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Er kennt sich aus: Seit 14 Jahren ist Michael Grasl Bürgermeister in Münsing.

Mehr Schreibtischarbeit? Oder Hetzen von Termin zu Termin?

Wie schaut der Alltag eines Bürgermeisters aus? Ein Gespräch mit Münsings Rathauschef Michael Grasl

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In weniger als einem Jahr sind Kommunalwahlen. Dann werden auch die Bürgermeister neu gewählt. Doch was macht ein Rathauschef eigentlich? Stellvertretend für seine Amtskollegen haben wir mit Michael Grasl gesprochen, Sprecher der Bürgermeister im Landkreis.

Münsing– Jeder im Ort kennt ihn und weiß, wo er anzutreffen ist: der Bürgermeister. Was hingegen nicht jeder weiß: Wie schaut sein Alltag aus? Hetzt der Beamte von Termin zu Termin? Oder verbringt er die Tage an einem Schreibtisch voller Akten? Michael Grasl kennt die Antwort. Der 51-Jährige ist seit 14 Jahren Bürgermeister von Münsing. „Jeder Tag ist anders, keiner wie der andere“, berichtet der Sprecher der Bürgermeister im Landkreis.

Der Beruf liegt bei Grasl sozusagen in der Familie: Schon als Bub träumte er davon, später einmal Rathauschef zu sein. „Mein Vater war ehrenamtlicher Bürgermeister von Percha, einer sehr kleinen Gemeinde bei Starnberg“, erklärt Grasl. Als Kind habe er ihn manchmal begleiten dürfen. „Der Beruf hat mich irgendwie schon immer gereizt.“

Ein geregelter Acht-Stunden-Tag als Rathauschef? Fehlanzeige.

Wer nach einem geregelten Acht-Stunden-Tag strebt, für den ist dieser Job die falsche Wahl. „Meine Arbeitszeiten variieren. Ich habe aber keine Stechuhr oder schreibe mir meine Überstunden auf“, sagt der Bürgermeister. Freitagnachmittag etwa, wenn für den Rest im Rathaus bereits das Wochenende begonnen hat, bleibt der Münsinger manchmal in seinem Büro. „Da vereinbare ich zum Beispiel Termine mit Personen, die schwer zu erreichen sind.“ Weitere zusätzliche Stunden kommen am Abend und an den Wochenenden dazu. Ob Geburtstage, Vereinsveranstaltungen, Jahresversammlungen, Sitzungen – die Liste ist lang. „Mit allen Gemeindeteilen kommen wir in Münsing auf über 50 Vereine. Da bin ich schon unterwegs“, sagt Grasl und lacht. Vor Kurzem hatte der Bürgermeister übrigens die 100. Gemeinderatssitzung in seiner Amtsperiode. Aufmerksame Kollegen schenkten ihm zu diesem Anlass eine Loriot-Tasse. Der verstorbene Vicco von Bülow alias Loriot ist Ehrenbürger der Gemeinde.

Trotz der vielseitigen Aufgaben existieren in Grasls Alltag auch gewisse Routinen. „Jeden Tag beginne ich um 8.15 Uhr in meinem Büro, und um halb eins geht es in die Mittagspause“, sagt der Rathauschef. Trotz seines vollen Terminkalenders gibt es zwischendurch Phasen, in denen es etwas ruhiger zugeht. Von März bis Ostern etwa. „Aber dass über einen längeren Zeitraum gar nichts los, das kommt nicht vor.“

Kontaktfreudigkeit: eine der wichtigsten Eigenschaften als Bürgermeister.

Was Grasl in seinem Beruf am meisten Freude bereitet? „Definitiv der viele Kontakt mit den Menschen, die ganzen Gespräche mit den Bürgern. Da bekommt man so viel mit.“ Kontaktfreudigkeit ist laut dem Münsinger eine der wichtigsten Eigenschaften in seinem Metier. „Als Bürgermeister darf ich mich nicht hinter dem Schreibtisch verstecken. Da muss ich raus und auf meine Mitbürger zugehen.“

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Grasls Hauptarbeit läuft mittlerweile trotzdem am Computer ab. „Die Leute schreiben mir inzwischen eher E-Mails. Da sind sie flexibler.“ Der 51-Jährige würde sich „wünschen, dass wieder mehr Leute vorbeischauen und das persönliche Gespräch suchen“. Denn: Im Münsinger Rathaus gibt es kein Vorzimmer. „Eine Sekretärin habe ich nicht. Deshalb bin ich mit Terminvereinbarungen direkt erreichbar. Ich bearbeite vieles selber.“

Es existieren aber auch Momente, in denen jeder noch so engagierte Bürgermeister an seine Grenzen stößt. Wenn es zum Beispiel darum geht, auf allen Terminen persönlich zu erscheinen. „Am Anfang dachte ich, das ist machbar. Aber da muss man zu sich selbst ehrlich sein. Das geht einfach nicht.“ Aus diesem Grund hat Grasl zwei Stellvertreter, die für ihn einspringen.

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Als Rathauschef ist Grasl unbestritten ein viel beschäftigter Mann. Seine Familie muss da auch mal zurückstecken. „Die sind das inzwischen gewohnt“, sagt Grasl und lacht. Jedoch gesteht der zweifache Familienvater: Früher, als die beiden Töchter noch zur Schule gingen, sei das nicht immer einfach gewesen. Gerade deshalb sei es in seiner Position wichtig, einfach mal auszuspannen und abzuschalten, sagt Grasl. Und wenn es nur beim Musizieren oder beim Sport in der Natur ist.

Neben vielen positiven Erfahrungen erlebt der Bürgermeister bei der Arbeit genauso unschöne Augenblicke. Dazu gehören etwa anstrengende und langjährige Verfahren oder persönliche Kritik, wenn die Menschen nicht sachlich bleiben. „Wie in jedem anderen Beruf gibt es natürlich auch Rückschläge“, sagt Grasl. In solchen Fällen müsse man versuchen positiv zu denken. „Wenn ich einen schlechten Tag hatte, ist das tags darauf meistens wieder vergessen.“

kof

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