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Quicklebendig dank bester Pflege: Paula und Sebastian Bönte helfen mit, die Spottdrosseln aufzupäppeln, die eines Tages mehr tot als lebendig vor der Balkontüre lagen.

Spottdrosseln in Ammerland

Gefiederte Gäste aus Amerika

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Münsing - Seit ein paar Tagen kümmert sich Familie Bönte aus Ammerland um drei Vogelkinder. Doch statt der vermuteten Schwalben entpuppen sich die Winzlinge als Spottdrosseln aus Nordamerika.

Es war die zwölfjährige Paula, die die Winzlinge vor der Balkontüre entdeckt hat. Die drei waren offensichtlich aus dem Nest gefallen und mehr tot als lebendig. „Wir dachten zuerst, dass es Schwalben sind“, erzählt Silvia Bönte (42). „Aber egal, wer oder was, sie brauchten jetzt Hilfe.“

Alle taten ihr Bestes, um die neuen Familienmitglieder aufzupäppeln. Silvia Bönte selbst, Ehemann Michael (50) sowie die beiden Kinder Paula (12) und Sebastian (14) umsorgten die Tiere. Zunächst versuchten die Böntes ihr Glück mit Aufzuchtfutter, aber das funktionierte nicht. „Ein Bekannter hat uns dann den Tipp gegeben, noch etwas Eiweiß beizumengen.“ Also wurde ein Ei gekocht und in schnabelgerechten Stückchen untergemischt. Die ersten Bissen bekamen Willi, Franz und Norti per Pinzette. Wasser gab es mit der Pipette. Und siehe da – auf einmal wuchsen die Jungvögel. Und Namen bekamen sie auch. Fortan hießen sie Willi, Franz und Norti.

Vater Michael Bönte begann parallel, das Internet zu befragen, wer denn die Überraschungsgäste überhaupt sind. Er wurde fündig: Der gefiederte Familienzuwachs gehört zu den Spottdrosseln. „Ein bisschen gewundert haben wir uns schon“, sagt er. Schließlich reicht das Hauptverbreitungsgebiet der Tiere vom Süden Kanadas über Mexiko bis in die Karibik. Vor allem in Florida ist die Spottdrossel zuhause. Wie und warum die Vogelmutter ausgerechnet nach Ammerland zum Brüten gekommen ist, ist den Böntes ziemlich egal.

Derweil gehen Willi, Franz und Norti ihren Lieblingsbeschäftigungen nach: Sie laufen auf dem Boden herum, krabbeln die Arme hinauf oder setzen sich auf die Schultern. Allerdings – darauf wird allergrößter Wert gelegt – beschäftigt sich immer nur ein Mensch mit einem Vögelchen. Einfache Erklärung: „Spottdrosseln sind Einzelgänger“, erklärt Michael Bönte. Außerdem verteidigen die ihr Revier rigoros. Wie zur Bestätigung klappert Willi drohend mit dem Schnabel, als Franz seiner Meinung nach zu nah an ihm vorbei wandert.

Dass der Familienfriede alles andere als belastbar ist, bekam auch Norti zu spüren: Seine beiden Geschwister hatten sich irgendwann einmal zusammen getan, auf ihn eingehackt und dadurch verletzt. Seitdem hat er einen eigenen Käfig, um vor weiteren Attacken geschützt zu sein.

Zum Pflegeprogramm der Böntes gehören übrigens auch Flugübungen. „Wir haben die Hand mit dem daraufsitzenden Vogel schnell von oben nach unten bewegt, bis er die Flügel gestreckt hat“, erzählt Pappa Bönte. „So eine Art Krankengymnastik eben.“ Der Flugkurs hatte Erfolg: Fliegen geht mittlerweile genauso gut wie Laufen.

Und jetzt? „Wir wollen Willi und Franz diese Woche fliegen lassen“, betont Silvia Bönte. „Norti soll noch ein bisschen Kraft sammeln. Wir wollen schließlich nicht, dass ihn die Katze gleich holt.“ Die ist nämlich sauer auf die kleinen Gäste: „Seit die Vögel da sind, hat sie Zimmerverbot. Was sie aber nicht davon abhält, vor der Türe herumzuschleichen, ob die einen kleinen Spalt offen ist.“

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