Lehrer alles in den Schoß legen“. Zwei Jahre später spielte der junge Klarinettist sein erstes Konzert gemeinsam mit dem Gesangsverein im Münsinger Altwirt.

Die Mitwirkung in der MKM hielt zahlreiche Höhepunkte für den Maschinenschlossermeister bereit, der eigentlich sogar einmal Berufsmusiker werden wollte. Die Aufnahmeprüfung beim Bundeswehr-Orchester hätte er bestanden, sagt er. Doch weil er nach Köln hätte gehen sollen, seine Eltern aber schon etwas betagt waren und er für sie da sein wollte, entschied er sich dagegen. Auch als Hobbymusikant gab Schwarz stets hundert Prozent.

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Der aktuelle Vereinsvorsitzende Michael Huber lobt Schwarz’ Disziplin, seine Aufgeschlossenheit für ausgefallenere und moderne Literatur und vor allem sein Engagement für die MKM, für das der Klarinettist irgendwann seine zweite große Leidenschaft, das Fußballspielen, aufgab. Schwarz wirkte insgesamt 16 Jahre in verschiedenen Posten in der Vorstandschaft. Unter anderem war er sechs Jahre lang zweiter Vorsitzender. Die Familie – die Frau, drei Töchter und ein Sohn – hätten ihm stets den Rücken frei gehalten, berichtet Schwarz: „Wenn wir mal wieder am Wochenende unterwegs waren mit der Kapelle, sind sie oft nachgereist, damit wir wenigstens ein bisschen Zeit miteinander hatten“.

An die Ausflüge und Reisen denkt der 72-Jährige besonders gern zurück: an die Fahrten zu den Bierfesten in Frankreich, zu den Folklore- und Weinfesten im Elsass, nach Tirol und ins befreundete Todtnauberg im Schwarzwald. Stolz ist Franz Schwarz darauf, einmal für internationale Politiker bei einem Weltwirtschaftsgipfel in München aufgespielt zu haben. Die Münsinger Kapelle gestaltete einen bayerischen Abend im Hofbräuhaus. „In ein Stück haben wir für die russischen Gäste deren Nationalhymne eingebaut. Die haben fast geheult vor Rührung“, erzählt Schwarz.

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Auch bei den Aufnahmen für eine Ludwig-Thoma-Fernsehproduktion waren die Münsinger im Hintergrund zu sehen. „Wir bekamen alle dunkle Schnauzbärte hingepappt“, weiß Schwarz noch. Bescheiden weist er auf die Erfolge der MKM hin: das gute Abscheiden bei den zahlreichen Konzertwertungsspielen, einmal sogar in der Höchststufe, die nahezu jährliche Teilnahme am Wiesn-Festeinzug, die einmalige Teilnahme an der Papst-Benedikt-Parade in Rom, die aufgenommenen CDs und die Zusammenarbeit mit der HipHop-Band „Blumentopf“. Das Wichtigste war für den geselligen Klarinettisten jedoch immer die gute Kameradschaft, die unter den Musikanten herrschte. Jung und Alt hätten sich verstanden, die ehemaligen Musikanten würden immer noch zu Veranstaltungen und Fahrten eingeladen. „Das gilt selbstverständlich auch für unseren Schwarz Franz“, betont der Vorsitzende Michael Huber.

Auf das musikalische Können vom Schwarz Franz wird man in Münsing künftig nicht ganz verzichten müssen. In dem vor einem Jahr gegründeten Klarinettenquartett wird er von Zeit zu Zeit mit drei weiteren Ehemaligen in der Kirche, beim Adventshoagart und bei anderen Gelegenheiten zu hören sein.

Tanja Lühr

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