Eine Szene aus einem Pflegeheim (Symbolbild).
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Die Altenpflege hat Schwester Marina zu ihrer Lebensaufgabe gemacht.

Die unermüdliche Altenpflegerin ist 94-jährig verstorben

Münsing trauert um Schwester Marina

Schwester Marina hat in Münsing und Umgebung hingebungsvoll viele alte Menschen bis zum Tod gepflegt. Jetzt ist sie im Alter von 94 Jahren verstorben.

Münsing – Der Pfarrverband Münsing trauert um Schwester Marina, Ordensmitglied der Familienschwestern. Eine Woche, nachdem sie ins Kreszentia-Stift in München gezogen war, verstarb sie am 24. August im Alter von 94 Jahren unerwartet schnell. Das teilt die Kuratie Holzhausen mit.

Johanna Lindner, wie sie mit bürgerlichem Namen hieß, kümmerte sich als gelernte Altenpflegerin jahrzehntelang um Senioren im gesamten Landkreis. In Gebenbach im Landkreis Amberg geboren, packte sie nach der Berufsschule im elterlichen Landwirtschaftsbetrieb mit an und war nebenbei in ihrer Heimatpfarrei aktiv, bis sie 1953 eine Anstellung als Stationshilfe im Krankenhaus Siegenburg erhielt. 1955 trat die gläubige Katholikin in die Ordensgemeinschaft der Familienschwestern ein, wo sie den Namen Marina erhielt. Sie arbeitete im Hospiz, im Müttergenesungswerk, in der damaligen Landwirtschaft des Ordens auf Gut Holzen in Icking und im ordenseigenen Hotel „Europäischer Hof“ in München.

Schwester Marina war viele Jahre Altenpflegerin in Münsing.

In Prien und Kochel sammelte sie in den 1970er Jahren erste Erfahrungen in der Altenpflege. Die Tätigkeit bereitete ihr Freude, sodass sie eine Ausbildung zur Altenpflegerin absolvierte. Von 1975 bis 1978 pflegte sie zunächst in der Villa der Familienschwestern in Obermenzing ihre älteren Mitschwestern. Nachdem das Schwesternhaus in Ambach neu gebaut worden war, kam sie 1978 dorthin. Gleichzeitig war sie als mobile Krankenschwester in der Caritas-Sozialstation in Geretsried angestellt, von wo aus sie Senioren in mehreren Orten des Landkreises betreute.

Die Altenpflege war ihre Lebensaufgabe

„Die Altenpflege bei den Menschen zu Hause wurde für Schwester Marina zur zentralen Lebensaufgabe“, sagt Pfarrer Martin Kirchbichler vom Pfarrverband Münsing – „eine große, schöne, schwere und bis in unsere Zeit oft verkannte Aufgabe.“ Durch Corona habe sich das zwar etwas verändert. Kranken- und Pflegepersonal werde auf einmal als „Helden des Alltags“ bezeichnet, so Kirchbichler. Schwester Marina sei schon viel früher eine solche „Heldin“ gewesen. Bei Wind und Wetter war sie unterwegs, teils bis in die Jachenau hinein. Die freundliche Frau kam in viele Häuser und gehörte oft fast schon zur Familie.

Auch als Mesnerin war sie in Ambach tätig

Sogar in ihrer Freizeit war Schwester Marina für die Menschen da, die ihre Hilfe brauchten. Viele begleitete sie auf ihrem letzten Lebensabschnitt. Dies brachte ihr große Wertschätzung von Seiten der Ambacher Bevölkerung und in der ganzen Umgebung ein. Ihr überdurchschnittliches Engagement war Anlass, dass sie 1998 das Bundesverdienstkreuz am Bande erhielt. Die Oberin der Ambacher Schwestern kümmerte sich viele Jahre als Mesnerin um die Kapelle in Ambach und übernahm den Sakristeidienst an den Samstagen. Sie initiierte den monatlichen Krankengottesdienst im Schwesternhaus. Die Kommunionkinder der Kuratie Holzhausen beschenkte sie jahrelang mit selbst gestrickten Schäfchen.

„In ihren zwischenmenschlichen Beziehungen ließ sich Schwester Marina von dem Grundsatz leiten: Geben ist seliger denn Nehmen“, sagt Kirchbichler. Im Jahr 2000 ging die Familienschwester als ambulante Altenpflegerin in den Ruhestand. 2004 wurde sie in die Ordensvilla in Obermenzing versetzt, obwohl die Menschen sie gerne weiterhin in Ambach behalten hätten. So lange sie konnte, half sie in der Villa mit und betreute eine pflegebedürftige Schwester bis zu deren Tod. Am 24. August ging nun ihr eigenes langes, arbeitsreiches und erfülltes Leben zu Ende. Schwester Marina wurde auf dem Münchner Waldfriedhof beerdigt. Tanja Lühr

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