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Alle packen mit an: Am Samstag transportierten die Münsinger Madln und Burschen ihren Maibaum zum Bruckmeir-Hof.

Tradition

„Schee grad g’wachsen“: Münsinger bringen Maibaum zum Lagerort

Ein über 32 Meter langer Tross zog am Samstag durch Münsing: Die „Weschner“ holten ihren Maibaum ein.

Münsing – Die Münsinger Madln und Burschen der Burschenschaft West innerhalb des Katholischen Burschenvereins, kurz „Weschner“ genannt, haben am Samstag ihren Maibaum eingeholt. Die 32 Meter lange Fichte stammt aus dem Wald der Familie Pfatrisch am Hartlweg. Geschlagen wurde sie, wie es sich gehört, in einer der Raunächte, am 28. Dezember.

Pünktlich fanden sich die Burschenschaftsmitglieder samt Stefan Leinbach, der den Baum an seinem Unimog befestigte, am Samstagmorgen am Hartlweg ein. Mit von der Partie waren rund 20 Bläser der Musikkapelle Münsing. Sie begleiteten den Zug mit fröhlichen Klängen durch das halbe Dorf. Doch die Musikanten schafften gerade einmal drei Märsche, so schnell beförderten die Weschner den prächtigen Stamm zum Lagerort, dem Bruckmeir-Hof an der Degerndorfer Straße.

Elegant meisterten sie sämtliche Kurven, einmal kürzten sie über den Radweg ab. Einheimische und Ausflügler erfreuten sich an dem Spektakel. Ob Radler oder Autofahrer, jeder wartete gerne, bis der gut gelaunte Tross vorübergezogen war. Nach nur 20 Minuten war das Ziel erreicht. Unter einem Scheunendach wurde der Maibaum aufgebockt. Musi und Gäste wurden mit einer zünftigen Brotzeit bewirtet und bald kam Hausherr Ferdinand Bruckmeir auf den Hof spaziert, um den neuen „Untermieter“ zu begutachten. „Schee grad g’wachsen“, so das Urteil des Fachmanns.

Bruckmeir war in jungen Jahren selbst einmal Oberbursch’. Aktueller Oberbursch’ ist Kilian Strobl. Ihm zur Seite steht Korbinian Kühn. Die Obermadln sind dieselben wie vor vier Jahren: Katharina Schmid und Sabine März. Auf die Vorstandschaft und die rund 50 weiteren Weschner wartet noch eine Menge Arbeit bis zum 1. Mai, heuer ein Mittwoch.

Die Wachhütte muss geputzt und eingerichtet werden, der Baum gehört geschäpst, also entrindet. Das Bemalen mit den typischen weiß-blauen Rauten und Streifen übernimmt Malermeister Günther Breiter. Die Madln und Burschen werden sich der Zunftzeichen annehmen, die neu hergerichtet werden müssen. Jeden Sonntag werden 20 Tanzpaare unter der Leitung von Katrin Suttner vom Trachtenverein Seeröserl proben, damit die Tänze um den Baum am Festtag sitzen.

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Der Baum wird gut bewacht sein, wie Oberbursch’ Strobl ankündigt. Der Bauwagen werde jede Nacht besetzt sein. An den Wochenenden sind Motto-Partys geplant wie eine Malle-Wache mit reichlich Sangria, eine Ehemaligen- und eine Altweiberwache. Am Sonntag, 14. April, ist der ganze Ort ab 10.30 Uhr zum Spanferkel-Essen eingeladen. Am Freitag, 26. April, findet um 19.30 Uhr in der Pfarrkirche ein Jugendgottesdienst statt. Der Maibaum wird am 1. Mai ab 5.30 Uhr traditionell mit Scherstangen vor dem Altwirt aufgestellt. Ab 13 Uhr finden der Tanz um den Baum und die Maifeier beim Altwirt statt, bei schlechtem Wetter wird die Feier in ein Zelt beim Bruckmeir-Hof verlegt.

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Dass es in Münsing zwei Maibäume, einen im Osten beim Neuwirt, und einen im Westen beim Altwirt und somit auch zwei Burschenschaften innerhalb des Katholischen Burschenvereins gibt, hat historische Gründe. Münsing bestand schon seit jeher aus zwei Ortsteilen, bezeichnet als „Ouschn“ (Ost) und „Weschn“ (West). Möglicherweise war die Teilung durch die Brunnen entstanden. Für die Ouschner war der Brunnen beim „Nickler“, für die Weschner der beim „Mussl“ bestimmt. Eine weitere Ursache könnte in den früheren Besitzverhältnissen liegen. Eine Teilung des Ortes, verursacht durch zwei verschiedene Grundherrschaften von Klöstern, erscheint laut Münsinger Chronik durchaus denkbar. Zum Maitanz laden die Weschner die Ouschner ein, ansonsten geht man in den kommenden sechs Wochen getrennte Wege.

Fies, wenn man Senioren im Pflegeheim den Maibaum klaut? Das haben die Prittlbacher Burschen in Indersdorf im Landkreis Dachau gemacht.

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