Mit dem gebotenen Abstand: Rund 50 Besucher kamen am Dienstagabend zur Bürgerversammlung.
+
Mit dem gebotenen Abstand: Rund 50 Besucher kamen am Dienstagabend zur Bürgerversammlung.

Bürgerversammlung mit 50 Besuchern

Münsing: Ein Großprojekt und kleinere Probleme

Etwa 50 Besucher kamen trotz Corona am Dienstagabend zur Bürgerversammlung in den Gemeindesaal. Drehte sich in den vergangenen vier Jahren alles um das geplante Seniorenwohnstift in Ambach, ging es diesmal in erster Linie um das neue Rathaus mit Bürgerhaus.

Münsing – Die Gemeinde Münsing will rund 21,5 Millionen Euro in ihr neues Rathaus mit Bürgerhaus investieren – 8 Millionen für das Bürgerhaus mit Saal, 7,5 Millionen für das Rathaus und 6 Millionen für die Tiefgarage. Einen Teil des Geldes will sie durch staatliche Fördermittel wieder hereinholen. Diese vorläufige Kostenschätzung nannte Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) auf Anfrage von Nikolaus Mair in der Bürgerversammlung am Dienstagabend.

Die Frage nach den zu erwartenden Betriebskosten konnte Grasl nicht beantworten. Mair befürchtet, dass die Gemeinde sich mit dem Mega-Projekt übernimmt, weil wegen der Corona-Krise in den kommenden Jahren voraussichtlich Steuereinnahmen wegbrechen werden. Der Rathauschef verwies auf rund 17 Millionen Euro an Rücklagen für das Projekt.

Klaus Mair sorgt sich trotzdem, dass kein Geld mehr für eine von vielen Bürgern gewünschte zweite Sporthalle übrig bleiben könnte. Dafür, so der Bürgermeister, müsse der Sportverein Münsing als Bauherr erst einmal seinen nötigen Eigenanteil an der Finanzierung aufbringen. Auch müsse die Entwässerungssituation am Labbach geklärt sein, bevor man dort irgendetwas baue.

Ein Eigenheim oder eine Gewerbehalle bauen würde auch mancher Einheimische gerne. Michael Grasl verwies darauf, dass der Gemeinderat jüngst Baurecht an der Angerbreite in Degerndorf, am Münsinger Angerweg und in St. Heinrich geschaffen habe – „keine großen Baugebiete, aber immerhin einige kleine Parzellen für unsere Bürger“. Er sprach sich für eine maßvolle Entwicklung der Gemeinde aus, so wie in der Vergangenheit. Mit aktuell 4277 Einwohnern halte sich das Wachstum in Grenzen. Um neues Bauland ausweisen zu können, müsse der Flächennutzungsplan in einem langwierigen Prozess neu aufgestellt werden. Das wolle der Gemeinderat ab Mitte dieser Amtsperiode anpacken. In den Plan einfließen werde auch das in Auftrag gegebene Verkehrsgutachten.

Thema Verkehr

Zum Thema Verkehr gab Grasl bekannt, dass das Staatliche Bauamt Weilheim den Ausbau der Staatsstraße zwischen Münsing und Holzhausen voraussichtlich 2021 in Angriff nehmen werde. Doch nicht jeder wünscht sich schön asphaltierte Fahrbahnen. Eine Bürgerin beklagte, dass die frisch renovierte Staatsstraße zwischen Münsing und Degerndorf sich zur „reinsten Rennstrecke“ entwickelt habe. Ein Ammerlander sagte, dass die Autos an der neu hergerichteten Staatsstraße nach Ammerland hinunter in die Randstreifen aus Kies fahren würden. Er bat darum, dass das Straßenbauamt weiße Linien anbringen möge. Dem Wunsch aus der Bevölkerung, den Hauserweg zu sanieren, wird die Gemeinde laut Grasl demnächst nachkommen.

Hochwasserschutz

Kritik gab es am Hochwasserschutz für Ammerland. Mit mindestens drei Millionen Euro sei der geplante Wasserablauf in den Starnberger See zu teuer, meinte ein Besucher. Grasl verteidigte die Maßnahme als von den Anwohnern lange ersehnt und von der Gemeinde lange geplant. Außerdem liefen die Vorbereitungen: Der Bebauungsplan für den Bereich südlich der Ammerlander Hauptstraße gehe jetzt in die zweite Auslegung, nachdem noch einige Einzelfragen geklärt werden müssten. Ein Teilabschnitt könnte 2021 gebaut werden. Damit gebe es eine Perspektive für die Feuerwehr, die am Kapellenweg ein neues Gerätehaus bauen will.

Busverkehr

Die Beschwerde einer Mutter wegen der schlechten Busverbindungen zwischen Münsing und Wolfratshausen für Schüler gab Grasl an Landrat Josef Niedermaier weiter. Dieser erklärte, im Landratsamt werde intensiv an einem Konzept für den Öffentlichen Personennahverkehr gearbeitet – „trotz Corona“ (siehe Kasten). Die Taktverdichtung sei eines der vorrangigen Ziele.

Mobilfunk

Nach einem alternativen Mobilfunk-Standort in Holzhausen sucht die Gemeinde laut Grasl weiterhin. Den von der Telekom beantragten Bau eines Funkmasts am Ortsausgang stellte das Landratsamt wie berichtet zurück. Laut Bürgermeister wird die Zurückstellung wohl verlängert. Gleichzeitig nehme die Gemeinde an verschiedenen Förderprogrammen für den Breitbandausbau teil und wolle die Digitalisierung an der Grundschule vorantreiben.

Am Ende ein Appell

Eindringlich appellierte der Bürgermeister zum Schluss an die Münsinger, sich beim eigenen Freizeitverhalten verantwortungsvoll zu verhalten, indem sie zum Beispiel keine Hunde im Wald frei laufen ließen. Den heuer besonders starken Ausflugsverkehr am Seeufer habe die Gemeinde gemeinsam mit der Polizei (siehe Kasten unten) nach besten Kräften zu regeln versucht. Grasl bat um eine gewisse Toleranz. Vom Tourismus profitierten schließlich auch etliche heimische Branchen.

Tanja Lühr

Lesen Sie auch:

Bürgerversammlung in Königsdorf: Rathauschef Kopnicky kündigt externen Träger für Königsdorfer Kita an

Auch interessant

Kommentare