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Bei der Eröffnung der Drive-In-Teststation fuhr auch Bürgermeister Michael Grasl vor. 

Corona-Krise im Landkreis 

Diese Erfahrungen machte Dr. Jörg Lohse an der Münsinger Drive-in-Teststation

Neben Bad Tölz gab es auch in Münsing eine Drive-in-Teststation für möglicherweise infizierte Bürger. Darüber sprach unsere Mitarbeiterin Tanja Lühr mit Dr. Jörg Lohse. 

Münsing – Seit Ende März betreiben die Münsinger Allgemeinärzte Nergiz Özden und Dr. Jörg Lohse eine Drive-in-Station für Corona-Tests auf einem Parkplatz am Münsinger Ortseingang. Sie wurde von ihnen als Ergänzung zu der Station am Tölzer Landratsamt eingerichtet, auch weil sich in Münsing besonders viele junge Menschen bei einer Maibaumwache mit dem Coronavirus angesteckt hatten. Den Patienten aus dem Nordlandkreis wird im Drive-in nach Überweisung durch den Hausarzt ein Rachenabstrich entnommen. Das Ergebnis erhalten die Getesteten am nächsten Tag. 

Herr Dr. Lohse, haben Sie noch etwas zu tun in der Teststation?

Dr. Jörg Lohse, Münsinger Allgemeinmediziner. 

Die Zahl der Patienten ist tatsächlich stark zurückgegangen, von 80 bis 90 pro Woche in Spitzenzeiten auf jetzt 20 bis 30 pro Woche. Entsprechend haben wir viel weniger positiv Getestete. Wir haben im Moment nur noch dienstags und donnerstags geöffnet. Am Dienstag kommt eine Hals-Nasen-Ohren-Ärztin, die uns unterstützt. Über dieses kollegiale Miteinander bin ich sehr froh.

Werden Sie die Station irgendwann ganz auflösen?

Nein, so schnell nicht. Wir sind in einer angespannten, beobachtenden Position. Sollte die Zahl der Infizierten im Landkreis wieder steigen, stehen wir parat. Ich betrachte das Drive-in als wichtiges Frühwarn-System.

In Münsing ist die Zahl der Neuinfizierten bei Null. Man hat die verhältnismäßig vielen Fälle in der Gemeinde offenbar gut in den Griff bekommen.

Ja, die jungen Leute haben sich alle vorbildlich verhalten. Die erste positiv auf Covid-19 getestete Person hat sofort ihre Maibaum-Wachkollegen, mit denen sie engeren Kontakt hatte, informiert. Sie alle waren bei mir, und alle Erkrankten haben die Quarantäne eingehalten. Im Moment habe ich keinen Covid-19-Patienten in meiner Praxis zu betreuen. Daran sieht man, dass sich das Virus eindämmen lässt, wenn jeder sich an die Regeln hält.

Befürchten Sie, dass das im Landkreis und in Deutschland nach den weiteren Lockerungen nicht der Fall sein wird?

Es bereitet mir Sorgen, wenn ich sehe, dass nach den Lockerungen in Deutschland die Zahl der Neuinfektionen diesen Donnerstag wieder bei über 900 lag. Ich befürchte weitere Wellen und befürworte die Entscheidung der Politik, Lockerungen notfalls wieder zurückzunehmen. Man wird künftig sehr genau abwägen müssen: Was ist wichtig und was ist Luxus? Das Virus wird sich nicht ändern, die Reaktion des Menschen darauf auch nicht, solange es keinen Impfstoff gibt. Der Mensch kann nur sein Verhalten ändern.

Jetzt, wo wieder mehr erlaubt ist, wollen manche Landkreisbürger sich vielleicht vorsorglich bei Ihnen auf das Virus testen lassen, weil sie zum Beispiel ihre Mutter im Pflegeheim besuchen möchten, aber auf keinen Fall riskieren wollen, sie anzustecken.

Ich verstehe dieses Bedürfnis, empfehle vorsorgliche Tests aber nicht. Zum einen werden sie bei Gesunden nicht von den Krankenkassen finanziert. Zum anderen wiegt einen ein negatives Ergebnis in trügerischer Sicherheit. Es könnte schon am nächsten Tag positiv ausfallen. Lieber sollte man beim Kontakt mit alten Menschen die Hygienevorschriften strikt einhalten. Wenn ich meinen 89-jährigen Vater besuche, wasche ich mir vorher gründlich die Hände, trage eine Mund-Nasen-Maske und setze mich mit ihm an einen langen Tisch als Barriere zwischen uns, um mich mit ihm zu unterhalten. Will jemand unbedingt einen Test – oder aus den genannten Gründen besser mehrere –, muss er bedenken, dass dieser ohne Überweisung vom Arzt rund 150 Euro kostet. Genügend Tests gibt es. Tanja Lühr

Lesen Sie auch: Fritz Wagner betreibt einen Münsinger Corona-Blog

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